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HSV

04. Dezember 2016 | 00:57 Uhr

Millionen für neuen Sportchef : Beiersdorfer bleibt HSV-Boss: Einigung mit Christian Hochstätter

vom
Aus der Onlineredaktion

In dieser Woche will der HSV den Posten des Sportchefs neu besetzen. Es sieht aus, als sei man auf der Zielgeraden.

Hamburg | Der HSV ist in dieser Saison noch sieglos und nimmt mit lediglich zwei Punkten den letzten Tabellenplatz ein. Mit dem Wintereinbruch sucht der Verein einen Sportchef, der – anders als der Stellvertreter Dietmar Beiersdorfer es leisten kann – nah an der Mannschaft operiert. Beiersdorfers Favorit auf den Posten ist Bochums starker Mann Christian Hochstätter. Laut Informationen des „Hamburger Abendblatt“ soll der Vertrag mit dem früheren Profi von Borussia Mönchengladbach noch in dieser Woche unterzeichnet werden. Einen Bericht der „Bild“, wonach es bereits eine Einigung über einen Vertrag bis 2019 gibt, wollte der Verein am Dienstag allerdings nicht bestätigen. Es geht noch um die Ablösesumme.

Der HSV sucht einen Sportdirektor als Nachfolger des im Mai freigestellten Peter Knäbel. Seither hatte Vorstandsvorsitzender Dietmar Beiersdorfer den Aufgabenbereich zusätzlich übernommen. Weil der HSV in dieser Saison noch ohne Sieg Tabellenletzter ist und Personalentscheidungen bislang wirkungslos geblieben sind, ist die Kritik an Beiersdorfer in seiner Doppelfunktion lauter geworden.

Der VfL Bochum soll mit einem Abgang seines Machers einverstanden sein – vorausgesetzt der HSV entschädigt den Club von der Castroper Straße mit einem Millionenbetrag. Denn der 53-Jährige hatte seinen Kontrakt erst im Frühjahr bis 2020 verlängert. „Er hat uns am Sonntagabend darüber informiert, dass Hamburg auf ihn zugekommen ist, um Gespräche mit ihm zu führen“, sagte Bochums Aufsichtsratschef Hans-Peter Villis dem „Reviersport“: „Das wollen wir ihm nicht verbieten.“ Laut dem Bericht der „Bild“ beläuft sich die Forderung der Bochumer allerdings auf stattliche 1,6 Millionen Euro.

<p>Begegung beim Derby: Beiersdorfer als Sportlicher Leiter des HSV und Hochstätter als Sportdirektor von Hannover 96 im Jahr 2008.</p>

Begegung beim Derby: Beiersdorfer als Sportlicher Leiter des HSV und Hochstätter als Sportdirektor von Hannover 96 im Jahr 2008.

Foto: imago/Sven Simon

Als Sportdirektor war der gebürtige Augsburger Hochstätter bereits in Mönchengladbach und bei Hannover 96 aktiv. Nach der Beendigung seines Vertrages in Hannover bildete der 53-Jährige sich fort, wirkte als Spielerberater, später als Vermögensberater und in einer Werbeagentur. Heute gilt er als knallharter Verhandler. An der Ruhr fällt die Bewertung von Hochstätters Arbeit meist positiv aus. Er hat die einst als „unabsteigbar“ geltenden Bochumer sportlich wie finanziell stabilisiert und mit Gertjan Verbeek einen einflussreichen Trainer mit Philospophie verpflichtet. 29 Spieler holte er in drei Jahren Amtszeit ablösefrei zum VfL, einige von ihnen verkaufte er anschließend für großes Geld weiter. Der Aufstieg in die erste Liga gelang allerdings nicht.

Der in seiner Geschichte schlechteste Saisonstart des Fußball-Bundesligisten mit acht Niederlagen und ohne Sieg in zehn Spielen hinterlässt ansonsten nur noch Wut bei den Fans und Verzweiflung in der Vereinsführung. Der neue Sportchef soll die Lage beruhigen, denn hinterfragt worden in der desaströsen Lage ist die Rolle des Vereinsvorsitzenden Dietmar Beiersdorfer.

Dringend empfiehlt auch Heribert Bruchhagen dem HSV eine Arbeitsteilung in der Führung. „Dietmar Beiersdorfer macht einen sehr angespannten Eindruck“, meinte der frühere Vorstandsvorsitzende von Eintracht Frankfurt im TV-Sender Sky. Deshalb benötige er Hilfe auf dem Sportchefposten. Beiersdorfer hatte seit Mai zusätzlich die Aufgaben des beurlaubten Sportdirektors Peter Knäbel übernommen. „Ich gebe Dietmar den Rat, ganz eng an die Mannschaft heranzugehen, sich ganz auf den sportlichen Bereich zu konzentrieren und eine Wagenburg zu bilden“, sagte Bruchhagen.

Unterdessen musste sich Beiersdorfer erklären. Nach Informationen der „Hamburger Morgenpost“ hatte ihn der Aufsichtsrat zum Rapport zitiert. Das Gespräch soll, wie die Zeitung am Dienstag berichtete, zugunsten des Clubchefs ausgefallen sein. Schon vor einigen Tagen hatte der Aufsichtsratsvorsitzende Karl Gernandt – allerdings vor der 2:5-Klatsche gegen Dortmund – gesagt: „Wir sind definitiv nicht auf der Suche nach einem Vorstandsvorsitzenden.“

Anders als in früheren Jahren, als der Aufsichtsrat als Club der Ahnungslosen verhöhnt wurde und Interna zuhauf ausplauderte, hält sich das jetzt deutlich kleinere Gremium der ausgegliederten Fußball-AG bedeckt. Darin wirken unter Vorsitz von Gernandt die Wirtschaftskapitäne Dieter Becken und Felix Goedhart, Ex-Profi Peter Nogly, Klitschko-Manager Bernd Bönte sowie HSV-Präsident Jens Meier.

Kolportiert wird, dass die Ratsmitglieder ihren Vorsitzenden mittlerweile argwöhnisch betrachten, weil dieser sein Gremium nicht ausreichend und rechtzeitig über gemeinsam mit Beiersdorfer getroffene Entscheidungen informiere. Pikant: Gernandt ist Verwaltungsrats-Präsident im Logistik-Unternehmen von HSV-Teilhaber und Mäzen Klaus-Michael Kühne.

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erstellt am 08.Nov.2016 | 16:14 Uhr

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