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Fussball

08. Dezember 2016 | 03:06 Uhr

Vor Nordderby in der Fussball-Bundesliga : HSV gegen Bremen: Die Angst vor dem „Triple“ spielt mit

vom
Aus der Onlineredaktion

Spieler und Fans vom HSV und Bremen hätten das Spiel am liebsten schon hinter sich - zu groß ist die Aufregung.

Hamburg | Lange nicht konnten der HSV und Werder Bremen bei einem Nordderby so viel verlieren: Die 104. Auflage am Freitagabend gerät zum Abstiegskrimi. Der HSV könnte in der dritten Saison nacheinander wieder in Richtung Relegation rutschen, wo die Bremer derzeit stehen - das wäre das unrühmliche „Triple“. Mit einem Sieg allerdings könnte Hamburg seinen Verbleib in der Fußball-Bundesliga vorzeitig so gut wie sicherstellen. Allerdings haben die Hamburger in dieser Saison schon sieben Heim-Niederlagen kassiert - die meisten davon gegen Konkurrenten im Abstiegskampf. Sollten nun auch die auf dem drittletzten Tabellenrang stehenden Bremer in der Hansestadt gewinnen, würden sie nach Punkten zum HSV aufschließen. Ein gutes Omen für den HSV ist zumindest die Schiedsrichterbesetzung.

Die Historie der Nordderbys ist lang. In der nächsten Saison könnte sie nicht fortgeschrieben werden: Wenn der HSV oder Bremen absteigt.

Vor der Partie gibt sich HSV-Trainer Bruno Labbadia optimistisch: „Wir haben es selbst in der Hand“, sagte er. Ihn plagen allerdings Personalsorgen in der Offensive, zudem ist Schlussmann René Adler gesperrt. Doch es gibt auch Hoffnungsstreifen. So ist der Kader beim HSV besetzt:

 

Der langjährige Bremer Aaron Hunt kehrt zurück. „Er hat immer wieder gezeigt, warum wir ihn geholt haben“, meinte Labbadia über den Spielmacher. Trotz der vielen Ausfallzeiten wegen Verletzungen könne der Taktgeber im Derby ein entscheidender Mann werden. Nach zuletzt zwei Niederlagen will der HSV unbedingt den fünften Heimsieg in dem mit 57.000 Zuschauern ausverkauften Volksparkstadion.

Hinter dem Einsatz von Pierre-Michel Lasogga und Nicolai Müller stand bis zuletzt eine dickes Fragezeichen - sie hatten sich im Dortmund-Spiel genau wie Teamkollege Albin Ekdal verletzt. Nach dem Abschlusstraining am Donnerstag gab es ein Aufatmen: Lasogga und Müller können spielen, ein Seufzer bleibt hingegen bei Ekdal: Er muss pausieren. 

Werder-Trainer Viktor Skripnik muss nach der couragierten Leistung beim Pokal-Aus beim FC Bayern München (0:2) keine großen Änderungen vornehmen. Wegen der Reisestrapazen und nur 70 Stunden Pause dürfen seine Profis vor dem Duell aber im eigenen Bett schlafen. Das Hinspiel verloren die Bremer im Weserstadion mit 1:3. Im shz.de-Fanduell lesen Sie, aus welchen Gründen der HSV das Nordderby gewinnt und was Bremen dagegen zu setzen hat.

Angst vor Hooligan-Hauereien

Kritik vor dem Spiel gibt es an der DFL: für die Ansetzung der Partie als Risikospiel an einem Freitagabend. „Am Abend besteht die Möglichkeit, im Schutz der Dunkelheit zu agieren. Wenn sich Hooligans nach dem Spiel treffen und auseinandersetzen, ist das schwieriger zu verhindern als am Tage“, sagt Dirk Schröder von der Polizei Hamburg. „Außerdem ist damit zu rechnen, dass viele Fans nach dem Spiel auf den Kiez gehen. Dort könnte es weitere Auseinandersetzungen geben.“ Grund für die Ansetzung ist, dass am Samstag viele Polizeikräfte in Hannover benötigt werden, wo US-Präsident Barack Obama die Messe eröffnet.

Alkoholverbot im Stadion

Viele Sicherheitsvorkehrungen sind für das Derby eingeleitet worden. Im Stadion und in den Zügen aus Bremen gibt es keinen Alkohol. Zudem wird alles unternommen, um ein Aufeinandertreffen der Fanlager zu verhindern. Über den öffentlichen Nahverkehr werden unterschiedliche Anfahrtswege eingerichtet. Im Stadion werden die Fans in Sektoren getrennt.

Michael Rudolph, Werders Direktor Public Relations, hofft auf ein friedliches Spiel: „Beide Vereine haben ein gutes Verhältnis und sind schon seit Jahren um Deeskalation bemüht, indem auf große Sprüche verzichtet wird. Auch die Spieler werden darauf aufmerksam gemacht, die Stimmung mit ihren Aussagen nicht zusätzlich anzuheizen.“

Rund 6500 Fans reisen aus Bremen an - viele mit der Bahn. Bereits auf der Hinfahrt wird versucht, die Gemüter zu beruhigen. Rudolph: „Eine typische Maßnahme ist, dass einige Sicherheitskräfte aus dem Weserstadion zusammen mit den Fanorganisationen anreisen.“ Später im Stadion ist Carsten Klauer für die Sicherheit verantwortlich. Der geschäftsführende Gesellschafter der Power Personen-Objekt-Werkschutz GmbH schickt etwa 600 seiner Ordner in und um das Volksparkstadion, etwa 200 mehr als sonst. Nicht alle sind als Sicherheitsleute erkennbar. „Wir haben auch Kräfte, die in zivil draußen unterwegs sind und nur beobachten“, sagt Klauer.

Schiedsrichterbesetzung

Im Fokus der Partie steht auch Schiedsrichter Manuel Gräfe. Denn schließlich war er es, der am 1. Juni  des Vorjahres, dem HSV in der Relegation in Karlsruhe mit einer umstrittenen Entscheidung ein Freistoß zusprach, den Marcelo Diaz zum 1:1 verwandelte - und dadurch die Hamburger in Liga Eins rettete. Seitdem hat Gräfe keine Partie des HSV mehr geleitet.

Die kuriosesten Spiele beim  Nordderby

Trauma für Hamburg

2009 war Werder ein einziger Alptraum für den HSV. Binnen 19 Tagen kassierten die Hamburger in vier Spielen gegen Bremen Niederlagen in drei Wettbewerben. Werder verbaute den ungeliebten Hamburgern im Halbfinale des UEFA-Cups den Finaleinzug. Werder warf den HSV aus dem DFB-Pokal und verhinderte, dass die Hamburger sich in der Meisterschaft einen Champions-League-Startplatz sichern konnten.„Dieses Trauma wird aus der Geschichte des HSV nicht mehr zu tilgen sein“, jammerte damals Club-Chef Bernd Hoffmann. „Wir haben den Hamburgern alles versaut, was man ihnen versauen kann“, frohlockte der damalige Werder-Kapitän Torsten Frings.

Papierkugel

Im UEFA-Cup-Halbfinale 2009 sorgte eine Papierkugel für die Entscheidung. Eine von einem Hamburger Fan geworfene Pappkugel lenkte an der Außenlinie den Ball zur Ecke ab. Prompt folgte das dritte Bremer Tor (Endstand 2:3). Noch heute schwören die HSV-Fans: „Die Kugel war abseits.“ Der HSV verpasste den Einzug ins UEFA-Cup-Finale. Dort verlor Werder gegen Schachtor Donezk.

Hohe Klatsche

6:0 fertigte Werder Bremen den HSV 2004 ab. Es war das Jahr, als Werder letztmals deutscher Meister wurde. Die Klatsche war die höchste für den HSV in der Geschichte des Nordderbys. Damals erzielte der heutige Werder-Trainer Viktor Skripnik ein Tor per Elfmeter. Der höchste HSV-Sieg steht bei 5:0 (1980).

Kung Fu-Wiese

Werder-Torhüter Tim Wiese wurde 2008 durch einen brutalen Kung-Fu-Tritt gegen HSV-Angreifer Ivica Olic zur Hassfigur der HSV-Fans. Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelte. Das Verfahren wurde eingestellt. Vor den Derbys zündelte der Keeper: „Wir müssen dem HSV auf den Sack geben.“

Karriereende nach schwerem Spiel-Unfall

Einen dramatischen Moment erlebte HSV-Verteidiger Ditmar Jakobs 1989. Bei einem Rettungsversuch rutschte der Nationalspieler ins eigene Tor und bohrte sich einen Karabinerhaken der Netzverankerung in den Rücken. Es dauerte 20 Minuten, bis er befreit wurde. Wegen der schweren Verletzung musste Jakobs seinen Karriere beenden.

Tiefpunkt

Der Tiefpunkt in der Nordderby-Historie wurde 1982 erreicht. Damals starb der 16 Jahre alte Bremer Anhänger Adrian Maleika nach einem Überfall durch HSV-Hooligans.

Demütigung für Bremen

Für die Bremer Mannschaft war es eine Demütigung ersten Ranges. Weil ihre Trikots nicht von denen der Hamburger zu unterscheiden waren, mussten sie im November 1971 beim Erzrivalen deren Ersatz-Leibchen mit der Raute auf der Brust anziehen. Der HSV gewann mit 2:1.

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erstellt am 22.Apr.2016 | 11:57 Uhr

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