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Fußball-WM

05. Dezember 2016 | 03:34 Uhr

Ex-Kapitän Turan außen vor : Umbruch in der türkischen Nationalelf

vom

Ömer Toprak wieder da, Arda Turan erneut außen vor und der Kader deutlich verjüngt - mit seinen Personalentscheidungen sorgt der türkische Nationaltrainer Terim für viel Aufsehen. Der Umbruch hat wohl nicht nur sportliche Gründe.

Immerhin ein Störfeuer hat der türkische Fußball-Nationaltrainer Fatih Terim gelöscht.

Mit der Rückkehr von Ömer Toprak, der nach zweijähriger Pause für die kommenden WM-Qualifikationsspiele gegen die Ukraine und in Island erstmals wieder im Kader steht, findet ein kontroverser Zwischenfall sein versöhnliches Ende. «Ich wollte immer für mein Land spielen, gerade jetzt, wo es so schwierig ist, besonders», sagte Toprak.

Im Oktober 2013 waren der Verteidiger von Bayer Leverkusen und sein Teamkollege Hakan Calhanoglu nach einem WM-Qualifikationsspiel im Mannschaftshotel von Mitspieler Gökhan Töre bedroht worden. Ein Begleiter Töres hatte eine Pistole dabei gehabt.

Der frühere Hamburger Töre spielt inzwischen bei West Ham United und wurde für die kommenden Spiele nicht nominiert. Calhanoglu ist dagegen wie Toprak mit von der Partie. Auch wenn der damalige Skandal mit Topraks Rückkehr aufgearbeitet scheint, kommt die «Milli Takim» einfach nicht zur Ruhe. Grund dafür ist vor allem ein Machtkampf zwischen Terim und Arda Turan vom FC Barcelona.

Der 29-jährige Turan war bis zur EM im Sommer in Frankreich noch Spielführer und unumstrittene Leitfigur, wurde nun aber zum zweiten Mal nacheinander von Terim nicht berücksichtigt. Neben Turan sind weitere Stammkräfte wie Galatasaray-Kapitän Selcuk Inan, Torjäger Burak Yilmaz (Beijing Guoan) oder Außenverteidiger Gökhan Gönül vom türkischen Meister Besiktas seit der EM außen vor. 

Stattdessen setzt Terim auf jüngere Spieler, darunter die Bundesliga-Profis Emre Mor (Borussia Dortmund), Yunus Malli (FSV Mainz 05), Caglar Söyüncü (SC Freiburg) und Kaan Ayhan (Fortuna Düsseldorf). Schon im ersten WM-Qualifikationsspiel schaffte Terim mit einem verjüngten Kader beim 1:1 in Kroatien einen Achtungserfolg. Was wie ein eingeleiteter Umbruch aussieht, hat aber nicht nur sportliche Gründe.

Schon während der EM in Frankreich gab es türkische Medienberichte über Unstimmigkeiten zwischen Terim und einigen Spielern. Dabei soll es vor allem um ausgebliebene Prämienzahlungen gegangen sein. Diese soll Kapitän Turan bei Terim moniert und so den Unmut des Trainers auf sich gezogen haben. 

Die Beteiligten selbst äußern sich nur nebulös über die Vorfälle. Terim sprach im August auf einer Pressekonferenz von einer «Grundsatzentscheidung» und von Fehlverhalten der Spieler «nicht mir gegenüber, sondern dem türkischen Volk gegenüber». Auch Turan hält sich bedeckt und beschränkte sich zuletzt darauf, einen möglichen Rücktritt zu dementieren: «Ich warte auf meine Zeit in der Nationalmannschaft und konzentriere mich solange nur auf Barcelona.» 

Was immer auch der Grund für den Machtkampf sein mag, der Sieger steht fest: Terim. Der «Imperator» genießt volle Rückendeckung des türkischen Fußballverbands. Auf die Frage, warum der TFF sich nicht zum Zwist zwischen Trainer und Spielführer äußerte, erklärte Vorstandsmitglied Ali Dürüst beim TV-Sender Beyaz TV: «Wenn Terim spricht, bedarf es keiner weiteren Stellungnahme des Verbands.» Der Nationaltrainer genieße die «höchste Entscheidungsmacht» und mache davon Gebrauch.

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erstellt am 05.Okt.2016 | 14:42 Uhr

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