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Fußball-Liveticker

10. Dezember 2016 | 15:39 Uhr

Fussball-EM 2016 : 2:1! Island schafft die Sensation gegen England

vom

Island verpasst England den EM-Brexit. Im Viertelfinale wartet der Gastgeber. England-Trainer Roy Hodgson tritt zurück.

Nizza | Islands Fußball-Helden feierten mit ihren ekstatischen Fans völlig losgelöst eine der größten Überraschungen der EM-Geschichte, Englands konsternierter Teamchef Roy Hodgson verkündete nach der Blamage umgehend seinen Rücktritt. Der Sensations-Neuling aus dem hohen Norden Europas hat desaströsen Engländern den EM-Brexit verpasst und will sein Fußball-Märchen nun auch im Viertelfinale gegen Gastgeber Frankreich fortsetzen. Mit dem 2:1 (2:1)-Sieg schossen die kampfstarken Isländer den enttäuschenden Favoriten am Montag aus dem Turnier und versetzten ein ganzes Land in Jubelstimmung.

Englische Pressestimmen

„Times“: „Nach 959 Spielen war das die demütigendste Niederlage in Englands Geschichte - gegen ein Land von 330.000 Einwohnern, trainiert von einem Zahnarzt. England hat letzte Nacht aufgehört ein Fußball-Team zu sein und ist nur noch eine Lachnummer. Das war hirntoter Fußball, voll von Individuen in Panik.“

„Daily Mail“: „England erleidet die ultimative Demütigung durch eine beschämende Niederlage gegen den kleinsten Fisch im Turnier.Geschlagen von Island - einem Land mit der Einwohnerzahl in der Größe von Leicester. Geschlagen von Island - einem Team mit einem Teilzeit-Coach und einer Teilzeit-Fußballkultur. Geschlagen von Island - einem Team, das zuvor niemals ein K.o.-Spiel bei einem Turnier bestritten hat.“

„Mirror“: „Brrrexit Hodgson. Völlige Demütigung. Keine Ideen, keine Überzeugung, keine Klagen - Roy Hodgons Männer sind nach einer grauenhaften Vorstellung in Nizza auf dem Weg nach Hause. Es gibt drei Dinge, die sicher sind im Leben: Tod, Steuern und mittelmäßige englische Vorstellungen in großen Turnieren.“

„Independent“: „Der Grund, warum die Nation damit kämpft, Mitgefühl oder eine Verbindung zu vielen dieser Spieler aufzubauen, ist das Ego. Zu berühmt, zu wichtig, zu reich, zu arrogant, um die Geschwindigkeit und den Kampf anzunehmen, wenn es gegen eine der winzigsten Fußballnationen Europas geht. Das ist England.“

„Sun“: „Ice Wallies (Eis-Trottel). Hodgson tritt nach erbärmlichem Scheitern zurück.“

 

Wayne Rooney brachte England vor 33.901 Zuschauern in Nizza bereits in der 4. Minute per Foulelfmeter in Führung. Doch Ragnar Sigurdsson (6.) und Kolbeinn Sightorsson (18.) schlugen innerhalb von nur zwölf Minuten zurück und bejubelten am Ende den größten Erfolg in Islands Fußball-Geschichte. „Es ist der Glaube und die Power als Team, die uns stark machen. Das ist der größte Moment meiner Karriere. Unser Ziel war es, die Gruppenphase zu überstehen. Es ist einfach alles unglaublich“, sagte Sigurdsson.

Am Sonntag will der Außenseiter im Final-Stadion von Saint-Denis nun auch den Titeltraum des EM-Gastgebers beenden. „Es ist wunderbar, Teil dieser Geschichte zu sein“, erklärte Mittelfeldspieler Birkir Bjarnason. „Jetzt können wir auch Frankreich schlagen.“

Roy Hodgson nimmt seinen Hut

Zwei Jahre nach dem peinlichen Scheitern in der WM-Vorrunde erlebte Hodgson eine weitere Schmach und zog umgehend Konsequenzen. „Es tut mir leid, dass es so enden muss“, sagte der 68-Jährige. „Es ist nun an der Zeit für jemand anderen, den Fortschritt dieser jungen, hungrigen und extrem talentierten Truppe zu verantworten.“

Der englische Verband kündigte an, die Entscheidung von Hodgson zu unterstützen und weitere Schritte „sofort“ zu diskutieren. „Wie die gesamte Nation sind wir enttäuscht über die Niederlage“, hieß es in einer Stellungnahme. „Wir hatten große Hoffnung, weit in diesem Wettbewerb zu kommen und akzeptieren, dass wir weder unsere eigenen noch die Erwartungen des Landes erfüllt haben.“ Als mögliche Nachfolger von Hodgson werden U21-Trainer Gareth Southgate, der ebenfalls zurückgetretene Assistent Gary Neville und die Premier-League-Trainer Alan Pardew, Sam Allardyce oder auch Arsene Wenger gehandelt.

Der Weltmeister von 1966 muss weiter auf den ersten Sieg in der K.o.-Phase einer EM-Endrunde außerhalb des eigenen Landes warten.

Island dreht das Spiel

In einer denkwürdigen Partie ging es sofort in die Vollen. Kein Abtasten, kein Zögern - Power-Fußball von Beginn an. England agierte wie schon in den ersten drei Turnierspielen im sehr offensiven 4-1-2-3-System und erwischte die Nordeuropäer kalt. Eine schöne Flanke aus dem Halbfeld von Daniel Sturridge erreichte den von Medien und Fans zuletzt scharf kritisierten Raheem Sterling, der von Island-Keeper Hannes Thor Halldorsson im Strafraum zu Fall gebracht wurde. Rooney verwandelte sicher vom Elfmeterpunkt - es war sein 53. Treffer im 115. Länderspiel.

Nur 80 Sekunden später jubelten die Isländer. Nach einem weiten Einwurf verlor Rooney das entscheidende Kopfballduell mit Kari Arnason, dessen Vorlage Sigurdsson aus Nahdistanz zum Ausgleich verwertete.

Und es kam noch besser für den krassen Außenseiter. Bei einem der wenigen Vorstöße durfte der EM-Neuling vor dem Strafraum weitgehend ungestört kombinieren, Sightorsson bedankte sich für die Freiheiten mit dem 2:1. Beim 14-Meter-Schuss des Frankreich-Legionärs vom FC Nantes leistete sich Joe Hart im Tor der Engländer allerdings einen dicken Patzer.

Birkir Bjarnason (8) feiert das Siegtor mit Mitspielern und Fans.

Birkir Bjarnason (8) feiert das Siegtor mit Mitspielern und Fans.

Foto: dpa

Jetzt schon eine Legende ist Islands Kommentator Gudmundur Benediktsson. Er verlor beim Treffer zum 2:1 - wie schon gegen Österreich - erneut seine Stimme.

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Der Rückstand wirkte wie ein Schock. Den einfallslosen Engländern fiel gegen die Defensive der Isländer, die teilweise mit neun Mann um den eigenen Strafraum verteidigten, nichts ein. Lediglich nach einer knappen halben Stunde wurde es noch einmal gefährlich. Eine präzise Flanke von Sturridge nahm Harry Kane mit vollem Risiko, seinen Volleyschuss parierte Halldorsson aber glänzend.

Ansonsten wirkte das englische Spiel völlig erstarrt. Hilflos guckten sich Rooney & Co. auf der Suche nach Anspielstationen um. Trainer Roy Hodgson beobachtete das Ganze schweigend vor der englischen Bank stehend. In der Pause reagierte Hodgson dann doch: Für Eric Dier kam Jack Wilshere. Das Spiel seiner Mannschaft wurde dadurch aber kaum besser.

Vielmehr standen die Isländer dicht vor dem dritten Treffer, als Ausgleichsschütze Sigurdsson mit einem Fallrückzieher aus fünf Metern an Hart scheiterte.

Nach einer Stunde brachte Hodgson dann Jamie Vardy. Doch auch der Stürmer vom Meister Leicester City konnte die vielbeinige Island-Abwehr nicht aufmischen. Hodgson vergrub immer öfter das Gesicht in seinen Händen und wirkte am Ende wie alle Spieler völlig leer.

Island hat durch einen 2:1-Sieg gegen England sensationell das Viertelfinale der Fußball-EM erreicht. Dort trifft der EM-Neuling am Sonntag in Saint-Denis auf Gastgeber Frankreich.
Islands Nationalmannschaft feiert nach dem Abpfiff den Sieg mit den Fans. Allen voran Aron Gunnarsson. Foto: Sebastien Nogier

Im Stadion feierten die Fans nach dem Abpfiff mit den Spielern.

 

Fans feiern in Reykjavik

Mehr als 10.000 Menschen in Island-Blau - einige von ihnen mit Wikingerhelmen auf dem Kopf - kreischten und hüpften nach dem sensationellen 2:1-Sieg gegen England auf dem Hügel Arnarhóll in der Innenstadt von Islands Hauptstadt Reykjavík. Hierher war das Public Viewing vom zentralen Ingolfstorg verlegt worden, weil dort nicht mehr genug Platz für alle Fußballfans war. Die Straßen in der Innenstadt waren wegen der erwarteten Menschenmassen während des Spiels gesperrt.

Fans feiern beim Public Viewing in Reykjavík.
Fans feiern beim Public Viewing in Reykjavík. Foto: dpa
 

Viele Isländer waren angesichts des EM-Erfolgs ihrer Mannschaft fassungslos. „Ich kann es einfach nicht glauben“, sagte ein Fußballfan. Während Fernsehkommentator Gudmundur Benediktsson, der sich beim Achtelfinal-Einzug der Isländer in Ekstase geschrien hatte, am Montag wieder bei Stimme war und erneut euphorisch mitfieberte, dürften viele Fans am Dienstag heiser sein.

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erstellt am 28.Jun.2016 | 06:47 Uhr

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