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Fußball EM 2016

05. Dezember 2016 | 11:41 Uhr

Fußball : Zweiklassengesellschaft in der K.o.-Runde der EM

vom

Die Ausrutscher von England und Spanien bringen bei der XXL-Europameisterschaft einige Topfavoriten in die Bredouille.

Auch Weltmeister Deutschland, Gastgeber Frankreich und vor allem den wehklagenden Italienern droht auf dem Weg zum erhofften Finale trotz souverän absolvierter Gruppenphase ein schwieriger Weg. Alle Topteams befinden sich in einer Hälfte des Turniertableaus. Die bei dem Mammut-Turnier erstmals zahlreich versammelte B-Prominenz des europäischen Fußballs um Wales, Polen, Kroatien und die Schweiz gehen den anderen Weg Richtung Endspiel am 10. Juli im Stade de France.

Eindrücklich belegt wird das von Englands und Spaniens Abschneiden als Gruppenzweite verschuldete Missverhältnis durch den Blick auf die Turniermeriten aller Teams. 20 WM- und EM-Titel holten die Mannschaften in der deutschen K.o.-Hälfte. Im anderen Tableauteil sind es: Null! Der viel gescholtene EM-Modus hat mit der pikanten Lage nichts zu tun. Die Erfolge der vermeintlichen Außenseiter belegen viel mehr, dass sie sich die EM-Teilnahme verdient haben. Wales und Ungarn gewannen ihre Gruppen und könnten nur im Viertelfinale gegeneinander spielen.

Mit großer Sorge blickt die Squadra Azzurra schon auf den Beginn der K.o.-Runde. Italiens Sportzeitung «Gazzetta dello Sport» titelte: «Mamma, La Spagna!» Italien muss im Achtelfinale gegen Titelverteidiger Spanien antreten - obwohl man sich als erstes Team als Gruppensieger für die nächste Runde qualifizierte. Das französische Fachmagazin «France Football» prophezeite dem EM-Gastgeber: «Ein machbares Achtelfinale, danach die Hölle.»

«Absurd: Die besten Mannschaften sind alle auf einer Seite», schreibt Italiens «Gazzetta dello Sport». «Wenn wir Spanien schlagen, wartet im Viertelfinale wahrscheinlich Deutschland. Erst der Europameister, dann der Weltmeister, wir sind Gruppenerster und werden bestraft», beschwerte sich auch der «Corriere dello Sport». Angesichts der anstehenden Kraftproben freut sich zumindest Bundestrainer Joachim Löw: «Das sind für mich die tollen Spiele. Da geht es wirklich um viel, die Spannung ist da», sagte er.

Die Sorgen sind dagegen auch beim Gastgeber groß. Im Achtelfinale wird die Equipe Tricolore im Duell mit Irland zwar noch auf einen vergleichsweise schwächeren Gegner treffen. Doch in Frankreich beschäftigt man sich schon mit dem möglichen Viertelfinale gegen England. Und schließlich könne das Team im Anschluss ja «dann auf Italien, Deutschland oder Spanien im Halbfinale» treffen, schrieb «France Football». «Wir sind noch sehr, sehr weit weg, von einem Finale am 10. Juli im Stade de France zu sprechen.»

Einen deutlich entspannteren Weg könnten dagegen die bisher so überzeugenden Waliser haben. Im Achtelfinale im Pariser Prinzenpark treffen Gareth Bale und seine Kollegen auf Nordirland. Auch im Viertelfinale wartet definitiv keine Übermannschaft, der Gegner würde dann Ungarn oder Belgien heißen. «Wen auch immer wir kriegen, wir werden uns gut darauf vorbereiten. Wir sind da nicht wählerisch», sagte Kapitän Ashley Williams der BBC.

Dass die Waliser bisher so gut spielen, passt vor allem dem großen Nachbarn nicht. Auch England debattiert jetzt schon über ein mögliches Viertelfinale gegen Frankreich, dass man sich mit einem Sieg gegen den deutschen Achtelfinalgegner Slowakei hätte ersparen können. «Wenn wir gegen sie spielen, wird es interessant», meinte Englands Coach Roy Hodgson.

Wie sehr die K.o.-Runde den Erfolgsweg eines Überraschungsteams begünstigt, wird auch am Beispiel Kroatiens deutlich. Die Mannschaft von Trainer Ante Cacic zählt spätestens nach dem 2:1 gegen Spanien am Dienstag zu den Geheimfavoriten. Im Achtelfinale trifft Cacics Team aber nun immerhin auf das noch sieglose Portugal.

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erstellt am 22.Jun.2016 | 23:08 Uhr

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