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Fußball EM 2016

04. Dezember 2016 | 07:09 Uhr

Fußball-EM 2016 : UEFA verbannt Fußballer-Kinder vom Spielfeld

vom

Nach den Spielen tollte viel Nachwuchs über den Rasen. Die UEFA sagt: „Die EM ist keine Familienveranstaltung.“

Berlin/Paris | Herzergreifend: Nach dem Sieg von Wales gegen Belgien im Viertelfinale der Euro 2016 liefen mehrere kleine Waliser und Waliserinnen über das Spielfeld, sie umarmten ihre Väter oder schossen unter großem Jubel der Fans aufs Tor. Superstar Gareth Bale rannte auf dem Rasen mit seiner Tochter Alba Violet sogar um die Wette.

Dass das ein schönes Bild ist, findet auch Turnierleiter Martin Kallen. Trotzdem sollen sich diese Bilder nicht mehr wiederholen, die Uefa-Funktionäre wollen die Kinder für den Rest des Turniers vom Rasen verbannen. „Das ist eine Europameisterschaft und zumindest auf dem Rasen keine Familienveranstaltung“, sagt Kallen. Stadien seien außerdem nicht der sicherste Platz für Kinder.

Teammanager Oliver Bierhoff kann diese Entscheidung der UEFA nachvollziehen, wie er im DFB-Teamquartier sagte. „Mir persönlich ist es auch ein bisschen zu viel.“ Der Kreis werde immer größer - aber die Mannschaft spiele als Mannschaft und solle auf dem Platz unter sich bleiben.

Die waliser Nationalspieler Neil Taylor (rechts) und Hal Robson-Kanu schließen nach dem Spiel gegen Belgien ihre Kinder in die Arme.

Die waliser Nationalspieler Neil Taylor (rechts) und Hal Robson-Kanu schließen nach dem Spiel gegen Belgien ihre Kinder in die Arme.

Foto: dpa

Andere sehen das nicht so. Die beiden Söhne des slowakischen Spielers Marek Hamsik kletterten nach der 0:3-Niederlage im Achtelfinale gegen Deutschland auf den Platz, schnappten sich den Ball und schossen immer wieder aufs Tor. „Das ist doch eine tolle Erfahrung für meine Söhne“, sagte Hamsik nach dem Spiel. „Sie hatten viel Spaß vor den vielen Leuten.“

Die Kinder der Spieler waren für viele Fans bei dieser Europameisterschaft ein echter Höhepunkt am Rande der Spiele. Wenn Islands Ari Freyr Skúlason seine kleine Tochter Camilla mit riesigen rosa Kopfhörern auf den Arm nahm und knuddelte, wurde auch Fußball-Muffeln warm ums Herz. Dafür rückten aber andere - zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung - etwas in den Hintergrund: die Spielerfrauen.

<p>Der Isländer Ari Freyr Skulason knuddelt seine Tochter während des Viertelfinalspiels gegen Frankreich.</p>

Der Isländer Ari Freyr Skulason knuddelt seine Tochter während des Viertelfinalspiels gegen Frankreich.

Foto: Peter Kneffel/dpa

Während sich vor mehreren Jahren noch Prominenz wie Victoria Beckham oder Sylvie Meis - damals noch van der Vaart - auf den VIP-Tribünen tummelten, ging es bei dieser Europameisterschaft geradezu bodenständig zu. Etwa Thomas Müllers Frau Lisa reiste nicht nach Frankreich - die Dressurreiterin war wegen eigener Turniere verhindert. Auch Bastian Schweinsteigers Freundin, Tennis-Star Ana Ivanovic, wurde nicht gesehen.

Anders als bei vorangegangenen Turnieren machten sich in Frankreich die Frauen, Freundinnen und Kinder der Spieler bislang rar. Das liegt zum einen an der Entfernung zwischen dem Basisquartier in Évian und den Spielorten. Und zweitens an der wenigen freien Zeit der Spieler.

In den Stadien waren aber einige Familienmitglieder und Freundinnen dabei - so Mario Götzes Freundin Ann-Kathrin Brömmel oder die Partnerin von Manuel Neuer, Nina Weiss. Auch Mats Hummels holte sich regelmäßig nach dem Spiel ein Küsschen von Frau Cathy ab. Die Freundin von Julian Draxler, Lena Stiffel, flog nach dem Viertelfinale mit nach Évian - aber natürlich nicht mit dem Mannschaftsflieger. Der ist ausschließlich für das Team reserviert.

Bei den Italienern brachte das ungarische Model Viktoria Varga, Freundin von Graziano Pellè, etwas Glamour auf die Tribüne. Leonardo Bonucci bekam zum Hochzeitstag Überraschungsbesuch von seiner Frau Martina und Alessandro Florenzis Frau Ilenia reiste vor dem Viertelfinale spontan mit der erst drei Wochen alten Tochter Penelope an.

Wales-Superstar Bale sagte auf die Frage, wie wichtig der Familienbesuch ist: „Es war sehr wichtig. Wir tun hier unseren Job, arbeiten hart. Aber wenn die Zeit ist, müssen wir auch relaxen und unsere Familien sehen.“

Auf dem Platz dürfen die Spieler im Halbfinale gegen Portugal am Mittwoch dann nicht mehr mit ihren Kindern umhertollen. Auch Bilder der deutschen Mannschaft mit ihrem Nachwuchs - wie bei der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren in Brasilien - wird es nicht geben.

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erstellt am 05.Jul.2016 | 15:36 Uhr

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