zur Navigation springen

Fußball EM 2016

07. Dezember 2016 | 13:34 Uhr

Nach Randale russischer Hooligans : Uefa: EM-Ausschluss auf Bewährung für Russland

vom

150.000 Euro Strafe und ein sofortiger Turnierausschluss im Wiederholungsfall: Der russische Fußballverband nimmt die Strafe an.

Paris | Mit einem Sieg gegen den EM-Debütanten Slowakei wäre das Achtelfinale ganz nah, doch die Angst vor Krawallen und einem drohenden Ausschluss überschattet den zweiten Turnier-Auftritt von Russland. Die Disziplinarkommission der UEFA bestrafte die Russen hart für die Fanausschreitungen im Stadion von Marseille. Im Wiederholungsfall werde die Mannschaft sofort von dem Turnier ausgeschlossen, teilte die Europäische Fußball-Union am Dienstag mit und verhängte zudem eine Geldstrafe von 150.000 Euro. Russland wird keinen Einspruch gegen die Strafe einlegen. „Wir warten auf die offizielle Mitteilung und werden die Entscheidung akzeptieren“, sagte Sportminister Witali Mutko am Dienstag der Agentur Tass zufolge.

Hooligans aus Russland hatten bereits bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine randaliert. Der russische Verband war dafür mehrfach mit Geldstrafen belegt worden und gilt deshalb als Wiederholungstäter.

Zudem habe Moskau Verständnis dafür, dass EM-Gastgeber Frankreich Problemfans abschiebe. „Sie werden deportiert, weil sie nicht gekommen sind, um Fußball zu sehen. Es wird Zeit, dass Ruhe einkehrt. Es läuft eine EM, das ist ein Feiertag für den Fußball, aber alle reden nur über Schlägereien und Strafen“, sagte der Minister.

Nach dem 1:1 zum Auftakt gegen England könnte die diesmal favorisierte Sbornaja mit einem Erfolg am Mittwoch in Lille (15 Uhr/ARD) einen großen Schritt Richtung K.o.-Runde vollziehen. Allerdings fürchtet die Elf von Trainer Leonid Sluzki das Verhalten der eigenen Fans auf der Tribüne mehr als den sportlichen Gegner auf dem Rasen.

Sogar die politische Führung des Landes sah sich zu einem Aufruf an die Fans gezwungen. Die Ausschreitungen seien „völlig inakzeptabel“, hieß es. Kremlsprecher Dmitri Peskow rief die russischen Fans auf, sich strikt an geltende Gesetze zu halten. „Man kann auch nur an unsere Fans appellieren, nicht auf Provokationen zu reagieren“, sagte er am Dienstag in Moskau der Agentur Interfax zufolge. Auch die russischen Sportfunktionäre sollten mäßigend auf die Fans einwirken, forderte er. Zumal die Sicherheitslage erneut angespannt ist.

Am Dienstag stoppte die französische Polizei bei Cannes einen Bus mit russischen Fans, denen die Ausweisung droht. Einen Tag nach dem Duell zwischen Russland und der Slowakei kommt es im nahegelegenen Lens zum Gruppenspiel England gegen Wales. Im Norden Frankreichs könnte es also rund um die beiden Risikospiele den nächsten brenzligen Zusammenstoß englischer und russischer Hooligans geben.

Die Sorgen sind berechtigt: Englische Medien berichten, dass sich unter den 150 Fans, die laut Staatsanwaltschaft die Randale in Marseille angezettelt hatten, auch bekannte Neonazis befinden. Zudem soll Alexander Schprygin, Präsident der Allrussischen Fan-Vereinigung und Mitglied der rechten Szene in Russland, mit einer offiziellen Uefa-Akkreditierung als Teil der russischen Delegation in Frankreich sein. Der nationale Verband RFS erklärte jedoch, Schprygin habe weder mit dem Verband noch mit der offiziellen EM-Delegation etwas zu tun.

„Klar, es ist Europameisterschaft, jeder ist verrückt nach Fußball und die Emotionen kochen hoch. Aber warum schlagen sich die Menschen dafür die Köpfe ein?“, schrieb der Schalker Roman Neustädter in einer Internet-Kolumne. Ansonsten blocken Spieler und Betreuer des WM-Gastgebers von 2018 Fragen zu nicht-sportlichen Themen meist ab.

Ob Neustädter wie gegen die Engländer erneut von Beginn an auf der Sechser-Position auflaufen darf, ist noch offen. Gut möglich, dass der zuletzt leicht angeschlagene und gegen die Three Lions erst spät eingewechselte Denis Gluschakow diesmal Neustädter aus der Startelf verdrängt. Auch wenn die Russen zum Turnierauftakt mit ihrem biederen Auftritt nicht gerade glänzen konnten und nur mit sehr viel Glück zum Punktgewinn kamen, gelten sie gegen die Slowaken als Favorit. „Auf dem Papier ist Russland vielleicht stärker als wir, aber das ist Theorie“, sagte der Noch-Kölner Dusan Svento.

Hintergrund: Die Uefa-Disziplinarkommission

Die Disziplinarkommission der UEFA beschäftigt sich mit Untersuchungen zu Fehlverhalten von Spielern, Vereinen, Funktionären und Verbänden im europäischen Fußball. Sie urteilte auch über die Vorwürfe gegen den russischen Fußball-Verband nach den Krawallen beim EM-Spiel gegen England am Samstag in Marseille.

Die meisten der zehn Mitglieder haben einen Fußball-Hintergrund. Der Vorsitzende Thomas Partl aus Österreich ist ein pensionierter Richter und war früher Präsident des Kärntner Fußballverbandes. Als deutscher Vertreter sitzt der Jurist Hans Lorenz in dem Gremium.

Für eine Entscheidung müssen mindestens drei Mitglieder anwesend sein, angestrebt wird aber eine möglichst vollständige Besetzung. In gravierenden Fällen - wie einem möglichen Turnierausschluss - kann der Vorsitzende die Angelegenheit auch gleich an das Berufungskomitee der UEFA weiterleiten, dem unter anderem der DFB-Vizepräsident Rainer Koch angehört.

 
zur Startseite

von
erstellt am 14.Jun.2016 | 13:22 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen