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Fußball EM 2016

10. Dezember 2016 | 23:31 Uhr

Fußball : Pragmatischer Arbeiter: Portugals Coach Fernando Santos

vom

Langsam und gequält schlurft Fernando Santos über den Trainingsplatz im französischen Marcoussis. Die Sonne brennt vom Himmel, Portugals Nationaltrainer gönnt sich mit einem nassen Tuch über dem Kopf auf der Trainerbank eine kurze Auszeit.

Den jubelnden Fans zeigt er anschließend im Vorbeigehen nur kurz den erhobenen Daumen. Obwohl in wenigen Tagen das EM-Finale gegen Frankreich ansteht, der «Höhepunkt meiner Karriere bislang», wie Santos selbst sagt, gibt sich der Fußball-Nationalcoach lässig und entspannt.

Mit harter Arbeit und einem pragmatischen und defensiven Spielstil hat Santos die Selecção in ihr zweites großes Endspiel nach 2004 geführt. Seit seiner Amtsübernahme im September 2014 verlor er noch kein Pflichtspiel mit den Portugiesen. «Der Trainer hat die ganze Zeit über an uns geglaubt, wir haben immer an ihn und seine Ideen geglaubt», lobt Mittelfeldspieler João Mário. Und auch Bayern-Profi Renato Sanches bezeichnet den 61-Jährigen als «großartigen Trainer».

Unter Santos, der vor seiner Trainerkarriere als Diplom-Ingenieur arbeitete, spielt das Team zwar nicht offensiv schön, überzeugt aber mit einen klugen Matchplan. «Wir sind nicht das beste Team in der Welt, aber es ist nicht leicht, Portugal zu besiegen», sagt Santos. «Wir haben immer einen Plan.» Damit gelang es, Kroatiens hochgelobtes Team und die offensivstarken Polen aus dem Turnier zu werfen.

Dass es viel Kritik gibt für die unansehnliche Spielweise, stört den Kettenraucher Santos wenig. «Ich habe Portugal immer als großartiges Team gesehen, manchmal haben wir brillanter gespielt, manchmal nicht», sagt der Trainer. João Mário urteilt: «Es wird immer Kritik an unserer Spielweise geben, auch in Portugal.» Das Halbfinale war die erste EM-Partie, in der Portugal nach 90 Minuten vorne lag.

Neben einer ausgeklügelten Taktik ist Santos Credo vor allem voller Einsatz. «Wunder passieren nur, wenn man dafür arbeitet», sagt der ehemalige Linksverteidiger vor dem Endspiel gegen Frankreich. Santos stammt aus einem Arbeiterviertel Lissabons, ist es gewohnt, nichts geschenkt zu bekommen.

Sein Stil als Trainer ist auch durch seine Zeit in Griechenland geprägt, wo er mehrere Clubs und von 2010 bis 2014 das Nationalteam trainierte. 2012 bei der EM war für die Griechen im Viertelfinale Schluss, bei der WM 2014 im Achtelfinale. Durch die Erfolge mit den Hellenen hat sich Santos auch in der Heimat Respekt erarbeitet.

«Große Turniere werden von Teams gewonnen und nicht von einzelnen Spielern», sagt Santos. Unter ihm funktionieren bei dieser EM auch Stars wie Cristiano Ronaldo im Kollektiv und arbeiten defensiv, wie etwa beim 2:0 im Halbfinale gegen Wales. «Wir haben die ganze Zeit über eine sehr gute Atmosphäre im Team gehabt, haben klar definierte Ideen, denen wir folgen», sagt João Mário.

Santos' erstes Spiel als Nationaltrainer war im Oktober 2014 eine 1:2-Niederlage gegen Frankreich im Stade de France. «Seitdem habe ich gesagt, dass es unser Ziel ist, es in dieses Finale zu schaffen», sagt er. Nun will der Coach sein zwei Jahre altes Versprechen auf den EM-Titel wahr werden lassen: «Jemand sagte mir mal: Im Finale geht es nicht ums spielen, sondern ums gewinnen - so ist es.»

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erstellt am 08.Jul.2016 | 12:10 Uhr

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