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Fußball EM 2016

04. Dezember 2016 | 07:09 Uhr

Fussball-EM 2016 : Halbfinale gegen Portugal: Warum Wales das neue Island ist

vom

Das erste Halbfinale der EM steht an. Wales spielt gegen Portugal. Die Sympathien der Onlineredaktion sind klar. Und das liegt auch ein bisschen an Island.

Ach, was waren wir in der Onlineredaktion traurig, als Island aus der EM gegen Frankreich ausgeschieden ist. Von Anfang an haben wir den sympathischen Isländern die Daumen gedrückt, mitgefiebert, mitgelitten und „mitgehuht“. Die schönsten EM-Erinnerungen haben mit den Feierzeremonien der Isländer zu tun.

Aber das ist ja leider Vergangenheit. Deutschland drücken wir die Daumen, das ist ja klar. Aber daneben hat sich langsam aber sicher auch ein anderes Überraschungsteam in die Herzen gespielt. Wales ist, wie man auf beeindruckende Art und Weise gesehen hat, viel mehr als nur Gareth Bale. Wenn es am Mittwoch im Halbfinale gegen die Portugiesen geht, drücken wir natürlich Wales die Daumen. Ganz klar. Wer mag schon Ronaldo? Ich kenne nur zwei, die ihn mögen. Und die müssen quasi, es sind nämlich Portugiesen.

In der Redaktion freuen wir uns jedenfalls immer, wenn Ronaldo mit großem Brimborium zum Freistoß antritt... und das Ding dann in die Mauer haut. Nach einem enttäuschenden Vorrundenspiel der Portugiesen war es uns auf jeden Fall eine große Freude zu gucken, wer das beste „Ronaldo-schmollt"-Bild finden kann.

Cristiano Ronaldo hätte für Portugal zum Matchwinner werden können.
Cristiano Ronaldo hätte für Portugal zum Matchwinner werden können. Foto: Filip Singer
 

Feiern mit den Kindern

Aber nun zu Wales. Man muss den Ex-Underdog einfach lieben - genau wie die Isländer. Sie sind so erfrischend menschlich und nah an ihren Fans. Wenn Gareth Bale und Kollegen nach dem Sieg gegen Belgien den Einzug ins Halbfinale mit ihren Kindern auf dem Spielfeld feiern geht einem doch das Herz auf. Uns zumindest. Der UEFA weniger, die will das Feiern mit den Kindern verbieten.

Die waliser Nationalspieler Neil Taylor (rechts) und Hal Robson-Kanu schließen nach dem Spiel gegen Belgien ihre Kinder in die Arme.
Die waliser Nationalspieler Neil Taylor (rechts) und Hal Robson-Kanu schließen nach dem Spiel gegen Belgien ihre Kinder in die Arme. Foto: dpa
 

Heiraten? Doch lieber Fußball

Der Erfolg des walisischen Teams bringt gleich zwei Spieler in die Hochzeits-Bredouille. Verteidiger Chris Brown sollte eigentlich Trauzeuge bei der Hochzeit seines Bruders in Mexiko werden - die ist aber am Donnerstag - also am Tag nach dem Halbfinale. Das dürfte wohl nichts werden. Mittelfeldspieler Joe Ledley, das ist der mit dem Bart, wollte am Sonnabend auf Ibiza seine Verlobte Ruby ehelichen. Das könnte eng werden, wenn Wales ins Finale einzieht. Lesleys Kommentar: „Fußball kommt zuerst.“ Seine Verlobte Ruby verstehe das, versicherte der Profi.

Kann Will Grigg auch so tanzen?

Die isländischen Fans singen „Huh“, die Nordiren lassen Will Grigg mit DER Hymne der EM hochleben und die Iren singen generell immer gern. Tänzer hatten wir noch nicht. Bis jetzt. Denn der eben schon genannte Joe Ledley tanzt nach den Erfolgen seines Teams gern mal - und auch gern mal auf dem Tisch.

Leidende und feiernde Fans

Ok, dieses Foto spricht für sich selbst.

 

Fans von den Inseln sind beim Feiern immer ganz vorn mit dabei - da wollen wie Anhänger aus Wales nicht hinten anstehen. Sie wollen noch etwas bleiben. Und nicht arbeiten, sondern lieber das Bier austrinken.

Also, für uns ist ganz klar: Wales macht es. Das Finale ist ganz nah. Für den walisischen Superstar Gareth Bale und sein Team soll das EM-Märchen auch nach dem Halbfinale von Lyon am Mittwoch (21 Uhr/ARD und ab 20.30 Uhr im total subjektiven Fan-Ticker auf shz.de) weitergehen. „Keine Angst zu träumen“, schrieb der 26-Jährige vor der Partie zu einem Bild seines Teams auf Twitter.

 

Bales Clubkollege bei Real Madrid, Portugals Superstar Cristiano Ronaldo, will in Frankreich die große Chance auf den ersehnten ersten Titel mit dem Nationalteam nutzen. Darauf kommt es im Aufeinandertreffen der potenziellen deutschen Finalgegner an:

Die Stars

Portugal gegen Wales - das ist vor allem auch Ronaldo gegen Bale. Auch wenn beide Teams sich dagegen wehren, die Partie auf dieses Duell zu reduzieren, werden die beiden Superstars natürlich im Fokus stehen. „Sie haben einen Top-Spieler, aber den haben wir auch“, sagt Wales-Coach Chris Coleman. Sein Gegenüber Fernando Santos ist das Dauer-Thema leid: „Ich will nicht über Bale und Ronaldo reden und darüber, was sie unterscheidet, das ist nicht meine Aufgabe.“

Die Trainer

Santos ist seit 2014 Portugals Nationaltrainer, die EM ist sein erstes großes Turnier für sein Land. Der 61-Jährige tritt ruhig und souverän auf, bei den Spielern genießt er großen Respekt.

Coleman übernahm im Januar 2012 die schwierige Aufgabe als Nachfolger seines guten Freunds Gary Speed, der Suizid begangen hatte. Der 46-Jährige verlängerte vor dem Turnier seinen Vertrag bis zur WM 2018.

Die Rollenverteilung

Portugal steht zum fünften Mal in einem EM-Halbfinale, für EM-Debütant Wales ist es die Premiere. „Wir sind die Underdogs, damit haben wir kein Problem“, sagt Coleman. Mit dem Einzug unter die besten vier Teams Europas ist das Turnier ohnehin schon jetzt ein Riesenerfolg. „Es gab die Märchen von Dänemark und Griechenland. Das kann uns auch gelingen“, erinnert Bale an frühere Überraschungschampions. Die Portugiesen hingegen stehen mehr unter Druck, noch nie gewann das Team einen großen Titel, die Erwartungen in der Heimat sind immens.

Das Personal

Beide Teams haben Personalsorgen. Bei Portugal fehlt Mittelfeldspieler William Carvalho gesperrt, ihn soll Danilo ersetzen. Zudem bangt das Team noch um Abwehrchef Pepe, der zuletzt nicht mit dem Team trainieren konnte. „Wir werden unsere Entscheidung am Mittwoch treffen und lassen uns nicht hetzen“, sagt Santos.

Wales muss auf die gesperrten Regisseur Aaron Ramsey und Verteidiger Ben Davies verzichten. „Aaron ist einer der besten Spieler in diesem Turnier und Ben war absolut fantastisch“, lobte Coleman. „Die Jungs, die reinkommen werden, da mache ich mir keine Sorgen.“

Die Stärken und Schwächen

Wales funktioniert vor allem als Kollektiv, mit Superstar Gareth Bale als unumstrittenen Anführer. Mit einer Fünferkette setzt Coleman auf defensive Stabilität, durch schnelles Umschaltspiel sind die Waliser mit zehn Toren aber überraschenderweise das zweitoffensivstärkste Team des Turniers.

Portugal erzielte seine Treffer oft durch starke Einzelaktionen - etwa von Bayern-Neuzugang Renato Sanches gegen Polen oder von Cristiano Ronaldo in der Vorrunde gegen Ungarn. Beide Auftritte in der K.o.-Runde waren fußballerisch keine Offensiv-Highlights. „Manchmal muss man pragmatisch sein, um zu gewinnen“, erklärt Coach Santos. „Wir würden manchmal gerne schön spielen, aber so gewinnt man nicht immer Turniere.“

Der Weg ins Halbfinale

Portugal lag in keinem seiner bisherigen EM-Spiele nach 90 Minuten vorne, führte insgesamt nur 22 Minuten lang. Das Team überzeugte nur selten - ganz im Gegensatz zu Wales.

Nach Platz eins in der Gruppe B zeigte das Team im Achtelfinale gegen Nordirland eine schwächere Leistung, begeisterte dann in der Runde der letzten Acht gegen Belgien mit Power-Fußball und Teamgeist.

Mit dpa

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erstellt am 06.Jul.2016 | 08:48 Uhr

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