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Fußball EM 2016

09. Dezember 2016 | 22:28 Uhr

Fussball-EM 2016 : Frankreichs Trainer Didier Deschamps: „Diese Mannschaft hat alles, um geliebt zu werden“

vom

„Wir sind noch nicht am Ende“: Die Mannschaft von Didier Deschamps steht am Sonntag mit Portugal im Finale.

Marseille | Didier Deschamps ließ nicht mit sich verhandeln, sondern wurde zum unnachgiebigen Ausputzer in der Interviewzone. Doppeltorschütze Antoine Griezmann hatte gerade angehalten, um sich den Aufnahmegeräten einer Journalistenschar in doppelter Mannschaftsstärke zu stellen, als sein Trainer näherkam. Bestimmt schob er Griezmann weiter.

Kurz verabschiedete sich Deschamps von den Reportern. Er wählte dazu sein Lächeln, das manchmal etwas gequält wird. Der Einzug ins Finale im eigenen Land erhöht gleichzeitig den Druck. Den spürt auch der Trainer, der als Spieler Welt- (1998) und Europameister (2000) geworden war.

Der 47-Jährige hatte es nicht eilig gehabt auf dem Weg in die obligatorische Pressekonferenz. Um kurz vor 23 Uhr war der Schlusspfiff ertönt. Mehr als eine Stunde später bemühte sich Deschamps in die Fragerunde. „Das ist wundervoll für die Spieler. Ich freue mich, aber ich freue mich auch vor allem für sie und die Fans, die uns seit Wochen so angefeuert haben“, sagte er. Überschwang war ihm nicht anzusehen und den vermied der Trainer auch in seinen Worten. „Es ist ein großartiges Gefühl, aber wir sind noch nicht am Ende. Uns ist heute ein wichtiger Schritt gelungen, aber der wichtigste kommt am Sonntag.“ (Das Spiel können Sie am Sonntag ab 20.30 Uhr in unserem subjektiven Fanticker auf shz.de verfolgen)

Deschamps vergaß nicht, die Qualität des Gegners zu loben. „Die Deutschen haben immer noch die beste Qualität. Sie haben große technische Fähigkeiten, sind aufeinander eingespielt. Selbst mit zwei, drei Ausfällen sind sie eine sehr gute Mannschaft.“

Jérôme Boateng spielte in allen EM-Partien inklusive Qualifikation.
Jérôme Boateng spielte in allen EM-Partien inklusive Qualifikation. Foto: Peter Kneffel

Sein Team sei von der DFB-Elf vor große Probleme gestellt worden, aber es zeigte aus Sicht des Trainers die richtige Reaktion. „Wenn man diese Leidenschaft sieht: Diese Mannschaft hat alles, um von den Fans geliebt zu werden“, lobte Deschamps.

Torwart Hugo Lloris war bereit für den Weltmeister.
Torwart Hugo Lloris war bereit für den Weltmeister. Foto: Peter Kneffel
 

Zwei Spielern gestand er eine besondere Rolle ein: Torwart Hugo Lloris, der im sechsten Spiel zum dritten Mal ohne Gegentor blieb, und dem Doppeltorschützen Antoine Griezmann: „Er ist ein großer Spieler. Das hat er wieder unter Beweis gestellt.“ Stürmer Olivier Giroud lobte den 25-Jährigen: „Er ist im Laufe dieses Turniers sehr gewachsen. Ich bin sehr stolz auf ihn.“

Für Griezmann, der inzwischen sechs EM-Tore auf seinem Konto hat, war vor allem eins wichtig: „Ich wollte wirklich einen Elfmeter in einem großen Spiel schießen. Ich bin sehr froh über meine Entscheidung.“

Antoine Griezmann (7) erzielt für Frankreich kurz vor der Halbzeit per Elfmeter das 1:0.
Antoine Griezmann (7) erzielt für Frankreich kurz vor der Halbzeit per Elfmeter das 1:0. Foto: Arne Dedert

Im Finale der Champions League hatte er in der regulären Spielzeit einen Elfmeter an die Latte geschossen. Im Elfmeterschießen traf er zwar, aber sein Klub Atlético Madrid unterlag dem Lokalrivalen Real. Zweifel hatte er gegen Deutschland nicht. „Ich habe nicht zweimal nachgedacht“, sagte der Spieler des Spiels auf der Pressekonferenz. „Wir können jetzt weiter träumen vom 10. Juli, müssen aber auf dem Boden bleiben.“

Dafür wird schon Trainer Deschamps sorgen, der eine Favoritenrolle nach dem Sieg gegen den Weltmeister von sich wies. „Wir haben unsere Chancen im Finale, die Portugiesen haben ihre. Sie glauben genauso an sich wie wir an uns.“ Jede Stunde werde nun genutzt, um am Sonntagabend rechtzeitig in Form zu sein. Es soll das letzte Kapitel einer besonderen Erzählung sein. „Es ist eine großartige Geschichte, die hier geschrieben wird. Wir haben heute Historisches geleistet“, sagte Deschamps: „Wir können nicht alle Probleme der Franzosen lösen, aber wir sind froh, dass wir Emotionen und Leidenschaft wecken können, damit sie die Probleme für den Moment vergessen.“

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erstellt am 08.Jul.2016 | 19:56 Uhr

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