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Fußball EM 2016

05. Dezember 2016 | 17:45 Uhr

Nach 0:2-Niederlage gegen Frankreich : EM-Aus für Deutschland: Was bleibt? Eine gute Perspektive

vom

Die deutsche Elf wird an der Niederlage gegen Frankreich für eine Zeit zu knabbern haben, aber nicht daran zerbrechen.

Marseille | Der Traum vom vierten EM-Titel ist geplatzt, die Tour de France endete für den Weltmeister bereits in Marseille. Am Ende waren die Franzosen eine Nummer zu groß und die Hypotheken aus dem Achtelfinale wogen für die deutsche Nationalelf zu schwer.

Jene 120-minütige Reifeprüfung gegen die Italiener hatte „la Mannschaft“ noch bravourös bestanden, auch wenn am Ende das Elfmeterschießen sicherlich auch Anteile eines Glücksspiels in sich hatte. Aber der Sieg war teuer erkauft: Spieler wie die verletzten Mario Gomez, Sami Khedira und der gesperrte Mats Hummels sind grundsätzlich sicherlich zu ersetzen. Es hätte aber einen weiteren Kraftakt gebraucht, um gegen die von Verletzungssorgen verschonten Franzosen zu bestehen, die zudem in Marseille von ihrem Publikum zum Sieg getragen wurden.

Wenige Tage nach dem intensiven Duell gegen Italien war für das DFB-Team so eine Energieleistung nicht noch einmal zu erbringen. An der mentalen Erschöpfung lag es nicht. Die Ausfälle in ihrer Vielzahl waren schlicht nicht zu kompensieren. Frankreich, das muss man dem Gastgeber zugstehen, hat ein Ensemble von ebenfalls sehr veranlagten Einzelspielern, die im Turnier zu einem großen Team gereift sind. Es lief noch nicht rund zum Start der Europameisterschaft, aber die Franzosen haben sich im Laufe der letzten Wochen gesteigert. Nach dem Sieg gegen Deutschland sind sie im Endspiel gegen Portugal eindeutiger Favorit. Frankreich träumt vom Titelgewinn im eigenen Land. Die Chancen stehen gut, dass dieser Traum am Sonntag in Erfüllung geht.

Den EM-Titel hatten auch die Deutschen angepeilt. Mit dem Aus im Halbfinale haben sie ihr Ziel offiziell verpasst, aber sie werden sportlich fair die Stärke Frankreichs anerkennen. Der DFB kann diese Europameisterschaft dennoch als sportlich erfolgreich bewerten: Die deutsche Mannschaft ist weiter gereift. Sie hat sich lange auf ihre Defensive verlassen können, was nicht von vornherein zu erwarten war. Die Abwehr schien die größte Baustelle, aber das entpuppte sich als Fehleinschätzung: Manuel Neuer, Mats Hummels und Jérôme Boateng überragten, Jonas Hector und Joshua Kimmich fügten sich positiv ein.

Mehr Sorgen machte ausgerechnet die Offensive, eigentlich eine ausgemachte Stärke des DFB-Teams. Prominente Kräfte wie Mesut Özil und Thomas Müller spielten aber nicht ihr bestes Turnier. Ihnen ist das Ausscheiden nicht anzulasten, aber ihre unglücklichen Auftritte stehen sinnbildlich für das ungenutzte Potenzial. Im letzten Gruppenspiel gegen Nordirland war die Verwertung der zahlreichen Chancen unterirdisch. Seine Stärken spielte das DFB-Team nicht konstant genug aus. Im Achtelfinale gegen die Slowakei deutete die Mannschaft noch am ehesten an, was in ihr steckt. Italien war ein bestandener Härtetest, Frankreich dann aber letztlich eine Nummer zu groß.

Perspektive hat die DFB-Auswahl trotzdem. Ein paar personelle Wechsel wird es nach der EM geben müssen. Lukas Podolski hat seine Rücktrittsgedanken schon angedeutet, der von Verletzungen gezeichnete Kapitän Bastian Schweinsteiger dürfte folgen. Bundestrainer Joachim Löw die Zeichen der Zeit erkannt und mit Spielern wie Joshua Kimmich, Julian Weigl und Leroy Sané den Umbruch bereits langsam eingeläutet. Diese Mannschaft hat Zukunft, auch wenn nach dem Auslaufen von Löws Vertrag 2018 womöglich ein neuer Bundestrainer die Geschicke der Nationalelf übernehmen könnte. Der Grundstein für weitere Turniere, bei denen die deutschen Fans lange mit ihrem Team fiebern dürfen, ist gelegt.

Dieses Mal war im Halbfinale Schluss. Es gehört zum Sport dazu, dass es Verlierer gibt. Die deutsche Elf kann erhobenen Hauptes in den Sommerurlaub gehen – sie wird an dieser Niederlage gegen Frankreich für eine Zeit zu knabbern haben, aber nicht daran zerbrechen.

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erstellt am 07.Jul.2016 | 22:52 Uhr

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