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Fussball

06. Dezember 2016 | 22:53 Uhr

WM-Vergabe 2006 : Fifa-Sperre: Wolfgang Niersbach darf ein Jahr kein Fußball-Funktionär sein

vom

Der lange Schatten des Sommermärchens: Die Fifa-Ethikkommission bestraft Ex-DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

Zürich | Die steile Karriere des früheren DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach wurde abgepfiffen. Im Zuge der Affäre um die WM 2006 hat die Fifa-Ethikkommission den früheren Pressesprecher und späteren Funktionär des Deutschen Fußballbundes von allen Fußballaktivitäten auf nationaler und internationaler Ebene gesperrt. Die Suspendierung gilt ab sofort und endet frühestens in einem Jahr, teilte die Kommission am Montag in Zürich mit. Die ermittelnde Kammer der Fifa hatte sogar eine Sperre von zwei Jahren gefordert.

6,7 Millionen Euro flossen vor dem „Sommermärchen“ im Rahmen der WM-Vergabe. Keiner der Verdächtigten hat bislang plausibel erklärt, was genau hinter der Transaktion steckte.

Niersbach sitzt derzeit im neuen Council des Weltverbandes Fifa sowie im Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union Uefa. Als DFB-Chef war er bereits im November vergangenen Jahres zurückgetreten. „Dieser Entscheid trifft mich hart“, teilte Niersbach mit, „denn nach der mündlichen Verhandlung am letzten Donnerstag in Zürich war ich zuversichtlich, dass die Ethik-Kommission keine Sperre verhängt, sondern meinen Argumenten folgt, wonach es bei meinem Verschulden lediglich um eine verspätete Meldung der kritischen Zahlungsflüsse zwischen dem Organisationskomitee der WM 2006 und der Fifa im Jahre 2005 ging, die mir im Sommer 2015 sukzessive bekannt wurden, und ein anderes Strafmaß festsetzt.

Die nun verhängte Strafe sei „unangemessen und überzogen“, teilte Niersbach mit: „Ich lasse mich anwaltlich beraten, ob ich gegen diesen Entscheid Rechtsmittel einlegen werde.“ Er erklärte, bei einer mündlichen Verhandlung in Zürich einen Fehler eingeräumt zu haben. Er habe seinerzeit zu spät über kritische Zahlungsflüsse zwischen dem deutschen WM-Organisationskomitee und der Fifa im Vorfeld des Sommermärchens informiert, schrieb Niersbach.

Die Fifa-Ethikkommission folgte Niersbachs Argumentation nicht. Die Sperre sei ausgesprochen worden, weil der 65-Jährige es versäumt habe, Erkenntnisse über mögliches Fehlverhalten bei der WM-Vergabe einschließlich möglicher Verstöße gegen den Fifa-Ethikcode „in einer angemessenen Weise“ zu melden. Niersbach war bei der WM 2006 Vizechef des Organisationskomitees.

Niersbach hatte bei den Enthüllungen im Sommer 2015 möglicherweise nicht die Wahrheit sagte. Er hielt daran fest, den Fall intern zu klären, womit er gegen Artikel 18 des Fifa-Ethikreglements verstießt. Niersbach behauptete seinerzeit, erstmals von den Unregelmäßigkeiten um die Millionen erfahren zu haben.

Artikel 18 des Fifa-Ethikreglements:

1. Diesem Reglement unterstellte Personen müssen ein mögliches Vergehen gegen dieses Reglement umgehend dem Sekretariat der Untersuchungskammer der Ethikkommission melden.

2. Diesem Reglement unterstellte Personen sind verpflichtet, auf Anordnung der Ethikkommission zur Abklärung des Sachverhalts oder Aufklärung möglicher Vergehen beizutragen und insbesondere Rechenschaft über ihre Einkünfte abzulegen und angeforderte Belege zur Einsichtnahme vorzulegen.

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erstellt am 25.Jul.2016 | 17:29 Uhr

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