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Fussball

10. Dezember 2016 | 04:21 Uhr

Fragen von Moral und Macht : DFB will bei Bundestag WM-Affäre abhaken

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Beim DFB-Bundestag wird Präsident Grindel im Amt bestätigt werden, daran gibt es keinen Zweifel. Der CDU-Politiker sieht den vom WM-Skandal erschütterten Verband gut für die Zukunft aufgestellt. Brisante Themen werden bei der Vollversammlung wohl ausgespart.

Erfurt (dpa) – Beim DFB-Bundestag wird Präsident Reinhard Grindel im Amt bestätigt werden, daran gibt es keinen Zweifel. Der CDU-Politiker sieht den vom WM-Skandal erschütterten Verband gut für die Zukunft aufgestellt. Brisante Themen werden bei der Vollversammlung wohl ausgespart.

3. November 2015: Die Staatsanwaltschaft durchsucht die Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes. Der Skandal um das WM-Organisationskomitee von 2006 stellt den Verband vor die Zerreißprobe, Präsident Wolfgang Niersbach muss seine Posten räumen. 3. November 2016: Der DFB eröffnet feierlich seinen Bundestag. Der neue Verbandschef Grindel will einen Tag später bei der Plenarsitzung nicht nur im Amt bestätigt werden. Vom Bundestag in Erfurt soll ein Signal der Erneuerung ausgehen.

Wichtige Weichen konnte Grindel schon stellen. Bundestrainer Joachim Löw hat einen neuen Vertrag bis 2022, Ausrüster Adidas zahlt für einen neuen Kontrakt bis 2022 rund 50 Millionen Euro pro Jahr und damit deutlich mehr als zuvor und der Grundlagenvertrag mit dem Profifußball ist fix. Viele Fragen sind aber weiterhin offen.

DIE MACHT: Grindel muss um seinen Job nicht bangen. Der 55-Jährige hat nach seiner ersten Wahl im April in der siebenmonatigen Probezeit keine groben Fehler gemacht und weiß alle maßgeblichen Vertreter aus Profi- und Amateurlager hinter sich. Vergessen sind die Animositäten aus dem Ligaverband, der sich durch die Nominierung Grindels durch die Landesverbände im November 2015 überrumpelt fühlte.

Ligapräsident Reinhard Rauball, im DFB-Präsidium Grindels Vize, stellte sicherheitshalber auch nochmal das professionelle Verhältnis klar. «Er hat bisher bewiesen, dass er dieses Amt ausfüllen kann und dabei die Interessen des gesamten deutschen Fußballs im Auge hat. Die Zusammenarbeit hat sich in den vergangenen Monaten stetig entwickelt.»

Eine Liebesbeziehung klingt anders, aber der Profifußball hätte ohnehin keinen eigenen Kandidaten, der sich das höchste DFB-Amt antun würde. 100 Prozent der 260 Wählerstimmen sind für Grindel möglich – oder auch eine Bestätigung im Amt per Akklamation, wie es zuletzt bei Niersbach 2013 der Fall war.

DIE MORAL: Es gibt «keine offene Baustelle mehr» postulierte Grindel vor dem Bundestag. Soll heißen: Die dunklen Schatten der WM-Affäre um Mauscheleien und Millionenzahlungen sollen vertrieben sein. So hätte es Grindel gerne. Tatsache ist, dass sich der DFB als ohnmächtiges Opfer darstellt. Die Protagonisten der Skandalzeit, OK-Boss Franz Beckenbauer, Ex-FIFA-Vize Mohamed bin Hammam, dessen damaliger Chef Joseph Blatter oder der früherer FIFA-Generalsekretär Urs Linsi, können nur um Aufklärung gebeten, nicht aber dazu gezwungen werden.

Konsequenzen gibt es. Der DFB verpasst sich eine Ethikkommission, die künftig über die moralische Unbedenklichkeit wachen soll. Das fünfköpfige Gremium, mit dem ehemaligen Außenminister Klaus Kinkel an der Spitze, kann bei Verdachtsmomenten unabhängig Ermittlungen vornehmen. Nur wenn es zu Verhandlungen kommt, ist wieder die DFB-interne Gerichtsbarkeit am Zug – ein gravierender Schönheitsfehler im Ethikkonzept und auch ein Unterschied zur FIFA, die eine separate rechtsprechende Ethikkammer hat.

Offenbar rechnet man beim DFB mit deutlich weniger Verfahren. Die Ethikhüter sollen eher als Berater aktiv sein. Immerhin werden die DFB-Richter zwei Ethikbeisitzer bekommen, die im Fall der Fälle zur Urteilsfindung hinzugezogen werden.

DIE FINANZEN: Wie der Weltverband setzt auch der DFB auf eine Trennung der wirtschaftlichen und ideellen Arbeitsfelder. Hier gab es in der Vergangenheit Schnittmengen, die Missbrauch oder anrüchige Kumpanei ermöglichten. In einer ausgelagerten Tochtergesellschaft sollen künftig alle ökonomischen Aktivitäten des Verbandes organisiert werden. Innerhalb eines halben Jahres hat Generalsekretär Friedrich Curtius dafür die Grundlagen gelegt.

DIE KONFLIKTE: «Für den deutschen Fußball ist ein verlässliches und vertrauensvolles Verhältnis von DFB und DFL unerlässlich», sagt Ligachef Rauball. «Die Einheit des deutschen Fußballs wird gelebt», sagt Grindel. Alles Friede, Freude, Eierkuchen? Mitnichten. Auch wenn der neue Grundlagenvertrag zur Organisation der Geldflüsse durchgewunken werden wird. Die Konfliktfelder werden in Erfurt bestenfalls ausgespart.

Die Proficlubs drängen auf eine Neureglung des DFB-Pokals mit einem späteren Start der Elitevereine in den Wettbewerb. Die Amateure bangen um lukrative Einnahmen aus den Cupspielen gegen die Großen. An der Basis rumort es ohnehin. Viele Drittligisten bangen um ihre Zukunftstauglichkeit. Und eine Klasse tiefer ist der Unmut groß, dass der DFB kein System entwickelt, der allen Staffelsiegern der Regionalligen den Aufstieg ermöglicht.

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erstellt am 03.Nov.2016 | 12:09 Uhr

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