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Fussball

03. Dezember 2016 | 20:50 Uhr

Bundesliga-Transfers 2016 : Der HSV will Top-Talente, doch sie kommen nicht

vom
Aus der Onlineredaktion

Zwischenbilanz der Transferperiode: Der HSV scheitert möglicherweise an seinen eigenen Ansprüchen.

Hamburg | Seitdem Mäzen Klaus-Michael Kühne ein neues Kapitel seiner HSV-Förderung eingeleitet hat, will Club-Boss Dietmar Beiersdorfer hoch hinaus. Er konzentriert sich auf die Verpflichtung von Spielern, die jung sind und vielversprechend talentiert. Der HSV jagt also Top-Talente ohne derzeit eine Top-Adresse zu sein. Ein schwieriges Unterfangen.

Noch bleiben den Hamburgern 43 Tage Zeit, um ihre ambitionierten Wunschtransfers Realität werden zu lassen. Doch der bisherige Verlauf der am 31. August endenden Transferperiode  lässt eine düstere Prognose zu.

Bis zu 50 Millionen Euro will der Fan Kühne dem Verein HSV zur Verfügung stellen, damit der Angriff auf Europa gelingt. Im Sturm, auf Linksaußen und im Mittelfeld-Zentrum ist Bedarf. Doch genützt hat dem Club der Geldsegen bei den bisherigen Anwerbeversuchen wenig bis gar nicht. Über Niveau einkaufen, aber keine Stars – so könnte das neue Transferkonzept des HSV auch beschreiben. Letztes Jahr kamen Zweitligaspieler wie Michael Gregoritsch, nun sollten hoch gehandelte Jungstars wie Filip Kostic, Diafra Sakho, Ramy Bensebaini oder Georges-Kevin N'Koudou die rote Hose anziehen. Stuttgart-Absteiger Kostic will nach langem hin- und her angeblich kommen, doch die geforderte Ablösesumme ist noch zu hoch.

Die sportlichen Argumente des etablierten Abstiegskandidaten könnten für Spieler und Berater zweifelsfrei größer sein. Europäische Ambitionen sind nicht vorhanden. Umso wichtiger wäre es in dieser noch recht frühen Phase des Transferfensters, einen Wirkungstreffer zu landen. Doch es hagelt Absage um Absage. Zuletzt ging N'Koudou zum englischen Vizemeister Tottenham Hotspur. Ihm winkt eine Weltstadt, die Champions League und sicher das höhere Salär. Hamburg hat da schlechte Argumente.

Die Hoffnung ruht auf den Schultern von Dietmar Beiersdorfer. Ihm war es bei einer ersten Amtszeit immer wieder gelungen, große Fische an Land zu ziehen. Rafael van der Vaart, Nigel de Jong und Vincent Kompany kamen und wuchsen zu Top-Stars heran, gingen dann für teures Geld. Zu den Verheißungen des neuen Zeitalters zählen ebenso zukünftige Transfereinnahmen. Der HSV und Kühne haben ein großes Interesse an diesen Erlösen. Der Milliardär Kühne wird laut Medienberichten zünftig daran beteiligt.

Doch so einfach ist es nicht mehr mit der An- und Verkauf-Strategie. Ein 18-jähriger Spieler wie Renato Sanches wäre vor zehn Jahren sicher ein Kandidat für die Hamburger gewesen. So ein Talent wechselt nun für mindestens 35 Millionen Euro zum FC Bayern – und wird mittlerweile trotz zu erwartender siebenstelliger Erfolgs-Zuschläge sogar als „Schnäppchen“ tituliert.

Durch den Milliardensegen der TV-Einnahmen für die englische Premier-League ist der Spielermarkt mit Geld überschwemmt. Diesen Millionen-Wirbel bekommt auch die Bundesliga zu spüren. Ein Verein wie Borussia Dortmund wird in diesem Jahr womöglich fähig, einen Transferrekord von mehr als 100 Millionen Euro aufzustellen. Die Dortmunder machen bei ihrem Umbruch das, was die Hamburger gern würden: Talente kommen und gehen als Stars. Diese Beiersdorfer-Strategie Anno 2005 ist sichtbar in die Etage der europäischen 1B-Vereine gerückt. Und die Spieler sagen sich: Wenn schon nicht Premier League, dann wenigstens Champions-League.

Die Millionen von Kühne – so scheint es – schneien mindestens ein Jahr zu spät in die Kasse. 30 Millionen – das ist inzwischen nicht mehr als ein lauer Wind in einer Fußball-Welt, in der sogar Vereine aus China EM-Stars wie Graziano Pelle verpflichten können. Gute Spieler werden bei diesem Wettbewerb zu Quasi-Monopolisten – und das treibt den Preis nach oben. Der Kühne-Effekt ist bereits verpufft, bevor er eingesetzt wurde. Auffällig ist angesichts der sich zerschlagenen Gerüchte der letzten Wochen, dass vor allem Spieler aus Belgien und den Niederlanden – früher Beiersdorfers Hauptmarktplätze – nur schwer für einen Hamburg-Wechsel zu mobilisieren sind. Vermutlich warten sie lieber auf eine Offerte von der Insel – wenn nicht in diesem, dann im nächsten Jahr.

Bestätigte Neuzugänge

Der neue U21-Trainer wird Dirk Kunert heißen. Der frühere Wolfsburger wird sich ab der kommenden Saison um die Regionalliga-Mannschaft kümmern.

Arianit Ferati: Der offensive Mittelfeldspieler kam aus der Jugend des VfB Stuttgart. Er wird zunächst aber direkt an den Zweitligisten Fortuna Düsseldorf verliehen.

Luca Waldschmidt: Der technisch beschlagene Waldschmidt entspricht mit 1,81 Meter Körpergröße eher dem modernen Stürmertyp. In der vergangenen Saison brachte er es auf zwölf Kurzeinsätze in der Bundesliga, in der Rückrunde fand er immer seltener Berücksichtigung. Er hat einen Vierjahresvertrag beim Hamburger SV unterschrieben. 1,3 Millionen Euro Ablöse muss der HSV an Waldschmidts Heimatclub Eintracht Frankfurt überweisen.

Bobby Wood
: Der 23-jährige Mittelstürmer und US-Nationalspieler wurde bis 2020 verpflichtet. Bisher spielte er in der Zweiten Liga bei Union Berlin. Der Wechsel kostet den HSV 3,5 Millionen Euro.

Törless Knöll: Der 18-Jährige kam aus der Jugend von Mainz 05 und wird zunächst für Dirk Kunerts U21 auf Torejagd gehen.

Christian Mathenia: Der Torwart wechselte für 800.000 Euro vom SV Darmstadt 98 nach Hamburg. Der 24-Jährige hat angekündigt, Rene Adler als Stammtorwart Konkurenz machen zu wollen.

Zoltán Stieber: Der 27-jährige Linksaußen war an den 1. FC Nürnberg ausgeliehen und kehrt zum HSV zurück. Der Verein plant aber nicht mehr mit dem EM-Teilnehmer.

 

Wer steht in der nächsten Saison im HSV-Kader?

Der HSV-Kader der Saison 2016/17, Stand 28. Juni

Tor

René Adler

Christian Mathenia

Andreas Hirzel

 

Abwehr

Johan Djourou

Cléber Reis

Emir Spahic

Kerim Carolus

Matthias Ostrzolek

Dennis Diekmeier

Gotoku Sakai

Ashton Götz

 

Mittelfeld

Gideon Jung

Dren Feka

Lewis Holtby

Albin Ekdal

Aaron Hunt

Finn Porath

Zoltán Stieber

Nicolai Müller

Nabil Bahoui


Sturm

Michael Gregoritsch

Bakery Jatta

Pierre-Michel Lasogga

Sven Schipplock

Bobby Wood

Batuhan Altintas

Luca Waldschmidt

 


Bestätige Abgänge

Mohamed Gouaida: Der Linksaußen war an den Karlsruher SC ausgeliehen und spielt nun für den FC St. Gallen.

Matti Steinmann: Der 21-jährige gebürtige Hamburger wechselte 2014 aus dem HSV-Nachwuchs zu den Profis. Der Mittelfeldspieler hat sich der Mainzer U23 angeschlossen.

Kerem Demirbay: Der 22-jährige Demirbay wechselt zur TSG 1899 Hoffenheim.

Artjoms Rudnevs: Der 28-jährige Stürmer aus Lettland hat den HSV nach Vertragsende in Richtung 1. FC Köln verlassen.

Gojko Kacar: Auch der Vertrag des 29-jährigen Mittelfeldspielers wird nicht verlängert. Der Serbe war seit 2010 beim HSV und schoss sieben Tore in 78 Spielen.

Ivica Olic: Der Vertrag des 36-jährigen Kroaten läuft aus, er hat aber angekündigt, noch ein Jahr spielen zu wollen und wartet derzeit auf Angebote. Dann möchte der Mittelstürmer in anderer Funktion zum HSV zurückkehren, am liebsten als Scout.

Jaroslav Drobny: Auch der 36-jährige Tscheche bekam keinen Anschlussvertrag. Der zweite Torhüter nach Adler wollte eigentlich bleiben, jetzt geht er zum Erzrivalen Werder Bremen.

Ivo Ilicevic: Der Vertrag des kroatischen Linksaußen endete ebenfalls. Der 29-jährige erzielte seit 2011 zehn Tore in 84 Spielen.

Philipp Müller: Für den Rechtsaußen aus dem HSV-Nachwuchs gibt es auch keinen Anschlussvertrag. Der 21-Jährige sollte im Januar mit ins Profi-Trainingslager, zog sich aber kurz vorher beim Skifahren eine Schultereckgelenkssprengung zu und fiel für längere Zeit aus.

Josip Drmic: Der 23-jährige Mittelstürmer war von Borussia Mönchengladbach ausgeliehen, verletzte sich schwer. Nun kehrt der Mittelstürmer zunächst auf den Bökelberg zurück. Er wird aber auch mit Eintracht Frankfurt in Verbindung gebracht.

Hamburgs Josip Drmic muss operiert werden. /Archiv
Hamburgs Josip Drmic muss operiert werden. /Archiv Foto: Christian Charisius

 

Gerüchte um Neuzugänge

Diese Spieler könnten laut Transfermarkt.de für die nächste Saison zum HSV wechseln.

Die Personalie Alen Halilovic vom spanischen Meister FC Barcelona wird langsam wieder heiß. Vor einem Jahr war eine Leihe noch an der Einsatzzeit-Forderung der Katalanen gescheitert, die der HSV nicht erfüllen wollte. Wie das Internetportal fichajes.net am Montag berichtete, habe der HSV dem Club jetzt ein Kauf Angebot für den kroatischen Dribbelkönig unterbreitet. Barcelona fordert laut „Mopo“ allerdings eine Rückkaufoption, die mit angeblich zehn Millionen Euro nur gering höher ist, als die 7,5 Millionen Euro, die der HSV überweisen müsste. Konkurrenz laut der Zeitung: FC Sevilla, Stoke City und Olympique Lyon.

Der HSV soll ein Angebot für Alen Halilovic abgegeben haben.
Der HSV soll ein Angebot für Alen Halilovic abgegeben haben. Foto: Salvador Sas

Felix Bastians vom VfL Bochum hat nach einer guten Saison das Interesse diverser Bundesligaclubs geweckt, auch HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer soll auf ihn schielen. Der 28-jährige Innenverteidiger des Zweitligisten ist bei seinem aktuellen Verein jedoch ein Schlüsselspieler. Sollte der in England ausgebildete Ex-Freiburger an die Alster wechseln wollen, müsste der HSV angeblich eine Ablöse von mindestens drei Millionen Euro überweisen. Gespräche zwischen Verein und Spieler soll es allerdings noch nicht gegeben haben. Der Vertrag des Ex-Herthaners läuft 2017 aus.

<p>Felix Bastians spielte eine gute Saison beim VfL Bochum.</p>

Felix Bastians spielte eine gute Saison beim VfL Bochum.

Foto: dpa

Beim Hoffenheimer Außenverteidiger Jeremy Toljan (Vertrag bis 2018) sah es Anfang Juni so aus, als würde er zum HSV wechseln. Doch die Verhandlungen mit der TSG haben sich anscheinend ein zweites Mal zerschlagen. Toljan, der sowohl links als auch rechts verteidigen kann, soll primär Matthias Ostrzolek Konkurrenz machen, der in der vergangenen Saison beinahe alle Spiele machte. Die Ablösesumme dürfte bei etwa zwei Millionen Euro liegen.

Die „Mopo“ hatte anscheinend aus dem Freundeskreis des Wolfsburg-Stürmers Max Kruse den Hinweis erhalten, dass Beiersdorfer und Labbadia Kontakt zu dem 28-jährigen Reinbeker aufgenommen haben sollen. Die Mopo weiß aber nicht, ob es sich nicht eventuell nur um einen Wichtigtuer oder Witzbold handelt. Zuletzt mache Kruse Schlagzeilen, als er seinen Platz in der Nationalmannschaft verlor, er hatte sich unprofessionell verhalten. Nach Kruses Eskapaden wird spekuliert, dass der Torjäger weniger teuer sein könnte, als noch im letzten Jahr. Ein VfL-Experte spricht von sieben bis acht Millionen Euro, Kruses Marktwert liegt auf Transfermarkt.de noch bei 12 Millionen Euro. Kruse bevorzugt angeblich einen Wechsel ins Ausland, um dort einen Neuanfang zu starten.

Max Kruse sucht derzeit einen neuen Verein.
Max Kruse sucht derzeit einen neuen Verein. Foto: Peter Steffen

 

Tarek Chahed, ein 19-jähriges Drittligatalent vom 1. FC Magdeburg soll laut „Kicker“ eine Rolle in den Planungen von HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer spielen. Auch der FC Augsburg ist an dem jungen Rechtsaußen interessiert.

Isma López ist 26 Jahre alt, Spanier und linker Verteidiger. Er spielt momentan bei Sporting Gijón und hat einen Marktwert von 1,5 Millionen Euro. Über einen möglichen Wechsel zum HSV berichtet die spanische Zeitung El Desmarque. In López Vertrag soll eine verhandelbare Ablösesumme von drei Millionen Euro festgehalten sein.

Bertrand Traoré: Der 20-jährige Mittelstürmer stammt aus Burkina Faso und spielt derzeit beim FC Chelsea. Er könnte den HSV vier Millionen Euro kosten. Tribalfootball.com berichtet, der HSV würde mit Traorés Agenten in Kontakt stehen.

Hakim Ziyech könnte ein spektakulärer Transfer werden, der Mittelfeldspieler hat einen Marktwert von zehn Millionen Euro. Der 23-Jährige spielt momentan beim FC Twente Enschede. Ein Wechsel scheint aber aufgrund des Preises nicht besonders wahrscheinlich. Sport-Bild spekuliert allerdings, dass Ziyech nach dem Abstieg seines Vereins günstiger werden könnte.

<p>Der HSV soll sich für FC Twentes Hakim Ziyech interessieren.</p>

Der HSV soll sich für FC Twentes Hakim Ziyech interessieren.

Foto: Kay int Veen/dpa
 

Balázs Dzsudzsák: Ein vages Gerücht aus der Türkei beschäftigt sich mit dem 29-jährigen ungarischen EM-Star von Bursaspor. Der offensive Linksfuß, der auf beiden Flügeln spielen kann, hatte vor einigen Jahren noch einen Marktwert von 19 Millionen Euro, wechselte vor einem Jahr aber für nur 1,60 Millionen Euro Ablöse von Moskau in die türkische Süper Lig. Im letzten Sommer wäre er beinahe von Hertha BSC verpflichtet worden. Der Spieler entschied sich aber für Bursaspor.

Foto: dpa

Benjamin Bourigeaud möchte laut „footmercato.net“ nach einer enttäuschenden Saison mit verpasstem Aufstieg den Zweitligisten RC Lens verlassen. Der zentrale Mittelfeldspieler ist erst 22 Jahre alt und würde daher ins Beuteschema das letzten Jahres passen. Allerdings soll der frühere Junioren-Nationalspieler auch bei Europa-League-Sieger FC Sevilla und beim AS Rom im Gespräch sein. Außerdem läuft sein Vertrag noch bis 2019.

Onyinye Ndidi: Der 19 Jahre alte Nigerianer würde den HSV als Verstärkung für das defensive Mittelfeld sieben Millionen Euro kosten. Laut dem Abendblatt hat Ndidis Berater die Verhandlungen im Mai bestätigt. Doch seitdem ist diese Quelle erloschen. Der 19-Jährige spielt derzeit beim KRC Genk und in der nigerianischen Nationalmannschaft.

Terence Kongolo: Kongolo spielt im Moment bei Feyenoord Rotterdam. Der 22-jährige Innenverteidiger könnte den HSV eine Ablösesumme von 5,5 Millionen Euro kosten. Auch hier berichtet die Hamburger Morgenpost über das Interesse der Norddeutschen. Allerdings hätten auch Bayer Leverkusen und der AFC Sunderland den niederländischen Nationalspieler gerne in ihren Reihen. Seit Mai ist dieses Gerücht unterernährt.

Gohi Bi Zoro Cyriac: Der ivorische Mittelstürmer des belgischen Clubs KV Oostendei wird „der neue Drogba“ genannt. Von einem angeblichen Interesse berichtete Goal.com. Der 25-Jährige hat einen Marktwert von 2,5 Millionen Euro. Cyriac hat für seinen aktuellen Verein 13 Tore in 28 Spielen erzielt.

Leon Bailey: Auch der 18-jährige Linksaußen spielt bisher für den KRC Genk. Ein Wechsel des Jamikaners zum HSV könnte vier Millionen Euro kosten. Der Ligainsider berichtet, dass nicht nur die Norddeutschen, sondern auch der FC Chelsea, Leicester City und Borussia Dortmund Interesse an dem Linksfuß haben.

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erstellt am 19.Jul.2016 | 13:47 Uhr

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