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Ausland

11. Dezember 2016 | 11:04 Uhr

Dänischer Fußball-Erstligist : SønderjyskE: Hadersleben nimmt Kurs auf die Europa League

vom
Aus der Onlineredaktion

Während die norddeutschen Clubs ihre Europa-Träume beerdigt haben, bahnt sich in Nordschleswig ein Fußball-Wunder an.

Hadersleben | Die Euphorie nach dem Sensationssieg vom Sonntag ist groß in Hadersleben: Aalborg BK wurde vor fremdem Publikum mit 2:1 geschlagen und von Platz zwei der Dänischen Superliga verdrängt. Tommy Bechmann erzielte in der 70. Minute mit der Brust den Siegtreffer, der SønderjyskE nun von Europa träumen lässt. Acht Spieltage vor Saisonende wären die Nordschleswiger nach jetzigem Stand für die 3. Qualifikationsrunde zur UEFA Europa League qualifiziert - das wäre eine Sensation der Kategorie einer deutschen Vizemeisterschaft von Darmstadt 98. Denn SønderjyskE ist ein Fußball-Zwerg mit dem drittkleinsten Etat der Superliga. Mit etwas über sieben Millionen Euro liegt der Gesamtmarktwert der Mannschaft nur knapp über dem von Drittligist Holstein Kiel.

Fußballfans aus Schleswig-Holstein werden in der nächsten Saison viele Stunden mit dem Auto fahren müssen, um den Europapokal live genießen zu können. Die Nord-Clubs dümpeln im Abstiegskampf herum und der VfL Wolfsburg ist ebenfalls weit von der Qualifikation entfernt. Doch ein Lichtlein brennt am nördlichen Horizont, keine 60 Kilometer von Flensburg entfernt.

Daran, dass die „Hellblauen“ zum Saisonendspurt noch signifikant einknicken, ist derzeit nicht zu glauben. Die Mannschaft hat sich in den letzten sechs Wochen zum Angstgegner der dänischen Top-Teams entwickelt. Die drei hartnäckigsten Konkurrenten im Kampf um die drei vorderen Plätze, Brøndby IF, der Meister FC Midtjylland und Aalborg BK wurden allesamt bezwungen. In allen drei Partien war die Überraschungsmannschaft der Saison in Rückstand geraten, doch am Ende siegte die Moral des Beinahe-Absteigers der letzten beiden Saisons. Aalborg BK brachte vor heimischer Kulisse gerade mal drei Schüsse auf das von Marin Skender gehütete Tor: die Abwehr steht.

Dänische Superliga Tabelle Top-5

  Verein Punkte Tore
1. FC Kopenhagen 52 43:18
2. SønderjyskE 43 39:28
3. Aalborg BK 42 48:35
4. FC Midtjylland 39 36:22
5. Brøndby IF 39 31:27


Kapitän Pierre Kanstrup freute sich nach Spielende daher gehörig. „Das macht doch Spaß, oder?“, lachte der Abwehrchef. Geträumt werden darf offiziell aber nicht. Der junge Trainer Jakob Michelsen, geboren in Tondern, will von Europa nichts wissen. Man denke ausschließlich von Spiel zu Spiel, so der 35 -jährige. Einzig Stürmer Tommy Bechmann (34) wagt sich auf die Euphoriewelle. Der Torschütze glaubt daran, dass der Coup gelingen kann: „Es stehen noch viele Spiele aus, aber es wäre dumm zu sagen, dass wir nicht dran glauben. Ich weiß nicht, ob Europa jetzt ein Ziel ist, aber die Möglichkeit ist da – wir haben aber immer dann Probleme bekommen, wenn wir zu weit nach vorne geschaut haben“, meint der ehemalige Bundesliga-Akteur vom VFL Bochum und SC Freiburg – adressiert an den Trainer.

Ganz zufrieden waren die Spieler aber nicht mit dem Auftritt in der viertgrößten dänischen Stadt. „Wir hätten den Ball besser in den eigenen Reihen halten können. Das müssen wir verbessern. Und beim Gegentor haben wir unsere Absprachen nicht eingehalten. Daraus müssen wir mit Blick aufs nächste Spiel lernen“, sagte Kanstrup.

Am kommenden Sonntag ist der Tabellenachte FC Nordsjælland im 10.000 Zuschauer fassenden Sydbank-Park-Stadion in Hadersleben zu Gast. Anders als in den letzten Jahren dürfte wohl kein Zweifel aufkommen, wer diesmal als Favorit ins Match geht.

Spieler mit großem Namen hat der 2004 aus einer Fusion von fünf Clubs entstandene Sportverein kaum vorzuweisen. Die Mannschaft lebt vom Kollektiv. Tommy Bechmann, der früher in der Bundesliga für den VfL Bochum und den SC Freiburg auflief, ist neben Linksaußen Johan Absalonsen (zwei Länderspiele, ein Tor für Dänemark) der einzige Spieler im Kader, der überregional größere Bekanntheit erlangt hat.

Das frühere Haderslev Fodboldstadion wurde seit 2013 mit einer Investition von zehn Millionen Euro durch Kommune und Sponsoren erweitert und modernisiert. Mit 4.500 überdachten Plätzen, einer 1200-Lux-Flutlichtanlage und der Rasenheizung wäre den UEFA-Standards für die europäischen Wettbewerbe entsprochen. Ein naheliegender Umzug ins moderne Sitzplatzstadion in Esbjerg (17.000 Plätze) ist auch im Falle einer pikanteren Auslosung nicht geplant. Die maximal 4.500 Zuschauer auf den zwei Tribünen würden sicherlich für eine einzigartige Europapokal-Atmosphäre sorgen, wenn es zum ersten internationalen Kampf im heutigen Sydbank-Park kommt.

Am Ende würde den Südjüten auch Platz drei für die Europa-League-Qualifikationsrunde genügen. Die Mannschaft müsste dann allerdings auch die zweite Quali-Runde überstehen.

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erstellt am 18.Apr.2016 | 17:24 Uhr

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