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Ausland

11. Dezember 2016 | 11:04 Uhr

Fußball : «Keine Träumer» - Wagners «Revolution» in Huddersfield

vom

Mit harter Arbeit, einer Vereins-Identität und erfolgreichem Fußball begeistert der deutsche Trainer David Wagner beim englischen Zweitligisten Huddersfield die Fans. Von einer «Wagner-Revolution» will der Coach aber nichts wissen. Und über Aufstiegsträume lacht er.

Vier Siege, ein Unentschieden, 13 Punkte. Die Saison in der 2. englischen Liga hätte für Huddersfield Town kaum besser starten können.

Der Verein steht auf Platz eins der Championship-Tabelle, vor großen Clubs wie Newcastle United, dem FC Fulham oder Aston Villa. Die Fans sind aus dem Häuschen.

«Superzufrieden» sei er mit der Punkteausbeute, sagt Huddersfield-Coach David Wagner, «und damit, dass wir uns - abgesehen vom letzten Spiel - jeden einzelnen Punkt verdient haben.» Beim knappen 1:0-Heimsieg gegen Wolverhampton am vergangenen Samstag war tatsächlich etwas Glück dabei. Doch der erfolgreiche Saisonstart ist vor allem die Belohnung für kluge Transfers und eine laut Wagner «ganz ordentliche Vorbereitung». «Wir hatten schon das Gefühl, dass wir ganz gut im Saft stehen», sagt der 44-Jährige, «zumindest so gut, wie das in einer Vorbereitung geht.»

Die Neuzugänge sind echte Verstärkungen. Torwart Danny Ward hat Wagner von seinem guten Freund Jürgen Klopp in Liverpool ausgeliehen. Als «unumstritten» bezeichnet er drei Deutsche im Team: Innenverteidiger Christopher Schindler, Linksaußen Chris Löwe und Stürmer Elias Kachunga. Die Ingolstadt-Leihgabe hat schon zwei Tore und zwei Vorlagen auf dem Konto. Der vierte Deutsche Michael Hefele rettete mit seinem Ausgleich einen Punkt bei Aston Villa.

Dass derzeit so viele ausländische Profis in Huddersfield spielen, sei für den 1908 gegründeten Verein eher ungewöhnlich, erklärt Wagner. «Das war vielleicht auch ein bisschen das Besondere, was die Euphorie geschürt hat», sagt er. «Man muss wissen, dass Huddersfield ein total urbritischer Club ist. Und ich bin der erste ausländische Trainer.»

Bei den «Terriers» sprechen sie von der «Wagner-Revolution». Wagner selbst macht das nicht. «Da hatte ich nullkommanull mit zu tun», stellt der Coach klar. «Das war die Marketingabteilung. Ich war nicht begeistert, als da auf einmal dieser Hashtag umgegangen ist. Das hat sich dann verselbständigt.» Ob er Huddersfield in den neun Monaten seit seinem Amtsantritt revolutioniert hat? Der gebürtige Geinsheimer gibt sich bescheiden: «Wenn, dann waren wir das in der Gruppe. Der Besitzer Dean Hoyle, der Sportdirektor Stuart Webber, der ganze Mitarbeiterstab und vor allem die Jungs haben das umgesetzt.»

Gemeinsam haben sie dem Verein seine Identität wiedergegeben. Die «Terriers-Identität» wurde in den 60er Jahren vom damaligen Trainer Ian Greaves geprägt. Wagner hat sie neu formuliert: «Der Terrier ist zwar nicht der größte Hund, aber er ist extremst aggressiv. Der hat keine Angst, ist mutig, misst sich auch gerne mit den größeren Hunden. Und das ist unsere Art des Fußballs, unsere Identität.»

Bei den Anhängern kommt das gut an. Inzwischen finden deutlich mehr Fans den Weg ins John Smith's Stadium. Kamen in der letzten Saison durchschnittlich unter 13 000 Zuschauer zu den Heimspielen, sind es in den ersten drei Partien dieser Saison mehr als 19 000. Die Zahl der verkauften Dauerkarten stieg von rund 8000 in der Vorsaison auf jetzt 15 003. «Da kann man schon ein bisschen feststellen, dass sich was verändert hat», sagt Wagner, der die Aufbruchstimmung in Huddersfeld zufrieden registriert.

Dass die Tabellenspitze dabei nur eine Momentaufnahme ist, weiß der Trainer. Schließlich sind noch 41 Partien zu spielen. Zu den Aufstiegskandidaten zählt Huddersfield als «einer der ganz kleinen Fische im Championship-Teich» noch nicht. «Wir gehören vom Budget her wahrscheinlich zu den unteren sechs», vermutet Wagner. «Dementsprechend messen wir uns hier mit absoluten Hochkarätern. Aber wir sind ambitioniert. Wir wollen in jedem Spiel ein ebenbürtiger Gegner sein und uns so teuer, wie es geht, verkaufen.»

Darüber, dass die Fans schon vom Aufstieg träumen, muss Wagner herzlich lachen. «Wir sind keine Träumer, wir sind Arbeiter», stellt er klar. Wenn am Ende überraschend doch der Aufstieg gelänge, wäre die «Wagner-Revolution» perfekt.

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erstellt am 01.Sep.2016 | 14:35 Uhr

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