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Sport

03. Dezember 2016 | 18:46 Uhr

Playoff-Rückspiel für Hadersleben : Europa League: SønderjyskE mit der Jahrhundertchance gegen Sparta Prag

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Wer in Prag heute auf SønderjyskE setzt, trägt gewiss ein hellblaues Trikot. Mit mit einem Auswärtstor ist der Einzug der Haderslebener Fußballer in die Europa League möglich.

Prag/Hadersleben | Das beschauliche Städtchen Hadersleben schmückt heute eine Public-Viewing-Arena. Es geht um ein Sport-Event, das sicher das Größte in der Geschichte Nordschleswigs ist. Der Blick der Zuschauer richtet sich auf eine Übertragung aus Prag. Dort spielt die Fußball-Abteilung von Sønderjysk Elitesport nach einer Kette von Sensationen – darunter der dänischen Vizemeisterschaft – ab 20 Uhr gegen den tschechischen Hauptstadtclub Sparta um den Einzug in die Europa League. Ein Erfolg im Playoff würde für den oft belächelten Provinz-Verein ein wahres Feuerwerk der Möglichkeiten eröffen.

Hadersleben hat weniger Einwohner als Schleswig, der Kader einen Marktwert kaum größer als Holstein Kiel und das Stadion ist nicht größer als das in Flensburg. Der Unterschied: Die früher deutsche Stadt 60 Kilometer nördlich der Grenze blickt anders als Vorjahresfinalist FC Liverpool und viele deutsche Großstadt-Clubs Europapokal-Nächten entgegen.


Nach der Odyssee durch die Qualifikationsrunden, die ein ungesetzter europäischer Newcomer wie SønderjyskE nun einmal zu durchschreiten hat, heißt es nochmals 90 Minuten volle Konzentration. Das Hinspiel der Play-Offs im Sydbank Park am vergangenen Donnerstag ging 0:0 aus - keine schlechte Ausgangsposition für den Außenseiter. In Prag reicht den nach sechs Spieltagen noch sieglosen „Hellblauen“ ein Unentschieden mit einem Tor, um die Mannschaft des erst 35-jährigen Trainers Jakob Michelsen ins Konzert der Großen zu entführen.

Anders wird die Situation in Prag gesehen. Auf den Straßen und auch im Umfeld des Traditionsklubs wird der Club aus dem landwirtschafltlich geprägten Süden Jütlands als kleine Hürde und fast als lästige Pflichtaufgabe auf dem Weg in die Gruppenphase der Europa League gesehen. Ein Scheitern ist nahezu undenkbar und wäre für den tschechischen Rekordmeister, der seit zehn Jahren ununterbrochen international spielt, ein Fiasko.

„Wir müssen besser spielen als im Hinspiel, hinten kein Tor zulassen und vorne eins machen. Ich bin mir sicher, dass wir unsere Aufgabe meistern werden“, stellte Sparta-Trainer Zdenek Scasny bei der offiziellen Pressekonferenz lapidar fest: „Wir müssen auf die Standards des Gegners aufpassen. Die gefährlichen Ecken und Einwürfe können wir aber nicht trainieren.“

Vielleicht kommt der Stolz der Tschechen dem Favoriten-Schreck ganz recht, dessen Spielweise von den Spielern zu gern als „zynisch“ bezeichnet wird. Trainer Michelsen machte zuvor auch rein gar nichts, um vor dem Rückspiel am Donnerstag um 20 Uhr (live beim dänischen Sender TV3+) den Tschechen die Favoritenrolle zu entreißen – im Gegenteil. „Das ist ein Riesenspiel für uns, das größte in der Geschichte des Klubs. Es ist nicht das wichtigste. Da waren andere Duelle gegen den Abstieg, wo Arbeitsplätze auf dem Spiel standen“, sagte Jakob Michelsen: „Wir treffen auf einen Mammut und müssen über uns hinaus wachsen, wenn wir in die Gruppenphase der Europa League einziehen wollen. Wir haben das perfekte Hinspiel hingelegt. Besser können wir nicht spielen, und wir müssen daran anknüpfen. Dann werden wir letztenendes sehen, ob wir tüchtig genug waren und es gereicht hat. Sparta ist riesiger Favorit. Wir sind aber nicht nach Prag gekommen, um Touristen zu sein. Hoffentlich sind die Zeiten der Wunder noch nicht vorbei.“

Der SønderjyskE-Trainer ist sich bewusst, was der Einzug in die Gruppenphase der Europa League bedeuten würde. „Das sind ja Etats von mehreren Jahren, die auf uns warten würden. Im Erfolgsfalle würde es bedeuten, dass man den Klub schneller vorantreiben kann als was sonst möglich wäre, und zwar in Sachen Talententwicklung, Spielerverstärkungen und generelle Rahmenbedingungen“, sagt der 35-jährige Tonderaner, der erwartet, dass seine Mannschaft unter Druck geraten wird.
 

So ist die Stimmung im Hotelzimmer von Tommy Bechmann

„Die Frage ist, wie lange wir standhalten können. Wir müssen uns dann auch das eine oder andere Mal nach vorne wagen und ein oder zwei Tore machen. Wir werden nicht viele Chancen bekommen“, glaubt Michelsen, der einige Ausfälle zu beklagen hat. Adama Guira ist gesperrt und neben Mikkel Hedegaard (Gehirnerschütterung) und Casper Olesen (Fußbruch) wird auch Altstar Tommy Bechmann wegen seiner Kniebeschwerden nicht spielen können. Der Einsatz von Simon „Kroonaldo“ Kroon ist ebenso fraglich. Ein kleiner Lichtblick aus der Statistik: Sparta Prag hat noch nie ein Heimspiel gegen eine dänische Mannschaft gewonnen.

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erstellt am 25.Aug.2016 | 15:53 Uhr

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