zur Navigation springen

Sport

07. Dezember 2016 | 21:26 Uhr

Nationalmannschaft : Deutschland will Futsal-Welt erobern: Länderspiel-Premiere in Hamburg

vom
Aus der Onlineredaktion

Im Fußball ist Deutschland Weltmeister, im Futsal hingegen noch ein Zwerg. Was ist das überhaupt für ein Sport?

Hamburg | Der Ball ist kleiner, das Spiel schneller, der technische Anspruch höher: Futsal ist Hallenfußball der modernsten Art. Nun finden die ersten Länderspiele einer deutschen Nationalmannschaft statt. Am Sonntag (15 Uhr) und am Dienstag (18 Uhr) trifft die DFB-Auswahl in Hamburg auf England. Gezeigt werden beide Spiele übrigens live bei Sport1. Als Förderer dieses Sports gilt Hansi Flick, der Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes. „Durch die moderne Form des Hallenfußballs können wir unsere Talente noch besser ausbilden“, sagte er dfb.de.

Deutschland ist im Futsal ein Spätstarter. Bereits seit 1989 findet alle vier Jahre eine Weltmeisterschaft statt. Im Jahr 1996 wurde die Europameisterschaft eingeführt. Das Interesse ist groß: Die letzte EM fand im Februar in der serbischen Hauptstadt Belgrad statt. Die Halle war fünfmal mit mehr als 12.000 Zuschauern gefüllt. „Die Spiele der Futsal-EM haben gezeigt, wie dynamisch und technisch hochwertig Futsal auf höchstem Niveau gespielt wird“, erklärte Flick. Die erfolgreichste Futsal-Nation in Europa ist Spanien, wo es sogar eine Profiliga gibt.

Hintergrund: Das ist Futsal

Futsal ist die vom Weltverband FIFA anerkannte Variante des Hallenfußballs. Über die Entstehung gibt es verschiedene Angaben. Fest steht, dass Futsal in Brasilien organisiert, mit dem heutigen Reglement versehen und dort auch offiziell ins Sportprogramm integriert worden ist. In São Paulo schuf man 1952 auch die erste offizielle Institution für diesen Sport - die Liga für Hallen-Fußball („Futebol de Salão“). 1989 nahm die FIFA Futsal als zusätzlichen Wettbewerb und offizielle internationale Hallenfußball-Variante auf.

Vom traditionellen Hallenkick trennen Futsal vor allem das Regelwerk und das Spielgerät: Das Feld wird nicht durch Banden, sondern durch Linien begrenzt. Gespielt wird mit einem kleineren, etwas schwereren und weniger stark aufgepumpten Ball. Sein reduziertes Sprungverhalten bringt die technischen Fähigkeiten der Akteure besser zur Geltung.

Bei 2 mal 20 Minuten Nettospielzeit (Uhr wird bei Spielunterbrechungen angehalten) auf 3 mal 2 Meter große Tore gelten besondere Zeitregeln: Eck-, Frei- und Abstöße sind binnen vier Sekunden auszuführen. Zwei gleichberechtigte Referees sind angehalten, nahezu jeglichen Körperkontakt zu ahnden. Unterstützt werden sie von zwei Assistenten.

Anders als auf internationalem Parkett ist Futsal in Deutschland noch nicht weit verbreitet. Während es in anderen Ländern schon Profiligen gibt, fördert der Deutsche Fußball-Bund (DFB) diesen Sport erst seit Kurzem. Und das DFB-Team hat Nachholbedarf. „Da sind wir noch ein Entwicklungsland“, meinte Bundestrainer Paul Schomann. Fernziel ist die Europameisterschaft 2018 in Slowenien.

 

Viele Stars haben Futsal früher ausgeübt. Der fünfmalige Weltfußballer Lionel Messi behauptet, Futsal habe seine Entwicklung gefördert. „Futsal hilft dir enorm, weil es dein schnelles Denken schult“, meinte Neymar, Messis brasilianischer Kollege beim FC Barcelona. Und der Brasilianer Douglas Costa von Bayern München ergänzte: „Was ich dabei gelernt habe? Immer schnell zu spielen! Das versuche ich, auf dem Feld umzusetzen.“

Auch in Deutschland wird Futsal schon länger gespielt. So wurde Borussia Dortmunds Nationalspieler Julian Weigl bei dieser Hallenvariante entdeckt. Einige Proficlubs wie Hertha BSC nutzen Futsal als Trainingsmaßnahme. Nur hat es eben lange gedauert, bis diese Hallenfußball-Variante professionell organisiert wurde. Ende 2015 führte der DFB die Nationalmannschaft ein. Fast alle anderen 55 UEFA-Mitglieder waren schneller. Nur Österreich, Nordirland, Luxemburg und Liechtenstein haben noch kein Futsal-Nationalteam.

Der 18er-Kader der Futsal-Nationalmannschaft

Die deutsche Futsal-Nationalmannschaft geht in Hamburg mit einem 18er-Kader in ihre ersten beiden Länderspiele:

Tor: Yalcin Ceylani (Hamburg Panthers), Pavlos Wiegels (KS Antonio Orzel Futsal), Marco Pohl (VfL Hohenstein-Ernstthal)

Feld: Tim Baumer, Eduard Nickel, Christoph Rüschenpöhler (alle UFC Münster), Timo di Giorgio (Portus Pforzheim), Durim Elezi, Lennart Hartmann (beide FC Liria Berlin), Adam Fiedler (FC Eilenburg), Daniel Fredel, Timo Heinze (beide Futsal Panthers Köln), Saboor Khalili, Stefan Winkel, Michael Meyer (alle Hamburg Panthers), Nils Klems (Holzpfosten Schwerte), Danijel Majdancevic (FC Deisenhofen), Christopher Wittig (VfL Hohenstein-Ernstthal)

 

Das Ziel der DFB-Auswahl ist die Europameisterschaft 2018 in Slowenien. Bis zur Endrunde sind allerdings zwei Gruppenphasen zu überstehen. Die erste Runde findet vom 23. Januar bis zum 1. Februar 2017 in Lettland statt. Deutschland bekommt es dort mit dem Gastgeber sowie mit Estland und Armenien zu tun. Auf dem Fußballfeld wären das vermutlich einfach zu lösende Aufgaben. Im Futsal aber ist Deutschland ein Underdog - zumindest noch.

Wie das Spiel in Aktion aussieht, zeigen auch zahlreiche Youtube-Videos. In diesem Beispiel sind Tricks des kolumbianischen Fußball-Stars Radamel Falcao zusammengeschnitten:

zur Startseite

von
erstellt am 28.Okt.2016 | 14:16 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen