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Sport

26. September 2016 | 12:27 Uhr

Olympia-Bewerbung : Berlin oder Hamburg - wer geht ins Olympia-Rennen?

vom
Aus der Onlineredaktion

Deutschlands größte Städte buhlen um die Austragung der Olympischen Spiele 2024 oder 2028. Bis März 2015 können sie Werbung für ihre Sache machen, dann bestimmt der deutsche Sport einen Kandidaten.

Hamburg | Für ihre aktuelle Olympia-Kampagne greift die Stadt Hamburg auf ihr früheres „Feuer und Flamme“-Logo zurück. Unter einer blau gehaltenen Welle, aus der drei orangerote Flammen züngeln, wirbt der Slogan „Feuer und Flamme für Spiele in Hamburg“ für das Sportgroßereignis. Das Logo kann in den nächsten Tagen über die Internetseite www.hamburg.de/spiele-fuer-hamburg abgerufen werden, bestätigte die Behörde für Inneres und Sport am Mittwoch in Hamburg. Alle die Lust auf Olympia haben, könnten nun loslegen.

Die Hansestadt bewirbt sich - wie die Hauptstadt Berlin - um die Austragung der Sommerspiele und der Paralympischen Spiele 2024 oder 2028. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) entscheidet am 21. März 2015 über die nationale Bewerberstadt für die internationale Ausscheidung. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) wählt in der zweiten Jahreshälfte 2017 den Gastgeber für 2024 aus. In einer DOSB-Umfrage vom September sprachen sich in der Hansestadt 53 Prozent der Befragten für Spiele in der eigenen Stadt aus, in Berlin waren es 48 Prozent. Vor Volksabstimmungen in beiden Städten im nächsten Jahr will der DOSB im Februar erneut die Stimmungslage ermitteln.

Berlin oder Hamburg - welcher Stadt werden die größeren Chancen eingeräumt?

Ein Knackpunkt für den Erfolg dürfte die Unterstützung der Bürger sein. Bei einer ersten Umfrage des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) sprachen sich in Hamburg nur 53 Prozent für Olympia in der Hansestadt aus, in Berlin waren es noch weniger: 48 Prozent. Im Februar soll eine weitere Umfrage folgen. Da in beiden Städten eine Bürgerbefragung durchgeführt werden soll, ist derzeit der größere Zuspruch in der Bevölkerung ein Plus für Hamburg. Die deutschen Spitzenverbände und Landessportbünde gelten eher als Unterstützer von Berlin und verweisen auf die größere Erfahrung der Hauptstadt bei internationalen Großveranstaltungen. Sowohl die Spitzensportverbände als auch die Landessportbünde sind bei einem Votum auf der außerordentlichen DOSB-Mitgliederversammlung am 21. März stimmberechtigt.

Wie geht es jetzt weiter?

Beide Städte arbeiten an ihren Plänen und den Finanzierungskonzepten. Bis zur DOSB-Mitgliederversammlung am 6. Dezember ist noch mindestens ein Workshop der beiden Kandidaten mit dem DOSB geplant. Der deutsche Sport will aber vor einer Festlegung abwarten, welche IOC-Reformen für künftige Olympische Spiele verabschiedet werden. Nach der DOSB-Entscheidung am 21. März ist in der Kandidatenstadt eine Bürgerbefragung geplant.

Wer sind die möglichen Gegner bei einer deutschen Bewerbung?

Noch hat keine Stadt offiziell eine Kandidatur bekanntgegeben, aber US-Bewerber sind Topfavoriten. Die Vereinigten Staaten wollen mit Los Angeles, Washington, Boston oder San Francisco ins Rennen gehen. Der Rekord-Deal des IOC mit dem amerikanischen Olympia-Sender NBC könnte die US-Pläne beflügeln. Das Network sicherte sich die US-Übertragungsrechte von den Spielen 2022 bis 2032 für 7,75 Milliarden Dollar. Damit ist die finanzielle Basis des IOC auf Jahre gesichert. Auch Paris erwägt eine Bewerbung - 100 Jahre nach den Spielen 1924. Rom hat ebenfalls Interesse bekundet. Istanbul überlegt nach fünf vergeblichen Anläufen einen sechsten Versuch. Doha, beim Rennen um die Spiele 2016 und 2020 bereits in der Vorauswahl gescheitert, wird es wohl ebenfalls noch mal wagen. Zudem könnten Kapstadt oder Durban versuchen, die Spiele erstmals nach Afrika zu holen.

Wie groß sind die deutschen Chancen, gleich im ersten Anlauf für 2024 den Zuschlag zu bekommen?

Nicht besonders groß. Pyeongchang zum Beispiel bekam als Gegner von München im Rennen um die Ausrichtung der Winterspiele 2018 erst im dritten Anlauf den Zuschlag der Olympiers. Der DOSB könnte so argumentieren, dass es nicht die erste deutsche Bewerbung ist. In diesem Jahrtausend haben sich bereits drei deutsche Städte - wenn auch ohne Erfolg - um Olympische Spiele bemüht: Berlin (2000), Leipzig (2012) und München (2018). Wahrscheinlich aber wäre eine Bewerbung für 2024 in erster Linie ein Testlauf unter Wettkampfbedingungen für eine wesentlich erfolgsversprechendere deutsche Bewerbung für die Spiele 2028.

Was haben die Olympia-Gegner in Berlin und Hamburg vor?

Sowohl in Hamburg als auch in Berlin haben sich die Olympia-Gegner in einem Bündnis (NOlympia) organisiert und betreiben eigene Webseiten. Wie bereits bei der gescheiterten Münchner Bewerbung um die Winterspiele 2022 planen sie Veranstaltungen, Flugblätter und Kampagnen. „Mit kreativen Aktionen und Informationen werden wir diese öffentliche Geldverbrennungsmaschinerie für die Olympischen Spiele stoppen“, teilte das Berliner Bündnis NOlympia mit. Ihre Hauptargumente sind: Der Gigantismus des IOC, die Korruption und Umweltschäden müssten gestoppt werden. Als Beispiel für die Verfehlungen des IOC führen sie die 51 Milliarden Dollar teuren, politisch belasteten Sotschi-Spiele mit all ihren Umweltsünden auf.

Wie realistisch ist das deutsche Supersportjahr 2024 mit der Fußball-EM und Olympischen Spielen?

Zwei sportliche Großereignisse im selben Land, noch dazu mit einem zeitlichen Abstand von nur knapp zwei Monaten, sind eher unwahrscheinlich. Der Zuschlag für die Ausrichtung der Fußball-EM 2024 gilt nicht nur beim Deutschen Fußball-Bund als beschlossene Sache. Als sich Istanbul um die Fußball-EM 2020 und die Sommerspiele 2020 bewerben wollte, forderte das IOC, die türkische Metropole müsse sich für ein Ereignis entscheiden.

Wann fällt die Entscheidung über den Gastgeber der Spiele 2024?

Wie immer wird der Ausrichter sieben Jahre vor Beginn der Spiele von der IOC-Vollversammlung gewählt. In welcher Stadt und wann die Session 2017 stattfinden wird, steht noch nicht fest. Bisher haben Lima und Helsinki Interesse angemeldet.

Wie in Hamburg unterstützen auch in Berlin Prominente die jeweilige Olympia-Bewerbung. Als „Olympia-Botschafter“ stellte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am Mittwoch unter anderen Moderator Günther Jauch, den Schauspieler und Kabarettisten Dieter Hallervorden sowie die mehrmalige Paralympics-Siegerin im Schwimmen, Daniela Schulte, vor. In Hamburg hatten schon im Oktober Musiker, Schauspieler und Theater-Intendanten ihre Unterstützung zugesagt, darunter Udo Lindenberg, Annett Louisan und Ina Müller, Lichtkünstler Michael Batz, Komiker Karl Dall und Ballettchef John Neumeier.

Vor zwölf Jahren, als sich Hamburg in Deutschland vergeblich um die Spiele 2012 mitbewarb (London erhielt letztlich den Zuschlag), hatten mehrere Werbeagenturen gemeinsam Logo und Slogan entwickelt. Der Auftritt sei damals hervorragend in der Bevölkerung angekommen und von damals positiv besetzt, teilte Sportsenator Michael Neumann (SPD) mit. Außerdem habe der Senat kein Geld für eine neue Millionen-teure Werbung in die Hand nehmen wollen. Das bisherige Bewerbungsverfahren habe die Stadt rund 90.000 Euro gekostet, ergänzte er.

Das Logo könne von allen genutzt werden, die sich in für Olympia in Hamburg einsetzen wollen: Unternehmen, Schulen, Kitas und Vereine, so der Senator. In den nächsten Wochen sollen Informationsbroschüren und Faltblätter über Hamburgs Olympia-Pläne in Umlauf gebracht werden. Auch das Info-Angebot im Internet werde weiter ausgebaut, hieß es.

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erstellt am 26.Nov.2014 | 16:56 Uhr

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