KANALGESCHICHTEN

 

Warum dieser Kiosk ein Geheimtipp ist

19. September 2007 | Von Birger Bahlo

Einladend sieht er nicht gerade aus, aber wie sooft im Leben täuscht der erste Eindruck: Der Kanalkiosk ist ein wahrer Geheimtipp. Sogar noble Gäste machen hier Pause.
Olaf Francke neben seinem Kiosk. Im Hintergrund die Grünenthaler Hochbrücke.

Vom Hartz-IV-Empfänger zur Kiosk-Ikone an der Grünenthaler Hochbrücke: Bei Olaf Francke essen sie alle. Foto: Ruff

Auf den ersten Blick würde jeder Gas geben und weiterfahren: Ein alter Fleischer-Verkaufsstand, ein paar Lichtwellplatten und Plastikplanen - der Kiosk an der Grünentaler Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal, die den Kreis Rendsburg-Eckernförde mit Dithmarschen verbindet, macht optisch nicht viel her.

Wer aber anhält und genauer hinsieht, wird von einem freundlichen Herrn in blütenweißem Kittel begrüßt und nach seinen Wünschen gefragt - ganz so wie in einem erstklassigen Restaurant.

Morgens kommen Vertreter, mittags Handwerker, und am frühen Abend rollen die chromblitzenden Karossen von Geschäftsleuten aus der Region vor. Zwischendurch parken Biker, Trucker oder Mitarbeiter der Straßenmeistereien, um sich eine Bratwurst und einen Kaffee zu gönnen. Zur Saison der Kreuzfahrer strömen Einheimische und Touristen zu Hunderten. "Das reißt dann eine schlechte Woche wieder raus", freut sich Olaf Francke, Betreiber dieses ungewöhnlichen Kiosks.

Mit der "Norwegian Dream" kam die Idee

Der 42-Jährige arbeitete schon als Tierwirt und Koch. Weil sein Meniskus kaputt ist, suchte er eine neue Herausforderung und fand sie mehr als 40 Meter über dem Kanal. Vor drei Jahren kam er mit seinem Auto in Höhe der Brücke nur schrittweise voran, weil wegen der "Norwegian Dream" so viele "Sehleute" die Straße versperrten. "Da habe ich meiner Frau gesagt, hier eröffne ich einen Imbiss." Gesagt, getan. Als Hartz-IV-Empfänger, der er damals war, stritt er mit einem Staatssekretär in Kiel noch eine Weile, ob er für den Platz eine Sondernutzungsgebühr entrichten muss, doch dann war Eröffnung. "Jetzt ist der Kanalkiosk hier Kult", sagt Francke und lacht übers ganze Gesicht.

Seine treuesten Kunden sind die Schiffsfotografen. Denn an der Grünentaler Hochbrücke, einer der wenigen über den Kanal, die von Fußgängern betreten werden dürfen, sind die großen Pötte zum Greifen nah.



 

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