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Wirtschaft

02. Oktober 2014 | 14:27 Uhr

Mehr Energie : Windräder im Land sollen größer werden

vom

Nirgends sind die Anlagen so klein wie in Schleswig-Holstein. Die Branche fordert daher von Minister Habeck, die Abstandsregeln zum Bau hoher Masten zu lockern.

Berlin/Kiel | In Schleswig-Holstein stehen die niedrigsten Windkraftanlagen in Deutschland. Das geht aus neuen Zahlen hervor, die der Bundesverband Windenergie (BWE) gestern in Berlin veröffentlicht hat. Demnach sind die Masten im nördlichsten Bundesland vom Fuß bis zur Rotornabe durchschnittlich 79 Meter hoch. In Bayern sind es dagegen 132 Meter, im Bundesschnitt 110 (siehe Grafik oben). BWE-Präsident Hermann Albers aus Husum kritisierte den Rückstand im Norden, weil dadurch weniger Strom produziert werde als möglich. "Das ist ein Effizienzdrama, das sich in Schleswig-Holstein abspielt", sagte er. Jeder fehlende Meter in die Höhe bedeute den Verzicht auf ein Prozent mehr Stromertrag. Eine 79 Meter hohe Anlage produziere so insgesamt gut vier Millionen weniger Kilowattstunden als eine 125 Meter hohe. Zudem seien größere Anlagen "ästhetischer als kleine", meinte Albers.
Der BWE-Präsident forderte die Landesregierung daher auf, die vorgeschriebenen Mindestabstände der Anlagen zu bebautem Gebiet zu verringern. Bisher müssen sie von Siedlungen 800 Meter entfernt sein, von einzeln stehenden Wohngebäuden 400 Meter, aber mindestens das Dreifache ihrer Gesamthöhe einschließlich Rotor - was bei großen Anlagen eine Distanz von 600 Metern bedeuten kann. "Die Entfernungen dürfen nicht mehr mit zunehmender Höhe der Anlagen wachsen", sagte Albers. Zudem forderte er vom Land Anreize für Gemeinden, größere Masten zuzulassen. "Die Gemeinden sollten von der Gewerbesteuer für große Windkraftanlagen eine höheren Anteil behalten dürfen", sagte er.
Minister will Weg für große Anlagen ebnen
Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck zeigte sich im Ziel einig mit Albers: "Wir teilen die Analyse, dass höhere und größere Anlagen effizienter sind", sagte der Grünen-Politiker. Daher wolle er den Weg für das Ersetzen alter, kleiner Anlagen durch neue, große ebnen - etwa durch das Ausweisen neuer Windkraftflächen. Aber auch der Runderlass der Landesregierung zur Windenergie werde gerade überarbeitet. Allerdings wolle er dabei nicht die Abstände zu Wohngebieten verringern, sagte Habeck: "Sonst können wir die Balance zwischen der Akzeptanz in der Bevölkerung und dem offensiven Ausbau der Windenergie nicht wahren." Auch Anreize über die Gewerbesteuer sieht der Minister skeptisch: "Wir wollen keine industriepolitischen Subventionen für eine bestimmt Art Windkraft."
Die windkraftkritische Initiative "Gegenwind Schleswig-Holstein" lehnte kleinere Mindestdistanzen ebenfalls ab. "Die Verringerung von Abständen ignoriert die gesundheitlichen Schäden, die Windkraftwerke durch Lärm und niederfrequenten Schall verursachen", sagte Gegenwind-Sprecher Frank Jurkat. Schon die aktuellen Entfernungen seien zu gering: "400 Meter zu Splittersiedlungen und auch die 800 Meter zu Siedlungen kommen einer Körperverletzung gegenüber den Anwohnern gleich." Jurkat ist prinzipiell gegen höhere Anlagen: Mit denen komme auf die Bürger "ein neuer Turmbau zu Babel zu, der einzig eigennützigen Interessen dient, aber nicht der Umwelt". Das "Land der Horizonte" Schleswig-Holstein werde "hinter hohen und höchsten Windkraftwerken verschwinden".

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erstellt am 02.Aug.2012 | 08:47 Uhr

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