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Wirtschaft

23. April 2014 | 11:13 Uhr

Energiewende - Vertreiben Biogasanlagen und Windparks die Touristen?

vom

Trotz der sichtbaren Folgen der Energiewende soll Schleswig-Holstein attraktiv bleiben. Kritiker befürchten, dass Biogasanlagen und Windparks abschreckend auf Touristen wirken. Denn "unser Hauptprodukt ist die Landschaft".

Heide | Erneuerbare Energien und Tourismus: Das gaben 2000 von den Industrie- und Handelskammern (IHK) befragte Unternehmer als wichtigste Zukunftsbranchen für Schleswig-Holstein an. Doch der Flensburger IHK-Hauptgeschäftsführer Peter-Michael Stein ist nicht der einzige, der ahnt: Beides auszubauen, wird kaum ohne Konflikte abgehen. In seinem Haus haben Touristiker bereits um Vermittlung gebeten, wenn ihnen eine Windmühle oder eine Biogasanlage auf die Pelle rückt. "Ein Entweder-Oder können wir uns dennoch nicht leisten", meint Stein. "Der Spagat muss gelingen", lautet sein Anspruch. Wobei darauf zu achten ist, lotete die IHK mit Vertretern beider Seiten auf einem Forum in Heide aus.
In Frage stellte die Energiewende dabei keiner, auch die Geschäftsführerin des Tourismusverbands Schleswig-Holstein, Catrin Homp, bekennt sich grundsätzlich dazu. Aber sie mahnt zu hoher Wachsamkeit bei der Umsetzung: "Wir müssen alles vermeiden, um unser Landschaftsbild vorschnell aufzugeben." Es sei für Schleswig-Holstein-Touristen ein noch wichtigeres Kriterium als für Urlauber anderer Zielgebiete. Das hätten Umfragen immer wieder bestätigt. Beim ausgeuferten Maisanabau für Biogasanlagen beklagt Homp ein "Politikversagen". Wenn die Windkraftflächen, wie gerade beschlossen, auf 1,7 Prozent der Landesfläche ausgedehnt sein werden - dann, so Homp, "wird die Belastungsgrenze in Teilregionen erreicht oder sogar überschritten sein". Einen noch größeren Störeffekt befürchtet sie durch neue Stromleitungen für den Abtransport der Offshore-Windenergie. Die Geschäftsführerin fordert, den Tourismus in die Interessenabwägung bei Planungsprozessen angemessen einzubeziehen.

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"Toleranzschwelle lieber nicht austesten"

Wirtschafts-Staatssekretär Ralph Müller-Beck (SPD) setzt sich dafür ein, "die Toleranzschwelle der Urlauber lieber nicht auszutesten". Er wies darauf hin, dass die Gästezahlen im Land zwischen den Meeren schleppender wachsen als im Bundesdurchschnitt und äußerte: "In der schwierigen Situation, in der wir uns touristisch befinden, müssen wir besonders darauf achten, keine Fehler zu machen." Allerdings sieht er auch Schnittmengen: Ein Brückenschlag zu den Erneuerbaren Energien könne ein Mittel sein, "um die Authentizität des Landes im Marketing nach außen zu stärken".
Energiewende-Staatssekretärin Ingrid Nestle (Grüne) wünscht sich Öko-Energien und Tourismus als "zwei Beine, die sich gegenseitig stark machen". Windräder, die mangels Stromleitungen zum Abtransport stillstünden, hätten bei Urlaubern ein schlechteres Image als solche, die sich drehen - auch wenn dazu eine neue Stromleitung hermüsse, die "vielleicht nicht so schön" sei. Zur Akzeptanz beim Urlauber trüge ihrer Einschätzung ebenfalls bei, wenn stärker kommuniziert würde, dass Windenergie aus Schleswig-Holstein pro Kilowattstunde drei Cent günstiger sei als im Bundesdurchschnitt.

Öko-Energie touristisch erleben

Für Nicole Knudsen vom Bundesverband Windenergie "überstrahlt die Symbolwirkung der Erneuerbaren die Beeinträchtigung". Da der Sektor in Schleswig-Holstein viel weiter entwickelt sei, sieht sie in der Werbung damit ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber Tourismus-Rivalen wie Mecklenburg-Vorpommern oder Bayern. Überfällig sei ein Web-Portal, dass Angebote zur touristischen Erlebbarkeit der Öko-Energie landesweit bündele.
Martin Lohmann, Psychologe und Leiter des Nordeuropäischen Instituts für Tourismus- und Bäderforschung (NIT) in Kiel, warnt jedoch: "Bei der Reiseentscheidung des Urlaubers kann man nicht von langen Abwägungsprozessen ausgehen. Viele sind gerade in den Ferien nicht auf Konsens gebügelt." Für ihn vertragen sich Erneuerbare Energien und Tourismus "eher nicht". Der Wissenschaftler sieht voraus: "In der Abstimmung vor Ort haben wir noch lange keine Einigkeit."

"Unser Hauptprodukt ist die Landschaft"

Auf die Emotionen bei der Reiseentscheidung weist auch Christian Schmidt, Geschäftsführer der Tourismusagentur Schleswig-Holstein (Tash), hin. Für ihn bleibt der Erneuerbare-Energien-Tourismus "ein Nischenprodukt - unser Hauptprodukt ist die Landschaft".
Gastgeber Stein möchte das Forum "als erste Dehnübung, die Schmerzen beim Spagat vermeiden hilft", verstanden wissen. Einig waren sich alle Diskutanten, dass eine gründliche Gästebefragung vonnöten sei, um herauszufinden, wie stark oder wenig sich Urlauber von einem Ausbau der Energieerzeugung abschrecken lassen. Staatssekretär Müller-Beck ließ Offenheit zur Finanzierung einer entsprechenden Studie erkennen. Um sie auf den Weg zu bringen, will die IHK die Beteiligten in Januar erneut einladen.

von Frank Jung
erstellt am 18.Dez.2012 | 02:01 Uhr

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01. | Nieder Sachse | 17.12.2012 | 20:10 Uhr
Blitzmerker

Richtige Blitzmerker hier in SH; wenn man gegen die Biogasanlagen und WKA spricht, wird man ausgelacht und bekommt gesagt, es ist alles von der Politik gewollt; nur das in der örtlichen Politik die Politiker auch die Inhaber der betroffenen Flächen sitzen..und auf die nicht so dem Bio Wahn verfallenen Politiker immensen Druck ausüben.. na ja..ein Schelm...
.bleibt für den "normalen" Bürger nur der Fatalismus: "Man sieht sich im Leben immer 2 mal" . "und der liebe Gott sieht alles"

02. | Der blaue Klaus | 17.12.2012 | 19:35 Uhr
Wir müssen Strom bezahlen der gar nicht erzeugt wird.

Mir ist ein KKW Brokdorf hundert mal lieber als tausende von Windrädern und Biogasanlagen.

03. | Dr. Juergen Soechtig | 17.12.2012 | 18:34 Uhr
Nicht verzagen, Märchenonkel Habeck fragen...

.
Touristik, wozu? Der "kleine Mann" soll nichts verdienen. Die Windbosse müssen Kasse machen. Deshalb wird jetzt auch das Naturschutzgebiet Aukrug verspargelt.

"...Wir müssen alles vermeiden, um unser Landschaftsbild vorschnell aufzugeben..." Wann schalten die Entscheidungsträger im "Energiewende-Ministerium" endlich den Verstand (falls vorhanden) ein? Natur- und Arten-Schutz wird "spargelig vergast".

Einen Vorteil bringen die WKAs für vogelkundige Touristen: Roter Milan, Uhu, Kauz etc. können in aller Ruhe am Boden betrachtet werden. Neugierige können sogar anatomische Studien betreiben. Dieser Punkt sollte bei der Touristen-Werbung dominant hervorgehoben werden. Dies ist doch ein echter Alleinstellungsanspruch, oder=

Vielleicht besteht auch die Möglichkeit, Aussichtstürme mit Würstchenbude zu errichten. Dann können die Touristen über die Maisfelder hinwegschauen und den Horizont erblicken.

Welch eine Aussicht...

04. | Frank Dziallas | 17.12.2012 | 18:09 Uhr
Energie

Fragt doch mal die Touris aus NRW und den Rest von Deutschland woher Sie Ihren Strom beziehen wollen wenn die AKW´s und Kohle kraftwerke bei Ihnen anbgeschaltet werden. Und mal ganz ehrlich bei den Preisen die hier teilweise in der Hauptsaison aufgerufen werden würde ich mich für meinen Urlaub auch eher für ein Gebiet entscheiden was ein wenig mehr Sonnengarantie verspricht. Ansonsten gehören für mich Windräder(Mühlen) eh schon zum Erscheinungsbild inn Schleswig-Holstein.

05. | K.P. Barnick | 17.12.2012 | 11:00 Uhr
Alles nur zum Vorteil der Kapitalisten

Seit über 20 Jahren vermiete ich eine Ferienwohnung und hatte in der gesamten Zeit Stammgäste, die teilweise sogar 2x im Jahr bei uns Urlaub machten.
Vor etwa 5 Jahren fingen die ersten an zu murren und seit dem letzten Jahr kommen die Stammgäste nicht mehr. Sie haben uns klar und deutlich die Gründe genannt warum sie weg bleiben: Mais und Windmühlen soweit das Auge reicht, Güllegestank soweit die Nase riechen kann und Lärm durch bäuerliche Aktivitäten Tag und Nacht, Sonn- und Feiertag soweit das Ohr höhren kann.
Jetzt steht die Wohnung sogar in der Hauptsaison teilweise leer obwohl wir in einer durchaus attraktiven Gegend wohnen, unsere Kosten werden nur noch knapp von den Einnahmen gedeckt.

06. | Albert Anstand | 17.12.2012 | 10:27 Uhr
Tourismuskiller

Vertreiben Biogasanlagen und Windparks die Touristen?

Einfache Frage, einfache Antwort: Ja.

Gülle, Spritzen, Plattmachen der Landschaft auch.

07. | Rosa Rose | 17.12.2012 | 09:49 Uhr
Touristische Zielgruppe ändern


Selbst auf der Startseite des Landesportals www.schleswig-holstein.de ist nun schon als Begrüßungbild die zukünftige „3Cent billigere Authentizität des Landes zu sehen, welche nur das Problem hat, dass sie zu oft still steht“.
Heute wird in Kiel die Verdopplung der Windindustriegebiete auf 27000ha rechtsgültig veröffentlicht.
Und vom Heider IHK Forum ist zu lesen“Der Spagat muß gelingen, hohe Wachsamkeit beim weiteren Ausbau etc. Sie tun so als gäbe es noch irgendetwas zu steuern oder abzuwägen. Wenn es nicht so traurig wäre müßte man darüber lachen.
Die weitere Verwandlung größer Landschaftsteile von SH in Windindustriegebiete ist beschlossene Sache und nicht mehr diskutabel. Das wissen diese Schönschnagger genau.

Es gibt Leute die Bergsteigen auf die 8000-er des Himalayas für Sport halten.
Daher ist besser sich in "überstrahlenden" Windindustrielandschaften auf die Extremtouristen zu konzentrieren.
Also lockt die Irren der Welt nach SH. Es gibt genug und ständig neue.

08. | Gerhard Stahl | 17.12.2012 | 09:27 Uhr
................die Gegenleistung des Gastgewerbes oft kläglich...................

Ah ja, was denn nun ????????ß

09. | A. Krass | 17.12.2012 | 08:21 Uhr
Zu spät, ich kommen als Tourist nicht wieder!

Ich habe von 1985 bis 1995 fünf mal mit meiner Familie in Schleswig-Holstein (Nordseeküste) den Urlaub verbracht (je 2 Wochen).

Seither fahre ich nicht mehr da in Urlaub: Die allgegenwärtigen Windräder haben den Großteil der wunderschönen Nordseeküste verschandelt. Außerdem bringen die sich ständig bewegenden Räder am Horizont Unruhe statt Erholung und Entspannung.

Ihr könnt nicht alles haben, Ihr "klugen" Herrschaften an der Küste. Schließlich waren die Preise auch ohne die Windräder schon ganz schön saftig, die Gegenleistung des Gastgewerbes oft kläglich!

10. | A. Krass | 17.12.2012 | 08:21 Uhr
Zu spät, ich kommen als Tourist nicht wieder!

Ich habe von 1985 bis 1995 fünf mal mit meiner Familie in Schleswig-Holstein (Nordseeküste) den Urlaub verbracht (je 2 Wochen).

Seither fahre ich nicht mehr da in Urlaub: Die allgegenwärtigen Windräder haben den Großteil der wunderschönen Nordseeküste verschandelt. Außerdem bringen die sich ständig bewegenden Räder am Horizont Unruhe statt Erholung und Entspannung.

Ihr könnt nicht alles haben, Ihr "klugen" Herrschaften an der Küste. Schließlich waren die Preise auch ohne die Windräder schon ganz schön saftig, die Gegenleistung des Gastgewerbes oft kläglich!

11. | A. Krass | 17.12.2012 | 08:21 Uhr
Zu spät, ich kommen als Tourist nicht wieder!

Ich habe von 1985 bis 1995 fünf mal mit meiner Familie in Schleswig-Holstein (Nordseeküste) den Urlaub verbracht (je 2 Wochen).

Seither fahre ich nicht mehr da in Urlaub: Die allgegenwärtigen Windräder haben den Großteil der wunderschönen Nordseeküste verschandelt. Außerdem bringen die sich ständig bewegenden Räder am Horizont Unruhe statt Erholung und Entspannung.

Ihr könnt nicht alles haben, Ihr "klugen" Herrschaften an der Küste. Schließlich waren die Preise auch ohne die Windräder schon ganz schön saftig, die Gegenleistung des Gastgewerbes oft kläglich!

12. | Helmut Erb | 17.12.2012 | 07:46 Uhr
Optionen

Alle sind sich einig. Keiner ist dagegen.

Dabei hätte die IHK doch ganz sachlich feststellen können, daß man sich entscheiden muß: Entweder - oder.

Der Tourismusverband hätte sich grundsätzlich gegen diese Energiewende stellen können mit der klaren Forderung, nach einem sofortigen Baustopp unverzüglich mit dem Rückbau aller Ökostromanlagen zu beginnen, um das Landschaftsbild im Land der Horizonte wiederherzustellen.

Wirtschaftsstaatssekretär und Tourismusagentur hätten gemeinsam urteilen können, daß es ein Fehler war, die Landschaft zu ruinieren, und daß dieser Fehler nun schnellstens korrigiert werden muß.

Die Energiewende-Staatssekretärin hätte ankündigen können, daß die Betreiber in Schleswig-Holstein für ihren billigen Windstrom ab sofort pro Kilowattstunde drei Cent weniger erhalten. Sie hätte darauf hinweisen können, daß die „nicht so schönen“ neuen Stromtrassen überflüssig wären, wenn man die überflüssigen Windräder wieder abbauen würde.

Aber vorläufig stehen Gewinner und Verlierer fest. Im letzten Jahr hat der damalige Wirtschaftsminister de Jager die Zeitenwende angesagt: Die Peripherie im Norden kann keine Postkartenidylle bleiben. Und der Betreiber des Turbinenfelds in Langenhorn hat es unwidersprochen auf den Punkt gebracht: „Für Landschaft kann ich mir nichts kaufen.“

In diesem Grünen Wahn ist für Menschen kein Platz. Auch nicht für Touristen.

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