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Wirtschaft

26. Oktober 2014 | 01:29 Uhr

Akw-Zwangsstilllegungen : Vattenfall-Chef erwartet "faire Entschädigung"

vom

Rund 700 Millionen hat der Energiekonzern Vattenfall investiert, um die Reaktoren in den Akw Krümmel und Brunsbüttel wieder starten zu können. Für die Zwangsstilllegung fordert er nun eine Entschädigung.

Der schwedische Energiekonzern Vattenfall verlangt für die Zwangsstilllegung seiner deutschen Atomkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel eine "faire Entschädigung". Dabei dürfe unter anderem Krümmel "mit Blick auf die Reststrommengen zeitlich und mengenmäßig nicht schlechter als andere neuere Kernkraftwerke", sagte Konzernchef Øystein Løseth.
Welche Konsequenzen hat der Beschluss zum deutschen Atom-Ausstieg bis 2022 für Vattenfall? Erwägen Sie eine Gerichtsklage?
Løseth: Natürlich ist die Lage dramatisch mit Blick auf all die Investitionen von über 700 Millionen Euro, die wir in unseren Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel getätigt haben, damit wir die (seit 2007 fast permanent stillstehenden) Reaktoren wieder starten können. Es ist noch zu früh, etwas über eine mögliche Gerichtsklage zu sagen. Was ich natürlich erwarte, ist eine faire Behandlung und eine faire Entschädigung auf der Basis der deutschen Regierungsentscheidung. Das heißt unter anderem, dass Krümmel mit Blick auf die Reststrommengen zeitlich und mengenmäßig nicht schlechter als andere neuere Kernkraftwerke gestellt werden darf.
Welche Konsequenzen aus dem Ausstieg erwarten Sie für die europäische und deutsche Energieversorgung?
Løseth: Wenn Sie 8500 Megawatt aus dem deutschen Markt nehmen, ist klar, dass sich das Verhältnis von Nachfrage und Angebot ändert. Das wird sich vermutlich auf die Preise auswirken. Außerdem müssen Sie diese Mengen permanent auf verschiedenen Wegen ausgleichen. Und logischerweise ist die Folge, dass Sie mehr in erneuerbare Energien investieren müssen. Sie brauchen ein gutes Back-Up. Das werden nach meiner Überzeugung neue Kraftwerke für fossile Energieträger sein.
Ist Deutschland mit dem Atom-Ausstieg eigentlich noch ein guter Standort für Vattenfall-Investitionen?
Løseth: Wir haben bei unseren jüngsten Strategie-Entscheidungen herausgehoben, dass Deutschland ein Kernmarkt für uns ist. Wir haben dort sehr viele Kohlekraftwerke. Wir investieren gerade in neue Windkraft-Parks in Norddeutschland und suchen nach neuen Investitionsmöglichkeiten in erneuerbare Energien. Unsere Kohlekraftwerke werden jetzt durch die neue Entscheidung natürlich mehr wert sein. Wenn Sie sich die Produktionsmengen aus unseren Nuklearanlagen anschauen, ist es wenig im Vergleich zum Rest unseres Erzeugungsmixes. Wir waren auch nie ein führender Akteur auf dem deutschen Markt der Kernenergie.
Teilen Sie die Ansicht Ihres RWE-Kollegen Großmann, der die Energiepolitik der Bundesregierung "unberechenbar" genannt hat?
Løseth: Vor neun Monaten hatten wir in Deutschland eine Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke. Wir haben natürlich all die Investitionen in unsere Reaktoren in dem Glauben getätigt, dass sie wieder angefahren werden. Aber wir respektieren die Entscheidungen der deutschen Regierung und der deutschen Politiker.Wichtig für die grüne Zukunft und die Energiewende in Deutschland ist jetzt, dass die Politik wieder stabile Rahmenbedingungen und Planungssicherheit schafft. Sonst sind die vielen Milliarden Investitionen, die für die Wende notwendig sind, gefährdet.
Was steht jetzt für Vattenfall in Deutschland im Fokus? Die schwedische Regierung als einziger Eigner will von Ihnen viel mehr Investitionen für erneuerbare Energien. Andererseits haben Sie all die Kohlekraftwerke in Deutschland bei steigenden Strompreisen.
Løseth: Wir werden die Kohlekraftwerke nutzen und ihre Anwendung so sauber wie möglich gestalten. Und wir werden sie so hochgradig verfügbar machen wie möglich. Die Verfügbarkeit ist jetzt noch wichtiger als vor dem Atomausstieg. Die deutschen Kohlekraftwerke operieren sehr gut. Das gilt auch für die ostdeutsche Braunkohle. Wir werden den Start des neuen Steinkohlekraftwerkes Moorburg in Hamburg sicherstellen. Das wird auch einen stabilisierenden Effekt auf die langfristige Preisentwicklung haben.
Was ist Ihre Erklärung dafür, dass die Reaktionen auf Fukushima in Schweden und Deutschland als Vattenfalls wichtigsten Ländern so extrem unterschiedlich ausfallen?
Løseth: In Schweden gibt es Wasserkraft, Atomkraft und erneuerbare Energien als Grundpfeiler der Energieversorgung. Die Hälfte der Gesamtproduktion durch Kernenergie herauszunehmen, wäre eine sehr dramatische Entscheidung. Dafür sehe ich derzeit keine Anzeichen unter den verantwortlichen Politikern. Als Grund für die Reaktion in Deutschland nehme ich an, dass dahinter auch die Meinung der Bevölkerung steht. 80 Prozent dort sind gegen die Kernenergie, wenn ich das richtig verstanden habe. In Schweden ist das ganz anders.
Ist Vattenfall nicht zu erheblichen Teilen mitverantwortlich für die negative Haltung der deutschen Öffentlichkeit zur Atomkraft? Man denke nur an die endlosen Probleme in den Kraftwerken Krümmel und Brunsbüttel.
Løseth: Die Entscheidung über die Nutzung der Kernenergie ist und bleibt Sache der Politik. Erst vor neun Monaten hatten wir eine Laufzeitverlängerung, die jetzt wieder rückgängig gemacht wird. Und da gab es ja auch Probleme in unseren Anlagen. Die neue Entscheidung ist einzig und allein auf die Stimmungslage nach Fukushima zurückzuführen.
(dpa, shz)

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erstellt am 08.Jun.2011 | 09:44 Uhr

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