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Wirtschaft

22. November 2014 | 16:20 Uhr

Energieversorger : Strompreise steigen fast überall kräftig

vom

Steigerungen im zweistelligen Bereich: Landesweit erhöhen die Stromanbieter zum Jahreswechsel ihre Preise. Die Stadtwerke Neumünster liegen mit 14,3 Prozent an der Spitze.

Kiel | Das hat der Norden bislang noch nicht erlebt: zweistellige Strompreis-Steigerungen. Mit Ausnahme zweier kleiner Stadtwerke in Wilster und Niebüll , die nur moderat erhöhen, kündigen alle Energieversorger zwischen Flensburg und Ratzeburg für 2013 saftige Tarifsteigerungen an.
Den Vogel schießt Neumünster mit 14,3 Prozent ab. Kunden müssen dort für die Kilowattstunde künftig 3,21 Cent mehr zahlen - das macht für einen Drei-Personen-Haushalt Mehrkosten von rund 120 Euro pro Jahr. Als Grund für den massiven Anstieg nennen alle Energieversorger die Erhöhung der Ökostromumlage (EEG-Umlage) die künftig mit 5,277 Cent zu Buche schlägt (2002: 0,35 Cent). Zudem treiben Netzgebühren, Entlastungen für Großunternehmen, Sonderabgaben für Offshore-Windkraft und die höhere Mehrwertsteuer den Strompreis nach oben.

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"Wir haben alles ausgereizt"

"Wir sind die Prügelknaben. Wir schreiben die Rechnungen", beschreibt Mathias Stein von den Neumünsteraner Stadtwerken die Lage. Man werde von der Politik gezwungen, Preissteigerungen zu rechtfertigen, für die man nicht verantwortlich sei. Im Gegenteil: Die meisten Stadtwerke hätten günstige Einkaufspreise erzielt und diese weitergegeben. "Wir haben alles ausgereizt", sagt Stein. Auch sein Rendsburger Kollege Kenneth Clausen räumt resigniert ein: "In solch einer Größenordnung können wir die staatlichen Mehrkosten auf keinen Fall kompensieren".
Der staatliche Anteil am Strompreis ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen und beträgt mit 49 Prozent mittlerweile fast die Hälfte. Bundesweit haben nach Angaben des Vergleichsportals Verivox bislang 195 Stromversorger Tariferhöhungen von bis zu 19 Prozent angekündigt. Heute läuft die Frist ab, bis zu der die ab Januar gültigen Aufschläge angezeigt werden müssen. Stadtwerke, die erst zum Februar oder März erhöhen, haben also noch Zeit. Eon Hanse, Schleswig-Holsteins großer Flächenversorger hat die Frist voll ausgeschöpft und verkündet heute, dass der Preis für einen Drei-Personen-Haushalt ab Januar um 11,5 Prozent steigt. Damit liegt der Konzern geringfügig unter Vattenfall, der in Hamburg als Grundversorger 12,9 Prozent mehr kassiert.
Auch 2011 hatten viele Versorger an der Preisschraube gedreht. Mit im Schnitt 6,7 Prozent war es die bis dahin deutlichste Anhebung. Sie wird jetzt getoppt. Wohl auch deshalb regt sich in der schwarz-gelben Koalition in Berlin Kritik am schnellen Ökostrom-Ausbau. Die FDP fordert eine grundlegende Reform des EEG-Gesetzes noch vor der Bundestagswahl. Ähnlich wie die Verbraucherzentralen machen sich die Liberalen für eine Strompreis-Bremse stark. Die höheren Mehrwertsteuereinnahmen - geschätztes Plus: vier Milliarden Euro jährlich - sollen an die Bürger zurück gegeben werden - indem man zum Beispiel die Stromsteuer senkt.

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von
erstellt am 20.Nov.2012 | 01:07 Uhr

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