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Wirtschaft

24. April 2014 | 07:50 Uhr

Keine Hilfe durch die KfW - Rösler gibt Reedern einen Korb

vom

Für die deutsche Schifffahrt wird es finster. Viele Schiffe verdienen kein Geld, die Banken geben keine Kredite mehr und auch der Bund will nicht helfen. Eine Pleitewelle ist kaum abzuwenden.

Hamburg/Berlin | Der Bund will strauchelnden Reedereien nicht unter die Arme greifen. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) lehnt es ab, dass die Staatsbank KfW für Reedereien in Bedrängnis befristete Überbrückungskredite gibt oder bestehende Schiffsfinanzierungen übernimmt. Das teilte Rösler in einem Schreiben an den Verband Deutscher Reeder (VDR) mit. Der Reederverband äußerte sich enttäuscht über Röslers Absage, sieht aber das letzte Wort noch nicht gesprochen.
Viele kleine und mittlere Reedereien in Deutschland sind in ihrer Existenz bedroht. Die Reeder sehen sich einer Doppelkrise gegenüber: Die Schifffahrtsmärkte sind geprägt von Überkapazitäten und niedrigen Frachtraten. In der Containerschifffahrt, wo die deutschen Reeder weltweit eine führende Position einnehmen, verdient nur noch jedes dritte Schiff überhaupt Geld. Bislang sind 133 Schiffe deutscher Reeder in die Insolvenz gegangen, weitere 500 bis 600 stehen in der Restrukturierung und sind somit bedroht.
Vor allem kleine und mittlere Reedereien sind betroffen
Gleichzeitig führt die Finanzkrise dazu, dass sich die Banken aus der Schiffsfinanzierung zurückziehen. Die teilstaatliche Commerzbank gibt das Geschäftsfeld komplett auf, andere Institute wie die HSH Nordbank müssen ihre Engagements reduzieren. Im Bankendeutsch heißt dies "schonende Portfoliobereinigung". Das trifft vor allem kleine und mittlere Reedereien, die oft nur über wenige Schiffe verfügen.
Sie bekommen keine Kredite mehr, selbst wenn sie Sicherheiten zu bieten haben. Die Banken drängen auf den Verkauf von Schiffen, wenn deren Wert über dem ausstehenden Kredit liegt
"Das ist eine große Enttäuschung"
Rösler erklärt in dem Brief, die Entwicklung erfülle ihn mit Sorge. Er habe jedoch Bedenken, wenn Banken die Risiken aus ausgewählten Kreditengagements auf den Staat verlagern könnten. Das gelte auch bei wirtschaftlich soliden Projekten. In der gegenwärtigen Lage müssten Reeder, Eigenkapitalgeber und Banken gemeinsam Lösungen zur Überwindung der Krise finden. "Eine Konsolidierung der Schifffahrtsbranche wird hierbei nach allen Aussagen von Experten nicht ausbleiben können", schreibt Rösler. "Umso größerer Mut ist notwendig, um die notwendigen strukturellen Änderungen in der Branche zügig herbeizuführen."
Die Reeder äußerten sich enttäuscht über Röslers Absage. Sie hatten vorgeschlagen, dass die KfW zeitweise für die privaten Banken in die Bresche springt und mit Überbrückungsfinanzierungen oder der Übernahme von bestehenden Krediten hilft. So sollte Zeit gewonnen werden, bis die Schifffahrtsmärkte 2014 wieder anziehen und die Lage sich entspannt.
"Das ist eine große Enttäuschung", sagte Ralf Nagel, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des VDR. Noch vor wenigen Tagen auf dem Schifffahrtstag in Haren seien von Rösler andere Signale gekommen. Der Verband werde sich aber weiter für ein Engagement der KfW einsetzen, neben Rösler gebe es noch andere Verantwortliche in der Bundesregierung.

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von dpa
erstellt am 17.Nov.2012 | 12:33 Uhr

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01. | Rolf Steigner | 19.11.2012 | 21:25 Uhr
@KARSTEN PETERSEN

Umgangssprachlich sagt man in der Branche zu Ladung schon mal Fracht, prinzipiell ist es das selbe.

02. | Hans Stein | 19.11.2012 | 19:16 Uhr
Am Ende eine Bad Bank?

Eine Bank (z. B. Commerzbank, HSH) kann ein Schiff mit einem klassischen Schiffshypothekendarlehen finanzieren. Eine alternative Finanzierungsform ist der Schiffsfonds. Diese Fondsgesellschaften sind eigenständige Unternehmen, i. d. R. Kommanditgesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH & Co. KG). Der Anleger beteiligt sich mit einem festen Betrag an der Kommanditgesellschaft (Kommanditeinlage). Die Summe der Kommandit-Einlagen beträgt i. d. R. 30 bis 40 % der Anschaffungskosten. Den verbleibenden Rest finanziert dann eine Bank wieder als Schiffshypothekendarlehen. Schiffsfonds werden i. d. R. für einzelne Schiffe aufgelegt, es sind geschlossene Fonds, d. h. die Anteile sind nicht an der Börse handelbar.

Wenn jetzt von Wertberichtigungen und Abschreibungen der HSH oder Commerzbank die Rede ist, können damit das klassische Schiffshypothekendarlehen oder das fondsbasierte Schiffshypothekendarlehen gemeint sein. Es läuft im Endeffekt aber auf das gleiche hinaus.

Für das Vermitteln von Anteilen bekommen die Banken eine (nicht unerhebliche) Provision. Das läuft auch bei Immobilienfonds so. Bei den Klagen der Postkunden geht es um die Anteile, die die Post an die Kunden verkauft hat. Die Kunden der Post klagen, weil ihnen das Risiko des Totalverlustes nicht offenbart wurde.

Fest steht, dass es zu viele Schiffe gibt (es ist wie mit der Immobilien-Blase) und ein Reinigungsprozess stattfinden wird. Jetzt kommt die neueste Idee: Man bündelt einzelne Fonds zu einem neuen Fonds (wie bei den Immobilienfonds in Amerika) und versucht damit das Risiko zu mindern. An diesem neuen Fonds kann sich dann wieder jemand beteiligen (Private, Banken, Fonds etc.). Es kann aber auch sein, dass diese Fonds in eine Bad Bank ausgegliedert werden. Wer dafür zuständig ist wissen wir: Wir als Staat.

03. | Karsten Petersen | 18.11.2012 | 23:11 Uhr
@ Rolf Steigner

Ihrer Argumentation kann ich folgen, aber ich glaube Sie verwechseln Fracht mit Ladung.
Und überhaupt muss man sich fragen, woher kommt diese Überkapazität? Ist tatsächlich das Ladungsaufkommen so drastisch gesunken? Liegt das daran, dass der Konsum vollständig eingebrochen ist? Nein, viele Reeder haben während des Booms Schiffe bestellt. Und zwar sehr viele Schiffe. Die Werften konnten gar nicht nachkommen. Alle wollten gaaaanz viel vom Kuchen abgreifen. Die Folge war eine Überkapazität, die schon damals von Insidern prognostiziert worden ist. Die Reeder haben ihre „Alttonnage“ abgestoßen und genau diese macht Ihnen nun das Leben schwer. Schlimm daran ist, dass es viele Reedereien trifft, die diesen Hyp nicht mitgemacht haben und grundsolide gewirtschaftet haben.


04. | Hans Stein | 18.11.2012 | 20:18 Uhr
ROLF STEIGNER 18.11.2012 19:50

Ich wäre mir an Ihrer Stelle nicht so sicher.

Schiffsfonds sind eigenständige, i. d. R. geschlossene Fonds, die üblicherweise in der Rechtsform der GmbH und Co. KG geführt werden. Die sind auch im Risiko und haben z. B. mit der HSH oder Co.Bank höchstens im Vertrieb zu tun.

Wenn die HSH im Risiko ist, was wir ja hier jeden Tag lesen können, dann sind das eigene Finanzierungen, bei Schiffsfonds bräuchte die HSH ja auch nicht wertberichtigen oder abschreiben.

05. | Rolf Steigner | 18.11.2012 | 19:50 Uhr
@HANS STEIN

Völlig falsch die Story mit den kleinen deutschen Reedern. Verfolgen sie nicht die Nachricht mit den Postbankkunden die derzeit gegen die Postbank demonstrieren und klagen wollen weil sie sehr viel Geld verloren haben? Schiffe werden über Fonds finanziert, diese Fonds versprechen hohe Renditen solange Fracht da ist. Derzeit ist aber ein Überangebot an Schiffen auf dem Markt so dass Schiffe aufgelegt werden müssen -darunter auch nagelneu, gerade von der Werft geliefert Schiffe, mit der Konsequenz, dass die Tilgungen nicht mehr bezahlt wer-den können und die Banken dann die Schiffe zwangsversteigern. Dies hat wiederum zur Fol-ge, dass der Fonds pleite ist, die Leute ihr Geld verloren haben, und nicht nur das, sie müssen evtl. noch damit rechnen für die Schulden die aus dem geplatzten Fonds aufgelaufen sind, zu haften. Diese Art Schiffsfinanzierung ist ja das sog. Kerngeschäft der HSH, ein deutscher Reeder kann ohne diese Art Fremdfinanzierung überhaupt kein Schiff mehr bauen. Schuld daran, dass bei uns etablierte Werften kaputt gehen hat auch die EU, die verbietet z.B. dem Land Mecklenburg eine weitere Bürgschaft in Höhe von etwa 150 Mio. für die beiden Werf-ten in Wolgast und Stralsund um die Aufträge reell abarbeiten zu können. Die EU hat auch schon die polnischen Werften kaputt gemacht, währen die Werften in Ostasien durch die Staa-ten dort hoch subventioniert werden, eine Wettbewerbsverzerrung par excellence.

06. | Hans Stein | 18.11.2012 | 18:58 Uhr
DR. JUERGEN SOECHTIG 18.11.2012 11:47

Nein, Herr Dr. Soechtig, Sie sind gar keinem Irrtum unterlaufen. Es geht um deutsche Reeder. Es geht um "Viele kleine und mittlere Reedereien in Deutschland". " Das trifft vor allem kleine und mittlere Reedereien, die oft nur über wenige Schiffe verfügen."

Das sind genau die, die noch unter deutscher Flagge arbeiten und mit denen die HSH jetzt die Probleme hat.

Aber der Hammer war Rösler im Kreml: Bubi Rösler läuft mit seiner Mini-Kamera im Kreml herum und fotografiert wie ein Tourist. Sorry, merkt der denn gar nichts mehr?

07. | Dr. Juergen Soechtig | 18.11.2012 | 11:47 Uhr
@HANS STEIN 17.11.2012 22:56

.
Kann es sein, daß Sie dem gleichen Irrtum unterliegen wie ich am Anfang? Reedereien haben mit Werften nichts zu tun. Die Reedereien segeln aus Kostengründen unter fremder Flagge. Die Besatzungen kommen aus aller Herren Länder, nur nicht aus D. Zahlen die Reedereien überhaupt Steuern bei uns?

Wenn die Reedereien Hilfe benötigen, sollen sie doch zu ihren Flaggenländern gehen. Nein, keine Steuergelder für ausländische Reedereien. Südeuropa ist teuer genug!!!

08. | XANTHIPPE v. PUHVOGEL | 18.11.2012 | 08:59 Uhr
DR. JUERGEN SOECHTIG 16.11.2012 21:31

"Roter Baron"? Zu viel der Ehre, oder? Wie wäre es mit "Rotkehlchen"?

09. | Hans Stein | 17.11.2012 | 22:56 Uhr
KfW nicht vergessen!

Ich glaube, dass es keine Patentlösung gibt. Obama hat die danieder liegende Autoindustrie gerettet und keiner hat geglaubt, dass es funktionieren würde. Es kommt immer auf den Einzelfall an (Produkte, Kapitalausstattung, Verschuldungsgrad, cash flow, etc).


Rösler hat bei seiner Entscheidung sicherlich auch bedacht, dass die KfW neuerdings einen Teil Ihrer Gewinne an den Staat ausschütten soll. Union und FDP wollen das Verbot der Gewinnausschüttung bei der KfW abschaffen, was natürlich eine Beschränkung des risikoreichen Fördergeschäfts (hier z. B. die Reedereien) bedeutet. Die Koalition hofft, ab 2014 auf Überweisungen der Staatsbank zur schnelleren Haushaltssanierung in Milliardenhöhe. Da stören natürlich solche Engagements, die könnten ja die Gewinnausschüttung reduzieren.

Selbst der DIHK hat sich zu Wort gemeldet und das ist bemerkenswert, zumal der Präsident der Organisation, Hans-Heinrich Driftmann, im Verwaltungsrat der KfW sitzt. In Bankkreisen hieß es, der Beschluss des Koalitionsausschusses bedeute weniger Eigenkapital und damit in letzter Konsequenz auch eine geringere Förderstärke. Zur Rettung der schwarzen Haushalts-Null wird jetzt auch noch das Tafel-Silber (Gold?) verscherbelt, da stehen die Reedereien nur im Weg, man muss eben Prioritäten setzen....

10. | Dr. Juergen Soechtig | 17.11.2012 | 20:34 Uhr
@JØRAN-NJÅL SOLBAKKEN 17.11.2012 19:11

.
Sie scheinen von dieser Materie mehr Ahnung zu haben als ich. Ihre Argumentation ist überzeugend und korrekt.

Also keine Hilfe für Reedereien! Einverstanden.

11. | Jøran-Njål Solbakken | 17.11.2012 | 19:11 Uhr
Nachtrag

Ich wollte natürlich schreiben:

Von daher möchte ich als Steuerzahler keine Unternehmen retten, deren Rettung für den (deutschen) Arbeitnehmer (und letztendlich wieder Steuerzahler) nicht vom Nutzen wäre.

12. | Hugo T. | 17.11.2012 | 19:09 Uhr
@ SOLBAKKEN

Doch darf man.

Ja, Sie haben Recht, auf den sehr konkreten Fall bezogen. Aber was hindert unsere "wirtschaftskompete" Regierung, angeführt von einer gelernten FDJ-Sekretärin, Gesetze zu machen, die das beschleißen so wie Sie es vorschlagen? Es würde Merkels Arbeitsplatzbeschreibung (zum Wohle Deutschlands) entsprechen.

Schönen Abend, der Kamin ruft.

13. | Jøran-Njål Solbakken | 17.11.2012 | 19:00 Uhr
@ T.

Eigentlich soll man die Kommentare von anderen Kommentatoren hier nicht kommentieren, ist ja kein Diskussionsforum. ;-)

Aber wegen Schiffsbau möchte ich anmerken, dass die Rettung von Reedereien keine Rettung für den deutschen Schiffsbau bedeutet, sonst hätten wir hier in Deutschland auch keine Werftinsolvenzen. Es sei denn, die Reedereien, die einen deutschen Staatskredit erhalten, würden ihre Schiff auch wieder in Deutschland herstellen lassen und die Schiffe nicht mehr ausflaggen, aber das werden die wohl nicht mitmachen. Von daher möchte ich als Steuerzahler keine Unternehmen retten, deren Rettung für den (deutschen) Arbeitnehmer (und letztendlich wieder Steuerzahler) vom Nutzen wäre.

14. | Hugo T. | 17.11.2012 | 18:33 Uhr
@ SOLBAKKEN

Ein Arbeitsplatz im Schiffbau sichert mehr als fünf Arbeitsplätze im Hinterland - und alle sind produktiv (wertschöpfend) und überwiegend sozialversicherungspflichtig.

Werfthilfen - im eigenen Land - sind die beste und kostengünstigste Ankurbelung der Wirtschaft. Aber die dummen FDPler verstehen nun mal nichts von Realwirtschaft.

Hilfen müssen natürlich so gestaltet sein, daß nicht andere Staaten von unseren Steuergeldern profitieren, sowie beim EEG. Das ist Steuerverschwendung bei uns und Förderung pur für China oder Dänemark.

15. | Jøran-Njål Solbakken | 17.11.2012 | 18:00 Uhr
Alles kein Problem

Die Reedereien bekommen in den Ländern, unter dessen Flagge die Schiffe fahren,
sicherlich problemlos und schnell Kredite. Warum soll daher der deutsche Steuerzahler für ausländische Schiffe aufkommen? Obwohl ich wirklch kein Freund von Rösler bin, halte ich seine Ablehung für richtig.

16. | Hans Stein | 16.11.2012 | 22:10 Uhr
DR. JUERGEN SOECHTIG 16.11.2012 21:31 - Rassistisch?

Nein, das ist nicht rassistisch, das sehe ich genau so!

17. | Dr. Juergen Soechtig | 16.11.2012 | 21:31 Uhr
Muß ich dies verstehen...

.
Für Südeuropa können es nicht genug Milliarden sein. Für die eigenen Leute bleibt wie immer nichts übrig. Wurde diese "Regierung" von uns gewählt oder von den Griechen?

ACHTUNG "roter Baron" von der Redaktion: ist dies rassistisch?

18. | Frank W. | 16.11.2012 | 20:54 Uhr
Die hat er von zu Hause

In Vietnam liegen davon massenhaft am Strassenrand. Er kann also noch viele verteilen solange er im Amt ist.

19. | Albert Anstand | 16.11.2012 | 19:16 Uhr
?

Wer ist Rösler, woher hat der einen Korb?

20. | Hugo T. | 16.11.2012 | 18:12 Uhr
Schmiergeld

Das kommt dabei raus, wenn man die FDP, CSU oder CDU nicht schmiert. Schwarz-Gelbe Mischpoke.

21. | Claus Gottschling | 15.11.2012 | 18:41 Uhr
Kein Geld für Reeder

Es ist ein richtiger Ansatz, den Reedern und Anlegern mehr Eigenverantwortung zu übertragen. Die Reeder zusammn mit den Anlegern haben in den vergangenen Jahren, viel Geld mit ihren Schiffen verdient.
Anleger sahen ihren Schiffsanteilen immer nur den positiven Effekt der Steuerabschreibung. Aber es gilt.:"in Guten wie in Schlechten Tagen" . Das bedeutet, dass in schlechten Tagen die Anleger eigenes Geld in Höhe ihrer Einlagen den Fond einzuzahlen haben um, gemeinsam mit dem Reeder, diese Krise zu beweltigen.

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