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Region Nord

17. April 2014 | 09:11 Uhr

Harrislee - Rockende Oldies lassen es krachen

vom

Broschmann & Finke proben für neues Songdrama "Ewig jung" / Bewegende Szenen aus dem Altenheim und fetzige Musikeinlagen

Flensburg/tarp | Der Pianist kauert über dem Klavier und spielt Dave Brubecks "Take Five", immer wieder das berühmte Anfangsriff. Es dauert, bis sich der Alt-Hippie mit der zauseligen Matte und dem stierenden Blick aus seinem Sessel aufgerappelt und sich so gut es geht aufgestellt hat. Dann jedoch - man glaubt es kaum - singt er "Roxanne" über die jazzigen Piano-Linien, und dabei schüttelt es ihn vom Strohhut bis in die Zehenspitzen. Wir sind im Jahr 2050 in einer Seniorenresidenz, die in einem stillgelegten Theater eingerichtet wurde. Ehemalige Schauspieler leben hier, durchweg klapprig, teilweise senil - aber im Herzen sind sie alle Rocker.

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Das neue Bühnenstück der Broschmann & Finke Company setzt voll und ganz auf die emotionale Wirkung von Musik und den Kontrast zwischen vitalen Rocksongs und ihren hinfälligen Interpreten. Die sechs Senioren - zwei Frauen, vier Männer - leiden unter der tyrannischen Betreuung Schwester Lenas, die mit ihren schwachsinnig-infantile Liedchen den alten Herrschaften mächtig auf den Geist geht. Doch wenn sie erstmal aus dem Raum ist, stoppt Herr Sievertsen am Piano sofort das lockere Geklimper und haut rockige Akkorde in die Tasten. Und alle gehen mit, wippen mit, singen mit, zum Beispiel "I love Rock’n’Roll" von Joan Jett & The Blackhearts; die leicht übertakelte Frau Dorsch-Persch klettert mühsam auf den Sessel, und den Hippie, Herrn Christophersen, reißt es gar zu Boden.

Die BroFi-Truppe probt "Ewig jung" von Erik Gedeon derzeit in einer Tarper Industriehalle. Michael Wempner und Dirk Magnussen, BroFi-Gründer und hier sowohl Akteure als auch Regisseure, müssen die Balance finden zwischen den Leiden und Gebrechen des Alters, die durchaus nicht ausgeblendet werden, und der Vitalität und Lebensfreude der Rocksongs samt den verbliebenden Resten prickelnder Erotik.

Alle Akteure sind erstaunlich gut bei Stimme - allerdings ragt Lena Mahrt, die böse Pflegeschwester, heraus. Ihr nur zum Klavier und ohne Verstärkung gesungenes "For ever jung" - von "Alphaville", nicht von Bob Dylan - geht durch Mark und Bein direkt ins Herz. Dort landet auch die sehr einfühlsam im Duett gesungene Version von "So bist du" - Peter Maffay wäre sicher zu Tränen gerührt! Bei knapp 90-Jährigen bekommt die Zeile "Und wenn du stirbst dann stirbt nur ein Teil von dir" plötzlich eine ganz unmittelbare Bedeutung.

In dem Stück heißen die Figuren wie die Schauspieler; dadurch entsteht ein Stück Authentizität. In 38 Jahren könnten sie tatsächlich in dieser oder ähnlicher Weise auf ihr Leben zurück blicken und sich an den alten Songs aufrichten. Das Lebensgefühl der Generation 80+ transportieren alle Akteure jedenfalls schon heute ziemlich gut.

Premiere für "Ewig jung" ist am 20. April im Bürgerhaus Harrislee; sie ist bereits ausverkauft. Weitere Vorstellungen sind am 21. April, am 26. und 27. Mai sowie am 6. und 10. Juni, immer um 19.30 Uhr im Bürgerhaus. Tickets gibt es bei Bücher Rüffer am Holm und bei Hilary, Musbeker Weg 1 in Harrislee.

von Joachim Pohl
erstellt am 07.Apr.2012 | 06:55 Uhr

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