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Region Nord

25. Oktober 2014 | 01:06 Uhr

60 Jahre Akademie Sankelmark : Das Flaggschiff der Grenzregion

vom

Die Akademie Sankelmark blickt auf eine 60-jährige Geschichte voller Höhen und Tiefen zurück

Sankelmark | "Die Grenz-Akademie soll in freier geistiger, politischer und kultureller Auseinandersetzung dazu beitragen, die schleswigsche Grenzfrage einer friedlichen und gerechten Lösung zuzuführen und soll darüber hinaus die Brücke sein zu einer engen Verständigung der Völker. Möge immer der Geist der Wahrheit und der politischen Lauterkeit in diesem Hause walten und das Werk dadurch gerechtfertigt werden." So steht es in der Gründungsurkunde der Akademie Sankelmark geschrieben, die vor nunmehr 60 Jahren ihre Arbeit aufnahm.

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Die herrlich in einem Waldstück gelegene Institution des Deutschen Grenzvereins ist, wie Akademiedirektor Dr. Christian Pletzing resümiert, der in diesem geschichtsträchtigen Papier formulierten Intentionen gerecht geworden.

Während sich heute im Akademiezentrum Sankelmark, zu dem inzwischen auch die Europäische Akademie und die Academia Baltica gehören, Deutsche, Dänen und ihre europäischen Nachbarn zum Gespräch und freundschaftlichen Gedankenaustausch begegnen, hatten im Vorfeld der Gründung Auseinandersetzungen um das Gelände am Sankelmarker See Deutsche und Dänen entzweit.

Tricksen ums Grundstück

Ideengeber und Motor eines deutschen Akademie-Projekts in Sankelmark war Friedrich Wilhelm Lübke, seinerzeit Landrat und Grenzvereins-Vorsitzender in Personalunion und später Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein. Als Landrat verhinderte er Pläne der dänischen Minderheit, am Sankelmarker See eine eigene Volkshochschule aufzubauen. Der dänische Schulverein hatte sich bereits ein zwei Hektar großes Grundstück vertraglich gesichert und das Bauvorhaben in Kiel ministeriell absegnen lassen. Doch Landrat Lübke weigerte sich, den Bauantrag zu unterzeichnen. Zudem beschloss der Kreistag Flensburg-Land, das gesamte Gebiet um den Sankelmarker See unter Naturschutz zu stellen mit dem Ziel, jegliche Neubauten zu verhindern. Der dänischen Minderheit wurde nahe gelegt, an einem anderen Standort im Landesteil eine Højskole zu errichten. Sie entschied sich für Jarplund.

In einer öffentlichen Wahlkampfrede benannte Lübke deutlich die Motive seines Handelns: "Ich möchte mich offen dazu bekennen, dass wir keine dänische Volkshochschule am Sankelmarker See wollen, denn dort ist der Platz für die deutsche Volkshochschule vorgesehen, und deshalb habe ich nein gesagt, trotz der Genehmigung durch die Landesregierung, trotz der wohlwollenden Haltung der Militärregierung zu den dänischen Plänen." Das Gelände an diesem See sei "für uns" historischer Boden, meinte er mit Blick auf die kriegerischen Auseinandersetzungen 1864 in dieser Region.

Naturschutz hin - Naturschutz her: Der Deutsche Grenzverein baute auf historischem Grund am Sankelmarker See. Nach den Entwürfen von Dr. Wilhelm Vaupel, Regierungsbaurat im Landesbauamt Flensburg, entstand dort etwa innerhalb eines Jahres der Gebäudekomplex. Die Gesamtkosten einschließlich Grundstückerwerb und Wegebaukosten lagen bei rund 900 000 Mark. Land und Bund beteiligten sich mit erheblichen Zuschüssen. Lübke gelang es zudem, Spenden in namhafter Höhe einzuwerben.

"Grenzakademie"

Für Diskussionsstoff sorgte die Namensgebung. Diskutiert, aber bald wieder verworfen wurde der Vorschlag, das Haus nach Bundeskanzler Konrad Adenauer zu benennen. Die sozialdemokratische Volkszeitung überschrieb einen Leitartikel mit der provokanten Frage "Sankel-Mark gleich Adenauer-Mark?" Auch "Schleswig-Holsteinische Akademie" war im Gespräch. Schließlich setzte sich der Name "Grenzakademie" durch. Gut 20 Jahre später, 1973, nach dem EG-Beitritt Dänemarks, wurde die Vorsilbe "Grenz" aus dem Namen gestrichen.

Die Liste der illustren Gäste, die zur Einweihungsfeier am Sonntag, 29. Juni 1952 nach Sankelmark gekommen waren, liest sich wie ein Who’s who der politischen und gesellschaftlichen Klasse in Schleswig-Holstein. Adenauer, der das Sankelmark-Vorhaben mit Wohlwollen begleitete, ließ sich durch seinen Staatssekretär und engen Vertrauten Otto Lenz vertreten, der die Hoffnung aussprach, dass in Sankelmark eine Stätte der Begegnung entstehe. Friedrich Wilhelm Lübke, inzwischen Regierungschef in Kiel, unterstrich, dass die Arbeit der Bildungsstätte im Dienst des Brückenbaus im deutsch-dänischen Grenzland stehe.

Akademieleiter Martens folgten in der 60-jährigen Geschichte sieben Direktoren: Dr. Franz Schriewer (1952-1954), Dr. Heinz Dähnhardt (1954-1968), Joachim Oertel (1968-1991), Dr. Gerhard Jastram (1991-1998), Dr. Rainer Pelka (1998-2010), Dr. Stefan Vöhringer (2010-2011) und Dr. Christian Pletzing (seit 2011).

Existenzkrise

Die Akademie startete 1952 mit komfortablen Rahmenbedingungen - einer staatlichen Vollfinanzierung. Im Laufe der Jahrzehnte fuhr die öffentliche Hand ihre Zuschüsse zurück. In der zweiten Hälfte der 1990-er Jahre führte diese Entwicklung zu einer ernsthaften Existenzkrise des Grenzvereins und seines "Flaggschiffes" Sankelmark. "Nach großen Turbulenzen gelang es dem Grenzverein, wieder ruhigeres Fahrwasser zu erreichen", erinnert sich Dr. Henning Bachmann, seinerzeit Geschäftsführer des Deutschen Grenzvereins. "Die Akademie - mit ihren Mitarbeitern, ihren Trägern und ihren Freunden - blickt wieder selbstbewusst und neugierig in die Zukunft."

Optimismus

Auch wenn die öffentliche Förderung auf 15 Prozent des Jahresbudgets zurückgegangen ist, teilt der heutige Leiter Pletzing diese optimistische Einschätzung und verweist aktuell auf eine positive Entwicklung der Besucherzahlen. Mit der Integration der Academia Baltica 2011 sei zudem das europäische Profil Sankelmarks deutlich gestärkt worden. Hinsichtlich des Sankelmark-Jubiläums zog Pletzing eine respektable Bilanz: In den bisherigen 60 Jahren ihres Bestehens habe die Akademie rund 5000 Tagungen und Seminare veranstaltet und etwa eine halbe Million Besucher verzeichnet, darunter viele Gäste, die von weither anreisen - aus allen Teilen Deutschlands und den Nachbarstaaten, vor allem aus Skandinavien und Osteuropa. So kann laut Pletzing das Akademiezentrum heute für sich reklamieren, tatsächlich jene "Brücke zu einer echten Verständigung der Völker" geworden zu sein. Sankelmark sei im Laufe der 60 Jahre zu einer festen, anerkannten Größe in der politischen und kulturellen Bildung geworden.

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erstellt am 21.Jun.2012 | 06:44 Uhr

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