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Politik

27. November 2014 | 16:53 Uhr

Kritik in Interview : Kubicki löst Führungsdebatte in der FDP aus

vom

Wolfgang Kubicki schießt gegen Parteichef Philipp Rösler: Er sieht in Christian Lindner den kommenden Mann - und plädiert für eine Ampelkoalition. Zudem will er selbst nach Berlin.

Kiel/Berlin | Eine Legislaturperiode im Landtag hatte er sich noch vorgenommen. 2017 sollte Schluss sein mit der Politik. Nun kommt wohl doch alles anders als geplant. Zur Bundestagswahl im kommenden Jahr steuert Wolfgang Kubicki die Spitzenkandidatur in Schleswig-Holstein an.
Noch denkt der liberale Stratege lediglich "ernsthaft" über einen möglichen Wechsel von der Förde an die Spree nach. Viel spreche aber dafür, sagte der 60-Jährige den Lübecker Nachrichten. Wer den leidenschaftlichen Liberalen Kubicki und seine Landespartei im Norden kennt, der weiß, dass die Entscheidung intern längst gefallen ist. Wenn Kubicki es will, wird ihm seine Partei den roten Teppich für eine Spitzenkandidatur ausrollen.
Zweifel am Wahlerfolg in Niedersachsen
Per Interview vom Urlaubsort Mallorca aus grätschte der zungenfertige Diplom-Volkswirt und Top-Jurist zudem mal wieder mächtig in die politische Ferienruhe der Liberalen hinein. Da mischte sich Kritik an der Parteiführung im Bund mit Zweifeln am Wahlerfolg in Niedersachsen. Obendrauf setzte Kubicki Gedankenspiele über Koalitionsoptionen der FDP jenseits eines Bündnisses mit den Unionsparteien.
Kubicki weiß nur zu gut, dass sein Gewicht in der Partei seit dem überraschenden Erfolg bei der schleswig-holsteinischen Landtagswahl im Mai gewachsen ist. Gegen den Bundestrend, der seit über einem Jahr das parlamentarische Aus für die FDP signalisierte, führte Kubicki die Liberalen mit 8,2 Prozent wieder zurück in den Landtag. Mindestens die Hälfte der Stimmen, die die Nord-FDP damals holte, hatten Wahlforscher analysiert, gehe allein das Konto des schillernden Spitzenkandidaten. Das war Kubicki, der zu den wenigen Landespolitikern gehört, dessen Stimme auch im Bund Gehör findet. Nicht nur in Kiel haben die Liberalen ihn dafür gefeiert.
Kubicki hat bereits Bundestags-Erfahrung
Ganz neu wäre der Weg nach Berlin für den Hobby-Golfer nicht. Schon zweimal saß Kubicki im Bundestag: Von 1990 bis 1992 und 2002 für ein paar Wochen. Danach wechselte der Freidemokrat zurück in den Landtag. Und wäre die jüngste Wahlperiode in Schleswig-Holstein nicht vorzeitig vom Landesverfassungsgericht beendet worden, Kubicki hätte seine politische Karriere 2014 "definitiv" beendet - er hatte es seiner Frau Anette versprochen.
Seit mehr als zwei Jahrzehnten steht Kubicki auf der politischen Bühne. 1989 übernahm er den Landesvorsitz, nur ein Jahr später strauchelte der Liberale, der immer wieder Antreiber, Motivator und Vordenker der Partei gewesen war. Im Landtag gehört er zu den hellsten Köpfen. Mit seiner Anwaltskanzlei, die immer wieder in bedeutsamen Verfahren auftrat, bewahrte er sich seine ökonomische wie intellektuelle Unabhängigkeit, mit der er ein ums andere Mal auch in die Rolle des Störenfrieds gehen konnte.
Politischer Pyromane
Das Echo auf seine jüngsten Interview-Äußerungen wird ihn nicht überrascht haben. Im Stern rühmt er Nordrhein-Westfalens FDP-Chef Christian Lindner als "geborenen neuen Bundesvorsitzenden" - ein kaum verdeckter Angriff auf Parteichef Philipp Rösler. Für die Zeit nach der Bundestagswahl verlangt Kubicki eine Öffnung für eine sozialliberale Koalition oder ein Ampelbündnis. "Mit Peer Steinbrück als Kanzler könnte ich mir ein Ampelbündnis sofort vorstellen." Und mit dem Blick auf die Niedersachsen-Wahl im nächsten Januar äußert Kubicki Zweifel am Erfolg der FDP.
Einen "politischen Pyromanen" nannte ihn daraufhin Niedersachsens Landeschef Stefan Birkner. Und FDP-Generalsekretär Patrick Döring keilte zurück, es nutze wenig, wenn Kubicki jetzt seinem Spieltrieb nachgebe.
Den Mallorca-Urlauber wird das kalt lassen. Seine Partei trägt ihn und selbst aus anderen Landesverbänden soll es schon Bittschriften geben, Kubicki solle sich im Bund stärker einmischen. Nach der Sommerpause will die Nord-FDP Klarheit schaffen.

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erstellt am 03.Aug.2012 | 09:07 Uhr

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