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Politik

28. Juli 2014 | 16:22 Uhr

Kritik in Interview : Kubicki löst Führungsdebatte in der FDP aus

vom

Wolfgang Kubicki schießt gegen Parteichef Philipp Rösler: Er sieht in Christian Lindner den kommenden Mann - und plädiert für eine Ampelkoalition. Zudem will er selbst nach Berlin.

Kiel/Berlin | Eine Legislaturperiode im Landtag hatte er sich noch vorgenommen. 2017 sollte Schluss sein mit der Politik. Nun kommt wohl doch alles anders als geplant. Zur Bundestagswahl im kommenden Jahr steuert Wolfgang Kubicki die Spitzenkandidatur in Schleswig-Holstein an.
Noch denkt der liberale Stratege lediglich "ernsthaft" über einen möglichen Wechsel von der Förde an die Spree nach. Viel spreche aber dafür, sagte der 60-Jährige den Lübecker Nachrichten. Wer den leidenschaftlichen Liberalen Kubicki und seine Landespartei im Norden kennt, der weiß, dass die Entscheidung intern längst gefallen ist. Wenn Kubicki es will, wird ihm seine Partei den roten Teppich für eine Spitzenkandidatur ausrollen.
Zweifel am Wahlerfolg in Niedersachsen
Per Interview vom Urlaubsort Mallorca aus grätschte der zungenfertige Diplom-Volkswirt und Top-Jurist zudem mal wieder mächtig in die politische Ferienruhe der Liberalen hinein. Da mischte sich Kritik an der Parteiführung im Bund mit Zweifeln am Wahlerfolg in Niedersachsen. Obendrauf setzte Kubicki Gedankenspiele über Koalitionsoptionen der FDP jenseits eines Bündnisses mit den Unionsparteien.
Kubicki weiß nur zu gut, dass sein Gewicht in der Partei seit dem überraschenden Erfolg bei der schleswig-holsteinischen Landtagswahl im Mai gewachsen ist. Gegen den Bundestrend, der seit über einem Jahr das parlamentarische Aus für die FDP signalisierte, führte Kubicki die Liberalen mit 8,2 Prozent wieder zurück in den Landtag. Mindestens die Hälfte der Stimmen, die die Nord-FDP damals holte, hatten Wahlforscher analysiert, gehe allein das Konto des schillernden Spitzenkandidaten. Das war Kubicki, der zu den wenigen Landespolitikern gehört, dessen Stimme auch im Bund Gehör findet. Nicht nur in Kiel haben die Liberalen ihn dafür gefeiert.
Kubicki hat bereits Bundestags-Erfahrung
Ganz neu wäre der Weg nach Berlin für den Hobby-Golfer nicht. Schon zweimal saß Kubicki im Bundestag: Von 1990 bis 1992 und 2002 für ein paar Wochen. Danach wechselte der Freidemokrat zurück in den Landtag. Und wäre die jüngste Wahlperiode in Schleswig-Holstein nicht vorzeitig vom Landesverfassungsgericht beendet worden, Kubicki hätte seine politische Karriere 2014 "definitiv" beendet - er hatte es seiner Frau Anette versprochen.
Seit mehr als zwei Jahrzehnten steht Kubicki auf der politischen Bühne. 1989 übernahm er den Landesvorsitz, nur ein Jahr später strauchelte der Liberale, der immer wieder Antreiber, Motivator und Vordenker der Partei gewesen war. Im Landtag gehört er zu den hellsten Köpfen. Mit seiner Anwaltskanzlei, die immer wieder in bedeutsamen Verfahren auftrat, bewahrte er sich seine ökonomische wie intellektuelle Unabhängigkeit, mit der er ein ums andere Mal auch in die Rolle des Störenfrieds gehen konnte.
Politischer Pyromane
Das Echo auf seine jüngsten Interview-Äußerungen wird ihn nicht überrascht haben. Im Stern rühmt er Nordrhein-Westfalens FDP-Chef Christian Lindner als "geborenen neuen Bundesvorsitzenden" - ein kaum verdeckter Angriff auf Parteichef Philipp Rösler. Für die Zeit nach der Bundestagswahl verlangt Kubicki eine Öffnung für eine sozialliberale Koalition oder ein Ampelbündnis. "Mit Peer Steinbrück als Kanzler könnte ich mir ein Ampelbündnis sofort vorstellen." Und mit dem Blick auf die Niedersachsen-Wahl im nächsten Januar äußert Kubicki Zweifel am Erfolg der FDP.
Einen "politischen Pyromanen" nannte ihn daraufhin Niedersachsens Landeschef Stefan Birkner. Und FDP-Generalsekretär Patrick Döring keilte zurück, es nutze wenig, wenn Kubicki jetzt seinem Spieltrieb nachgebe.
Den Mallorca-Urlauber wird das kalt lassen. Seine Partei trägt ihn und selbst aus anderen Landesverbänden soll es schon Bittschriften geben, Kubicki solle sich im Bund stärker einmischen. Nach der Sommerpause will die Nord-FDP Klarheit schaffen.

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von Peter Höver
erstellt am 03.Aug.2012 | 09:07 Uhr

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01. | Udo Damerau | 03.08.2012 | 08:26 Uhr
Korrektur zu UDO DAMERAU 02.08.2012 18:50

Die Tagung fand bereits am 30. Juni statt - der Bericht erschien im Juli.

02. | Udo Damerau | 02.08.2012 | 18:50 Uhr
"...dessen Stimme auch im Bund Gehör findet..."

Ich weiß ja nicht, ob er Anfang Juli in Dresden war

http://fdp-sachsen.de/online/fdp/fdp.nsf/News.xsp?id=721E0787CAD6FD73C1257A2F0032C486

aber wenn er sich deren Zielsetzung: "Die erste Partei, die das macht, wird erfolgreich sein." zu eigen machen sollte, hat er meine Stimme.

Da hilft nun nichts - entweder den Link nehmen oder bleiben lassen.
Mojn, MICHAEL MÜLLER.

03. | Kay Jürgensen | 02.08.2012 | 18:47 Uhr
@ OLI HANSEN

Der Vater von Daniel Bahr ist nicht Egon Bahr, der würde darüber erschütternd lachen, der Vater war Dozent an der Polizeihochschule Münster. Quelle: wikipedia

04. | oli hansen | 02.08.2012 | 18:15 Uhr
neoliberaler klüngel der unsympathisch bleibt trotz angeblich hochgelobter kompetenz

waqs haben rösler, lindner oder kubicki gemein? sie sind menschlich gesehen versnobt, arrogant und weltentrückt!! unsympathisch eben, frech, aber hauptsache:"Top-Juristen und Volkswirte und Augenärzte." Daniel Bahr der Sohn von Egon Bahr. Vetternwirtschaft und VitaminB wo man geht und steht! Man kann formell soviel draufhaben wie man will, wenn man menschlich nicht an die menschen gelangt, die man für sich gewinnen möchte, wird man ewiglich bei 3-4% dümpeln. neoliberale gesundheitspolitik im sinne der konzerne betreibt und menschlich wie politisch doch nur profillos bleibt...

05. | Joerg Beckmann | 02.08.2012 | 17:50 Uhr
Bravo Kubicki!

Welch ein Glück, dass es diesen immer so nett vorlauten Kubicki gibt. Nicht nur ein Glück für die Politik allgemein, sondern ganz besonders für die FDP. Dass müsste sich jeder politische liberale Fahrensmann nun endlich deutlich machen: Miit diesem ebenso unbedarft wie ansonsten immer nett wirkenden Rösler ist kein FDP-Staat zu machen. Dieser Rösler ist eine solche Fehlbesetzung, dass nicht mal der politische Gegner daran Freude haben kann. Nein, Kubicki hat total recht: Lindner muss ran. Und Kubicki hat auch recht, wenn er für eine mögliche Lösung der babylonischen Gefangenschaft seiner Partei von der CDU eintrittt. Gegenwärtig ist die einst so ruhmreiche FDP zu einem unglücklichen Anhängsel der CDU verkommen...eine Kubicki-Lindner -FDP könnte auch wieder für Wähler aus anderen Lagern wählbar sein....und damit endlich wieder eine Zukunft haben: mit Rösler und Co allerdings ist die FDP immer mehr zu einer Lachnummer verkommen.

06. | Kay Jürgensen | 02.08.2012 | 13:13 Uhr
Racheakt

Der FDP geht es genau so wie der SPD in der Großen Koalition, sie ist als Junior- Partner im Schlepptau der CDU dem Untergang geweiht, Vorhersagen dümpeln weiterhin bei um die 5 %, alles nicht sicher. Kubicki hat das erkannt, Rösler nicht, deswegen macht er den beinharten und brutalen Schwenk in Richtung Ampel- Koalition. Das war vorhersehbar und wurde hier auch schon angenommen.

Wieder einmal eine weitere Zerreißprobe in der FDP, interessant zu beobachten ob man es schafft oder auch nicht. Man sprang als Tiger der ewig bedröhnten Steuersenkungspartei, Klientel- Hotelsteuersenkung gelungen, und landete als Bettvorleger vor Schäuble. Um Glaubwürdigkeit wiederherzustellen braucht man endlich innenpolitische Erfolge und wenn es nur das Getöse um einen Richtungswechsel ist.

07. | Steuer Zahler | 02.08.2012 | 09:21 Uhr
...... Kubicki ........Wichtigtuer, Rattenfänger von S.H. mal wieder ....

Herr Kubicki hat Herrn Rößler mitgewählt, wird ihn auch mit abwählen.
Herr K. wirft im Landtagswahlkampf das eigene Parteiprogramm beiseite, will Gutverdiener mehr besteuern und einige fallen auf ihn wieder einmal herein und wählen ihn. Ich freue mich immer wieder über diese kranken Strukturen, dann haben alle was zu schreiben und zu lachen!
Ein möglicher Kanzler Steinbrück wird sich sicher keinen Kubicki als Finanzminister
holen. Es ist gut zu wissen, dass wir eine Auswahl an anderen guten Parteien zum Wählen haben. Die Zeit der Umfaller, möchtegerne Politiker kann deshalb getrost der Vergangenheit angehören. Die FDP darf und kann man nicht ernst nehmen, deshalb Pause machen und sich regenerieren. Kubicki sabbelt nur,
Brüderle ist eine Plaudertasche, also es sind für einen Neuanfang Auslaufmodelle !!

08. | Sarah W. | 01.08.2012 | 16:03 Uhr
W. Kubicki

Wolfgang Kubicki versucht, zu retten was noch in der FDP zu retten ist. Und - obwohl ich kein Freund der FDP bin - dafür meinen Respekt.
Herr Kubicki ist zudem auch kein Polit-Karriere-Streber, denn dann hätte er sich schon längst vor Jahren für Berlin bewerben können oder ein Ministeramt in SH beanspruchen können. Er ist einfach ein Polit-Profi, der nicht loslassen kann - die FDP ist seine Heimat. Und diese möchte er nicht gerne verlieren. Zusammen mit der SPD und den Grünen in Berlin werden sich die Inhalte der bisherigen FDP aber um mindestens 120 Grad drehen müssen. Die Mitglieder dieser Partei werden sich hierüber Gedanken (und auch konstruktive Vorschläge) machen müssen.

09. | Karl-Heinz Lenz | 01.08.2012 | 15:31 Uhr
Personaldebatte

Statt einer Personaldebatte würde ich mir vernünftige Entscheidungen wünschen. Warum wird nicht die bürokratische und dumme KFZ-Steuer abgeschafft. Durch die steigenden Spritpreise würde dies sofort kompensiert. Kalle von kalleskoppel.de

10. | Jan Brunshaupt | 01.08.2012 | 15:23 Uhr
Keine glattgebügelten Politiker mehr!

Personen wie Gauck, Kubicki, Helmut Schmidt, Steinbrück, Fischer, Brandt sind sehr unterschiedlich, aber sie haben eines gemeinsam: es handelt sich um Köpfe mit eigener Meinung, um anfassbare Menschen mit Fehlern und nicht um glattgebügelte Karrieristen, die eine Ochsentour hinter sich haben. Deswegen gilt auch Franz-Josef Strauß, den ich wegen zu großer persönlicher Fehler nicht in diese Liste aufgenommen habe, immer noch als bayrischer Übervater und Urheber des Wirtschaftswunders 'Notebook und Lederhose'.
Ganz egal, wie dieser Machtkampf aussieht: alle Parteien müssen verstehen, dass sie mit grauen Bürokraten und Fraktionsdisziplin nicht weiterkommen. Man benötigt besonnene Menschen mit Lebenserfahrung und eigenem Kopf.
Ein Hinweis in Richtung Piraten: wer die Basis über alles abstimmen lässt, erhält immer nur die Meinung des Mainstreams. Das erzeugt Durchschnitt und niemals neue Ideen oder Fortschritt. Man muss Neues wagen, auch wenn es noch nicht emhrheitsfähig ist.

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