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Panorama

01. November 2014 | 06:58 Uhr

BUND beklagt Tatenlosigkeit : Zu viel Nitrat im Grundwasser

vom

Das Grundwasser enthält zu viel Nitrat. Dies belegen Analysen des Kieler Umweltministeriums. Umweltschützer beklagen, dass zu wenig gegen die Gesundheitsgefahr getan wird.

Kiel | Ein Problem von einiger Brisanz, denn bis 2015 muss die schleswig-holsteinische Regierung die von der europäischen Wasserrahmen- richtlinie geforderten Ziele zur "Schaffung eines guten ökologischen und chemischen Zustandes von Gewässern" erreichen. Das jedoch erscheint praktisch unmöglich. Unter 450.000 Hektar der Landesfläche liege die Konzentration von Nitrat im Grundwasser über dem Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter, sagt Dorit Kuhnt, Referatsleiterin Grundwasser des Kieler Umweltministeriums. Das entspreche etwa der Hälfte der Vorkommen. Eine erhöhte Aufnahme von Nitrat über belastetes Trinkwasser gilt als gesundheitsschädlich.
"Das Problem ist seit langer Zeit bekannt, aber es tut einfach niemand etwas, dieses Riesenthema wird immer weiter nach hinten geschoben", sagt Ina Walenda, Landesgeschäftsführerin des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Schleswig-Holstein sei laut Studien zusammen mit Niedersachsen beim Nitrat im Grundwasser bundesweit das Schlusslicht. Der Grund liege in der kontinuierlichen Überdüngung landwirtschaftlich genutzter Flächen. "Die Düngemittelverordnung erlaubt einen Nährstoffüberschuss von 60 Kilogramm Nitrat pro Hektar im Jahr", so Walenda. So viel mehr werde dem Boden zugeführt, als durch die Ernte entnommen. "Wir wissen aber, dass die Bauern diese Verordnung nicht einhalten und etwa 80 bis 100 Kilogramm aufbringen, jedes Gleichgewicht geht dabei verloren." Das überschüssige Nitrat werde bei Nichtaufnahme durch die Pflanzen über den Regen in den Boden gespült und lande irgendwann zwangsläufig im Grundwasser. "Es braucht deshalb dringend flächendeckende Maßnahmen gegen diese Überdüngung." Die Wasserrahmenrichtlinie sei im Jahr 2000 festgelegt worden. "Hätte man schon damals angefangen, etwas zu unternehmen, wäre der Grenzwert bis 2015 zu schaffen gewesen", so Walenda. "Bislang hat sich die Tätigkeit der Regierung aber nur in einer unverbindlichen Beratung der Landwirte erschöpft."
Man sei mit dem Landwirtschaftsministerium auf freiwilliger Basis das Problem angegangen, sagt Klaus Dahmke, Pressesprecher des Landesbauernverbands. "Die Bauern haben in den letzten Jahren trotz steigender Erträge die Menge an Nitrat zurückgefahren."
Dem Kieler Toxikologen Hermann Kruse ist selbst der Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter noch zu hoch - er fordert eine Halbierung.

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erstellt am 23.Jul.2012 | 08:59 Uhr

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