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Panorama

21. April 2014 | 14:23 Uhr

BUND beklagt Tatenlosigkeit - Zu viel Nitrat im Grundwasser

vom

Das Grundwasser enthält zu viel Nitrat. Dies belegen Analysen des Kieler Umweltministeriums. Umweltschützer beklagen, dass zu wenig gegen die Gesundheitsgefahr getan wird.

Kiel | Ein Problem von einiger Brisanz, denn bis 2015 muss die schleswig-holsteinische Regierung die von der europäischen Wasserrahmen- richtlinie geforderten Ziele zur "Schaffung eines guten ökologischen und chemischen Zustandes von Gewässern" erreichen. Das jedoch erscheint praktisch unmöglich. Unter 450.000 Hektar der Landesfläche liege die Konzentration von Nitrat im Grundwasser über dem Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter, sagt Dorit Kuhnt, Referatsleiterin Grundwasser des Kieler Umweltministeriums. Das entspreche etwa der Hälfte der Vorkommen. Eine erhöhte Aufnahme von Nitrat über belastetes Trinkwasser gilt als gesundheitsschädlich.
"Das Problem ist seit langer Zeit bekannt, aber es tut einfach niemand etwas, dieses Riesenthema wird immer weiter nach hinten geschoben", sagt Ina Walenda, Landesgeschäftsführerin des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Schleswig-Holstein sei laut Studien zusammen mit Niedersachsen beim Nitrat im Grundwasser bundesweit das Schlusslicht. Der Grund liege in der kontinuierlichen Überdüngung landwirtschaftlich genutzter Flächen. "Die Düngemittelverordnung erlaubt einen Nährstoffüberschuss von 60 Kilogramm Nitrat pro Hektar im Jahr", so Walenda. So viel mehr werde dem Boden zugeführt, als durch die Ernte entnommen. "Wir wissen aber, dass die Bauern diese Verordnung nicht einhalten und etwa 80 bis 100 Kilogramm aufbringen, jedes Gleichgewicht geht dabei verloren." Das überschüssige Nitrat werde bei Nichtaufnahme durch die Pflanzen über den Regen in den Boden gespült und lande irgendwann zwangsläufig im Grundwasser. "Es braucht deshalb dringend flächendeckende Maßnahmen gegen diese Überdüngung." Die Wasserrahmenrichtlinie sei im Jahr 2000 festgelegt worden. "Hätte man schon damals angefangen, etwas zu unternehmen, wäre der Grenzwert bis 2015 zu schaffen gewesen", so Walenda. "Bislang hat sich die Tätigkeit der Regierung aber nur in einer unverbindlichen Beratung der Landwirte erschöpft."
Man sei mit dem Landwirtschaftsministerium auf freiwilliger Basis das Problem angegangen, sagt Klaus Dahmke, Pressesprecher des Landesbauernverbands. "Die Bauern haben in den letzten Jahren trotz steigender Erträge die Menge an Nitrat zurückgefahren."
Dem Kieler Toxikologen Hermann Kruse ist selbst der Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter noch zu hoch - er fordert eine Halbierung.

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von Niko Wasmund
erstellt am 23.Jul.2012 | 08:59 Uhr

Themen zu diesem Artikel:

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01. | Christian Matt | 22.07.2012 | 10:54 Uhr
@B. FEIL

Ich wohne auf dem Geestrücken, unsere zentrale Wasserversorgerung pumpt das Wasser aus einer Tiefe von 120 m, es ist frei von Nitrat, lediglich ein wenig zu viel Mangan. In den Außenbereichen unserer Ortschaft sind noch "Selbstversorger", die ihr Wasser aus Tiefen bis zu 80 m beziehen, die klagen alle über zu hohe Nitratwerte.
@HANS HINRICH HATJE
Sie schreiben von "Teilgaben um Auswaschungen zu verhindern". Fakt ist aber dass man auf den Äckern, wo Mais war und wieder Mais angebaut werden soll Kanu fahren kann.

02. | der Kieler | 22.07.2012 | 10:37 Uhr
Politik muss dringend handeln !!!

Einschränkund der Gülleverklappung nach Menge und Jahreszeit sowie Einschränkung von Wochentagen ( z. Bsp. Verbot 2 Tage vor Sonn- und Feiertagen ).
Der Steuerzahler subventioniert die Landwirtschaft und schwerpunktmäßig die Massentierhaltung - dann kann er / wir den Bauern auch vorschreiben, was sie zu tun haben !!!

03. | B. Feil | 22.07.2012 | 10:22 Uhr
Grundwasser oder Trinkwasser??

Herr Hatje hat die Fakten zutreffend beschrieben - bestimmt ist es falsch, "die Bauern" (Walenda: "Wir wissen aber, dass die Bauern diese Verordnung nicht einhalten") generell für irgendwas verantwortlich zu machen.

Beim Lesen der Artikel zum Thema fiel mir auf, dass "Grundwasser" und "Trinkwasser" beliebig durcheinander gewirbelt werden. Um was geht es denn nun eigentlich?

Der Unterschied ist klar: Grundwasser findet man je nach Jahreszeit schon an der Bodenoberfläche, das Trinkwasser stammt aus einigen hundert Meters Tiefe.

Die genannten Grenzwerte von 50 bzw. 25 mg pro Liter gelten bestimmt für Trinkwasser und nicht für Grundwasser. Nitrat im Grundwasser in vielleicht 2 Metern Tiefe bedeutet noch längst nicht, dass dieses Nitrat auch dort ankommt, wo das Trinkwasser gewonnen wird.

Leider wissen wir nicht, aus welchen Bodentiefen die Nitratwerte stammen. Und zumindest mir ist nicht bekannt, wo eigentlich gemessen wurde und wie die Nitratwerte innerhalb Schleswig-Holsteins verteilt sind. Bedenken möge man auch, dass in seenahen Gebieten das Grundwasser so brackig ist, dass es sowieso nicht trinkbar ist - mit oder ohne Nitrat.

04. | Per Anders | 22.07.2012 | 10:14 Uhr
@ Hans Hinrich Hatje, sehr aussagekräftig Ihre fundierte und sachliche Betrachtung, allerdings....

...sehe ich Gülle nicht als Synonym für eine Massentierhaltung, sondern als immer schlimmer werdenden Zerstörungsfaktor unserer hiesigen Lebensqualität durch absurde Massentierhaltung, die kein Mensch braucht (ausser den subventionsempfangenden Massentierhaltern natürlich) .
Wissen wir Schleswig-Holsteiner Bürger z. B. überhaupt noch was frische Frühlingsluft ist ? Nein, wissen wir nicht, weil es sie wegen des Güllegestanks schlicht und einfach nicht mehr gibt. Mein Heimatort Leck/NF ist monatelang in eine stinkende Güllewolke gehüllt, die durch die umliegenden Güllefabriken verursacht wird. Man genießt jeden der wenigen Tage, an denen es mal nicht nach Gülle stinkt – und es werden Jahr für Jahr weniger Tage!
Dass, was derzeit mit dem Lebensmittel Luft schon Realität ist, wird es sehr bald auch in vielfach schlimmerer Form mit dem Grundwasser sein. Natürlich soll gedüngt werden – aber nach Erfordernissen einer nachhaltigen Landwirtschaft zum Wohl der Menschen.
Die stinkende und m.E. kriminelle Realität ist aber, dass wenige Bewohner unseres Landes die Verklappung ihrer Gifterzeugnisse aus der Massentierhaltung scheinheilig als Düngung kaschieren und damit die Heimat aller anderen Bewohner zerstören. Bester Beleg dafür sind die im Januar immer wieder kehrenden Jammereien der Tierhalter, dass ihre Güllebahälter überlaufen und dringend geleert werden müssen – dass hat wohl nichts mehr mit Düngung zu tun, sondern ist rücksichtslose Verklappung von Giftabfällen, oder irre ich etwa?….

05. | Hans Hinrich Hatje | 21.07.2012 | 20:40 Uhr
Differenzierung nötig

Wir sollten uns hüten, alle Bauern pauschal als Verursacher der Nitratbelastungen im Grundwasser zu verurteilen. Die auf hohe Erträge und hochwertige Produkte ausgerichtete N-Düngung schliesst nicht automatisch eine Belastung der Umwelt durch stärkere Nitratauswaschung mit ein. Verluste am besonders teuren Stickstoff sind auch unökonomisch. Wichtig sind doch die Bodenarten, die besonders von Auswaschungen bedroht sind. Dabei spielt Zeitpunkt und Aufteilung der Düngung eine wesentliche Rolle. Bei speicherfähigen Böden -MIneraldüngung betreffend- wie Lehm bedeuten selbst einmalige, höhere Gaben zum Saat-(bzw. Pflanz-)termin sowie zu Bedarfsspitzen nur eine geringe Auswaschungsgefahr. Bei weniger speicherfähigen Böden (Sand) - wie auf der Geest - sowie bei flachwurzelnden Kulturen (Kopfsalat) ist eine mehrmalige Aufteilung in Teilgaben unerlässlich, damit keine größeren Auswaschungen auftreten. Organische Düngung verlangt zur Verringerung der Mineralisierung im Herbst u. Winter eine besondere Strategie wie Einsatz erst unmittelbar vor Kulturbeginn, dabei Arten mit langer Vegetationszeit bevorzugend; Ernterückstände/Gründüngung möglichst spät einarbeiten; Gülle als Synonym für Massentierhaltung und Überdüngung muss ähnlich wie Mineralstickstoff in ein Gesamtkonzept - dazu gehört auch eine ausreichende Fruchtfolge - eingebunden werden. Im übrigen kann auch der Ökologische Landbau mit dem häufigen Leguminosenanbau zur Nitratbelastung beitragen , als Beispiel der Kleegrasumbruch. Näheres siehe in der entsprechenden Fachliteratur; im allgemeinen sind gewissenhafte Landwirte umsichtig und düngen mit modernen Erkennungs- und Ausbringungsmethoden meist bedarfsgerecht. Aber bei Spinat z.B., der in der Hauptwachstumsphase geerntet wird, ist oft eine hohe N-Belastung kaum vermeidbar.

06. | Per Anders | 21.07.2012 | 20:09 Uhr
Grundwasser ist ein Lebensmittel, also müssen sich die Bauern vorhalten lassen, dass sie Lebensmittel vernichten !

Leider bewahrheitet es sich immer mehr: die Arbeit der Güllemafia ist keine Arbeit mit Leidenschaft, sondern Arbeit die Leiden schafft! Es ist doch absehbar, dass dieser perverse Güllewahnsinn nicht nur die Luftqualität und damit die Lebensqualität nachhaltig zerstört (bestes Negativbeispiel ist der „Luftkurort“ Leck/NF), sondern auch unser Grundwasser vernichtet. … "Die Bauern haben in den letzten Jahren trotz steigender Erträge die Menge an Nitrat zurückgefahren." – und als nächstes erklärt uns der Pressesprecher des Bauernverbandes wahrscheinlich das die Erde doch eine Scheibe ist…

07. | Hans Stein | 21.07.2012 | 20:07 Uhr
Zum Wohle der Bevölkerung?

Wieder einmal zeigt sich, dass die Politiker gegen die Bürger, die sie gewählt haben, entscheiden. Sie fördern die Industrien, die die Bürger krank macht. Die weitaus größeren Schweinereien findet man in der Lebensmittelindustrie, wo immer neue chemische Zusatzstoffe eingebracht werden und ich bin überzeugt, dass da so manche Chemikalie drin ist, die keiner kennt.

Ich kann mir nur vorstellen, dass die Entscheidungsträger gekauft wurden, anders ist das doch wohl kaum noch erklärbar.

08. | Christian Matt | 21.07.2012 | 12:56 Uhr
Amt für Ländliche Räume

Vor 2 Jahren habe ich dort in Kiel mal nachgefragt wann und wieviel Gülle die Bauern überhaupt ausbringen dürfen. Die Antwort lautete: "Die Menge liegt im Ermessen und Eigenverantwortung des Bauern, verboten ist die Ausbringung vom 30.11. - 31.01., ebenso auf gefrorenen und schneebedeckten Böden.
Jeder Bauer weiß also genau was er anbauien will und was er dafür ausbringen darf, jeder Bauer weiß ebenso dass die Menge viel zu viel ist und somit macht sich jeder Bauer strafbar. Es wird Gülle auf das Land gefahren um diese zu entsorgen, nicht aber um effektiv zu düngen.
Absolut lächerlich hier auf freiwilliger Basis eine Änderung zu erreichen.
Anhand der Viehmenge kann man genau die Güllemenge errechnen wenn die Tiere 365 Tage im Stall stehen, wenn sie überhaupt so alt werden und nicht vorher zum Schlachter kommen. Anhand der vorhandenen Ländereien kann man ebenfalls genau errechnen wieviel Gülle max. benötigt wird.
Laut Gülleverordnung muss für mindestens 6 Monate Lagerkapazität vorhanden sein, am 30.11. sind die Behälter dann quasi leer, nach 2 Monaten, also am 01.02. laufen sie schon wieder über.
Aber die Bauern haben eine verdammt gute Lobby die sie bei ihremm kriminellen Treiben unterstützt. Grüne und NABU sind auch nur zahnlose Tiger.

09. | Lost in Glückstadt | 21.07.2012 | 11:13 Uhr
Wie ist das Nitrat ins Grundwasser gekommen?

Verantwortlich hierfür ist die hochsubventioinierte Agroindustrie!

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