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Panorama

19. September 2014 | 13:47 Uhr

Private Krankenversicherung : Wechsel zur gesetzlichen Krankenkasse

vom

Privatpatienten bekommen ein Zweibettzimmer in der Klinik und zügig einen Termin beim Arzt. Doch 155.000 Versicherte können ihre Prämie nicht zahlen. Fragen und Antworten.

Kiel | Rund neun Millionen Deutsche sind privat krankenversichert, darunter viele Beamte und gut verdienende Angestellte. Bislang hatten sie viele Privilegien, auf die sie ungern verzichten wollten: Chefarztbehandlung, Zweibettzimmer, zügige Terminvergabe beim Facharzt. Doch nach den teils drastischen Beitragserhöhungen der vergangenen Jahren wollen viele lieber heute als morgen zurück in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Zur Verunsicherung tragen auch Prognosen bei, wonach ein heute 30-Jähriger bis zum Rentenalter mit einer Verdreifachung der Beiträge rechnen muss. Schon jetzt können 155.000 Bundesbürger ihr monatliche Prämie nicht mehr zahlen.
Warum ist der Wechsel in die GVK so schwer?
Einfach ist es nicht, wieder unter die Fittiche der gesetzlichen Kassen zu schlüpfen. Problemlos ist das nur für Studenten, die nach dem Examen eine Anstellung finden und bei AOK, Barmer & Co. pflichtversichert werden. Auch für Selbstständige, die mit ihrem Geschäft Schiffbruch erleiden und als Angestellte arbeiten, öffnen die Gesetzlichen die Arme.
Für alle anderen hat der Gesetzgeber die Rückkehr in die GKV sehr schwer gemacht. Nicht ohne Grund: Es soll vermieden werden, dass Versicherungsnehmer in jungen Jahren von niedrigen Beitragssätzen der privaten Krankenversicherungen (PKV) profitieren und später, bei schlechterem Gesundheitszustand, auf womöglich preiswertere gesetzliche Krankenkassen (GKV) ausweichen und ihre Familienangehörigen gleich kostenlos mitversichern. Um einen derartigen Missbrauch der Solidargemeinschaft zu vermeiden, hat Ex-Sozialminister Norbert Blüm (CDU), die Parole geprägt: "Einmal privat - immer privat" und zahlreiche regulatorische Hürden für den Wechsel eingezogen.

Wer darf zurück in die Gesetzliche Krankenversicherung?
Nur Angestellte, deren Einkommen für die Dauer von mindestens einem Jahr unter die Versicherungspflichtgrenze gesunken ist, können und müssen zurück in die GKV. Da diese Grenze Jahr für Jahr angehoben wird, kann es bei ausbleibenden Gehaltssteigerungen passieren, dass man wieder versicherungspflichtig wird.
Offenbar nutzen einige Versicherte diese Regelung als Schlupfloch, um wieder in der GKV aufgenommen zu werden. Mit ihrem Arbeitgeber vereinbaren sie, dass ihr Gehalt für ein Jahr unter diese Versicherungspflichtgrenze sinkt und der Verdienstausfall zum Beispiel durch Prämienzahlung kompensiert wird. Aber: Wird diese Manipulation entdeckt, verliert man den Versicherungsschutz
Weniger arbeiten und damit weniger verdienen – hilft das?
Auch so lässt sich die Versicherungspflichtgrenze unterschreiten. Wer aber schon nach wenigen Monaten wieder mehr arbeitet und damit auch mehr verdient, kann nicht ohne Weiteres in der GKV verbleiben. Denn sobald der PKV-Flüchtling die Versicherungspflichtgrenze innerhalb eines Jahres wieder überschreitet, muss er im Folgejahr zurück in die PKV, sofern er nicht mindestens zwölf Monate pflichtversichert in der gesetzlichen Kasse war.

Die Pflege eines Angehörigen - Rückfahrtticket in die GKV?
Ja. Wird nach dem 2012 in Kraft getretenen Familienpflegezeitgesetz vermindert gearbeitet und dadurch die Einkommensgrenze unterschritten, so tritt Versicherungspflicht ein.
Anders liegt der Fall, wenn man als Arbeitnehmer eine unbezahlte Pflegeauszeit nimmt. Dann kann man als Privatversicherter eigentlich nicht in die GKV wechseln. Aber: Ist der Ehegatte gesetzlich versichert, so wird durch diesen eine kostenfreie Mitversicherung bestehen. Und bei mindestens einjähriger Pflegezeit ist dann ein Verbleib in der gesetzlichen Krankenversicherung in jedem Fall möglich; denn auch ein Ausscheiden aus der "Familienversicherung" berechtigt dann zur freiwilligen Weiterversicherung.

Kommt man durch Arbeitslosigkeit zurück in die GKV?
Wer arbeitslos wird und Arbeitslosengeld I bezieht wird Pflichtmitglied in der GKV. Aber auch hier lässt sich die Zwölfmonatsregel nicht umgehen, es sei denn, man verdient im neuen Job weniger und rutscht unter die Versicherungspflichtgrenze. Auf jeden Fall kann man als freiwilliges Mitglied in der GKV bleiben. Bezieher von Arbeitslosengeld II müssen zunächst in der PKV bleiben. Auch für sie gilt: verdienen sie im neuen Job deutlich weniger , ist ein Wechsle möglich

Gibt es Altersgrenzen?
Ja. Wer 55 Jahre oder älter ist, hat kaum eine Chance in die GKV zu kommen. Auch für Rentner bleibt die Tür zur PKV verschlossen.

Wie können Selbstständige in die gesetzliche Kasse kommen?
Die völlige Geschäftsaufgabe ist eine Option, um anschließend von der kostenlosen Familienversicherung des gesetzlich versicherten Ehepartners zu profitieren. Aus diesem Status heraus kann man bei Aufnahme einer neuen Beschäftigung als freiwilliges Mitglied in der GKV bleiben. Singles haben auch diese Möglichkeit nicht. Sie müssen nach der Geschäftsaufgabe eine versicherungspflichtige Tätigkeit aufnehmen, um in die GKV zu kommen.
Zweite Möglichkeit: Die selbstständige Tätigkeit wird derart gedrosselt, dass eine parallel ausgeübte Arbeitnehmer-Beschäftigung überwiegt - die Selbstständigkeit also zum "Nebenjob" wird. Sobald jedoch auch nur ein Arbeitnehmer mit mehr als 450 Euro Monatsverdienst eingestellt wird, ist es damit, so jedenfalls die Auslegung der Krankenkassen, wiederum nicht mehr möglich, der GKV anzugehören.
Gibt es einen richtigen Zeitpunkt für den Wechsel?
Was viele nicht wissen: Wer zu spät zurück in die GKV wechselt, wird als Rentner wieder rausgeschmissen und muss sich privat versichern. Nur wer in der zweiten Hälfte seines Arbeitslebens neun zehntel der Zeit gesetzlich versichert ist, kann als Ruheständler in der günstigen Kasse der Rentner bleiben. Wer also von der PKV in die GKV wechselt, sollte frühzeitig prüfen, ob er diese Kriterien erfüllen kann. Ansonsten raten Experten eine (kostenpflichtige) Anwartschaft in der PKV aufrechtzuerhalten. Andernfalls muss man sich im Alter einer erneuten Gesundheitsprüfung unterziehen und wird zum teuren Tarif neu eingestuft.

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Der Jahresverdienst entscheidet
Versicherungspflichtig in der GKV sind Arbeitnehmer, die 2013 im Schnitt brutto bis zu 4350 Euro pro Monat (2012: 4237,50 Euro) beziehungsweise 52 200 Euro (2012: 50 850 Euro) im Jahr verdienen. Ausnahme: Wer schon Ende 2002 privat versichert war, für den liegt die für die Rückkehr in die GKV entscheidende Versicherungspflichtgrenze bei nur 3937,50 Euro im Monat. Wenn der Verdienst von Arbeitnehmern über die Versicherungspflichtgrenze klettert, können sie sich entweder freiwillig gesetzlich oder privat versichern.

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von
erstellt am 26.Feb.2013 | 08:36 Uhr

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