zur Navigation springen
Anzeige

Anzeige
Anzeige

Panorama

31. Oktober 2014 | 18:06 Uhr

Fünf tote Babys : So kam die Polizei der Mutter auf die Spur

vom

Eine 28-Jährige aus Husum hat die Tötung ihrer fünf Kinder im Zeitraum von 2006 bis heute gestanden. Die akribische Arbeit der Polizei über Jahre hinweg führte schlussendlich zum Erfolg.

Husum | Zwei der fünf toten Geschwister liegen Seite an Seite auf dem Kieler Eichhof-Friedhof, Feld 22. Pastorin Susanne Petersen hatte dort 2006 erst das Mädchen bestattet, ein Jahr später den Bruder. In ihrer Trauerrede sagte sie: "Es wäre ein Leichtes gewesen, die Babys so zu verstecken, dass sie nie gefunden worden wären. Eure Mutter aber wollte, dass ihr gefunden werdet. Vielleicht lag ihr am Segen Gottes."
Nach den Ermittlungen der Polizei steht nun fest: Das war nicht zutreffend, denn drei weitere Neugeborene versteckte die Mutter im Keller, um keine weiteren Spuren zu hinterlassen. Die Ermittlungen hätten einer Suche nach der Nadel im Heuhaufen geglichen, gab Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt zu. Erst die akribische Arbeit der Polizei über die Jahre hinweg habe zum Erfolg geführt.


Wie kamen die Ermittler der Mutter auf die Spur? Nach dem Fund des ersten toten Babys in der Altpapieranlage Ahrenshöft (Kreis Nordfriesland) registrierten Polizisten alle Adressen auf Briefen und Kartons, die sich in der Nähe des Mädchens befanden. Sie waren sich sicher: Die Mülltonne stammt aus dem zu Husum gehörenden Hockensbüll. 239 Papiertonnen auf 234 Grundstücken wurden untersucht - ohne Erfolg. Ein Jahr später entdeckte ein Autofahrer den leblosen Körper eines neugeborenen Jungen in einer Plastiktüte im Graben eines Parkplatzes an der B201 bei Silberstedt (Kreis Schleswig-Flensburg). Seine Beine ragten aus der Tüte, in der auch die Plazenta der Mutter und Bekleidungsstücke von ihr lagen. Letztere deuteten auf eine korpulente Frau hin", so Dirk Czarnetzki, Leiter der Ermittlungen. Aus diesen Erkenntnissen und der geografischen Lage der Fundorte, erstellten die Beamten ein Raster, in das zunächst mehrere tausend Frauen fielen. Mädchen und Junge waren Geschwister, hatten den selben Vater.
Dieses Wissen nutzten die Ermittler zur Verfeinerung der Suche, sprachen mit dem Jugendamt. Nach und nach nahmen sie von mehreren hundert Frauen Speichelproben. Schließlich auch von der 28 Jahre alten Mutter aus Husum, die sich danach stellte und ein Geständnis ablegte. Seit 2005 war die Frau fast jedes Jahr schwanger und tötete ihre Babys. "Es war zu merken, dass der Frau nach der Vernehmung und dem umfassenden Geständnis ein großer Druck von den Schultern genommen war", sagt Czarnetzki. "Auch wenn sie jetzt auf andere Weise damit klarkommen muss."
Für die Ermittler ist der Fahndungserfolg zugleich ein "unglaublich trauriger" Anlass. Dirk Czarnetzki: "So froh wir sind, dass der Fall aufgeklärt ist, so betroffen sind wir auch. Aber wir sind sicher, dass durch die Aufklärung weitere Taten verhindert worden sind."
Anzeige
Anzeige

Chronologie
Wenn eine Mutter ihre Babys tötet, steht oft Überforderung oder eine psychische Krankheit dahinter. Viele Frauen halten die Schwangerschaft geheim oder haben sie verdrängt. Andere haben Angst, den Partner zu verlieren oder fürchten die Kosten. Eine Chronologie dramatischer Fälle.
September 2012: In Großenwiehe (Kreis Schleswig-Flensburg) findet ein Jäger ein totes Baby in einer Gefriertruhe. Der Säugling war bereits seit längerer Zeit tot, die Polizei sucht noch nach der Mutter.
Juli 2012: Nahe Bremen findet die Polizei zwei Babyleichen auf dem Dachboden eines Einfamilienhauses. Die 43 Jahre alte Mutter gesteht, drei Kinder heimlich zur Welt gebracht und nicht versorgt zu haben. Die dritte Babyleiche wird nicht gefunden. Die Frau kommt wegen Totschlagsverdachts in Untersuchungshaft.
April 2012: Drei tote Babys werden bei einer Wohnungsauflösung im Kreis Gießen (Hessen) in Camping-Kühlboxen gefunden. Gegen die Mutter wird ermittelt. Sie behauptet, sie habe die Kinder tot zur Welt gebracht.
März 2012: Eine 33-jährige Mutter aus Villmar (Hessen) wird zu 13 Jahren Haft verurteilt, weil sie ihre drei Babys kurz nach der Geburt erstickt hat. Nach Einschätzung der Richter fühlte sich die Frau überfordert.
März 2007: In einer Kieler Wohnung werden zwei tote Säuglinge in einer Gefriertruhe entdeckt. Der Staatsanwalt ermittelt gegen die Mutter. Sie soll eines der neugeborenen Kinder getötet haben. Das andere Baby war offenbar eine Totgeburt.
April 2006: In Eutin (Kreis Ostholstein) erdrosselt eine 24 Jahre alte Mutter ihr Baby aus Angst, die Lehrstelle zu verlieren. Die Schwangerschaft hatte die Frau vor den Arbeitskollegen und ihrem Freund verheimlicht.
Juli 2005: In einer Garage in Brieskow-Finkenheerd (Brandenburg) werden neun Babyleichen entdeckt. Sie liegen in einem mit Sand gefüllten Aquarium, in Eimern und Blumenkübeln. Die Mutter wird zu 15 Jahren Haft verurteilt.

zur Startseite

von
erstellt am 16.Dez.2012 | 02:51 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige