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Panorama

23. Oktober 2014 | 07:54 Uhr

Amrum : Sebastian erstickte in selbst gebuddeltem Sandloch

vom

Er grub ein tiefes Loch im Sand - und wurde darin verschüttet. Sebastian (10) aus Österreich ist auf Amrum erstickt. Das ergab die Obduktion.

Wittdün | Trauer um den zehnjährigen Sebastian auf Amrum: Donnerstag wurden viele Fahnen auf der Nordseeinsel auf Halbmast gesetzt. Die Unglücksstelle ist zu einer kleinen Gedenkstätte geworden. Familien mit Kindern legten beim "Piratenschiff" rote und gelbe Rosen nieder, mit Kerzen, Blumensträußen und kleinen Briefchen nahmen sie Abschied von dem tödlich verunglückten Schüler aus Österreich. "Ich wünsche mir, dass Sebastian glücklich im Himmel lebt", steht auf einem Zettel, "Sebastian, deine Zeit geht weiter" auf einem anderen.
Sebastian war am Sonntagabend gestorben - nur wenige hundert Meter von dem Ferienhaus entfernt, in dem er mit seinen Eltern und seiner Schwester (12) Urlaub machte. Er hatte am Strand unter der Rutsche des "Piratenschiffs", einem Klettergerüst für Kinder, ein Loch gegraben - das wohl zusammensackte. Das Obduktionsergebnis deute darauf hin, das Sebastian erstickt ist, erklärte Polizeisprecherin Kristin Stielow. Hinweise auf Gewalteinwirkung gebe es nicht. Die Untersuchungen zum genauen Unfallhergang dauerten aber noch an.
Wie buddelte der Junge diesen "Krater"?
Polizisten hatten den toten Jungen am Mittwoch am Strand von Wittdün unter anderthalb Metern Sand gefunden. Die Polizei hatte nach einem Aufruf an die Öffentlichkeit ein Urlauber-Foto erhalten, das den Zehnjährigen genau dort am "Piratenschiff" beim Buddeln zeigt, wo er dann auch gefunden wurde. Ein Augenzeuge berichtet, der Junge habe einen "regelrechten Krater" gebaut. Nun muss geklärt werden, ob Sebastian das tiefe Loch alleine und mit bloßen Händen buddelte. Kripo-Beamte nahmen die niedergelegten Trauerbriefe genau in Augenschein. Suchten sie in einem der Schreiben einen Hinweis, ob Sebastian Hilfe beim Buddeln hatte?
Warum die Polizei nicht sofort am "Piratenschiff" grub, warum Sebastian trotz intensiver Suche erst nach drei Tagen gefunden wurde, erklärt Polizeisprecherin Stielow so: "Es war ein normaler Sandspielplatz mit zahlreichen Löchern, Gräben und Buckeln. Ein weiteres Loch fällt da kaum jemandem auf." Zudem habe es Hinweise gegeben, dass Sebastian und ein anderer Junge in Richtung Wasser gegangen seien. Und als mit einer Hundestaffel gesucht wurde, liefen einige Hunde zielstrebig zum Ende des Kniepsands. Doch die Spur war falsch.
Neben einer Dünenkette gegraben
Auf der Insel rätseln die Menschen nun, wie das Unglück überhaupt passieren konnte. "Wir haben doch alle schon irgendwann einmal Löcher in den Sand gebuddelt, und es ist nix passiert", sagte eine Mutter. Sebastian grub sein Loch unmittelbar neben einer Dünenkette. Dünensand ist aber besonders feinkörnig, hält nicht sehr gut. "Mir ist nicht bekannt, dass je ein Kind beim Sandbuddeln verletzt wurde", sagte Frank Timpe, Leiter der Amrum Touristik. "Die Menschen sind bestürzt und sehr betroffen." Der Fall überschatte derzeit das Leben auf Amrum.
Sebastians Eltern und seine Schwester werden jetzt von einem Psychologen betreut. Die Eltern hatten ihren toten Jungen identifizieren müssen, die Leiche wurde bereits aufs Festland überführt. Das österreichische Honorarkonsulat in Hamburg hat Kontakt zur Familie und unterstützt sie - auch bei Organisation der letzten Reise von Sebastian in die Heimat.

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von
erstellt am 06.Jul.2012 | 02:26 Uhr

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