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Panorama

29. Juli 2014 | 22:52 Uhr

Amrum : Sebastian erstickte in selbst gebuddeltem Sandloch

vom

Er grub ein tiefes Loch im Sand - und wurde darin verschüttet. Sebastian (10) aus Österreich ist auf Amrum erstickt. Das ergab die Obduktion.

Wittdün | Trauer um den zehnjährigen Sebastian auf Amrum: Donnerstag wurden viele Fahnen auf der Nordseeinsel auf Halbmast gesetzt. Die Unglücksstelle ist zu einer kleinen Gedenkstätte geworden. Familien mit Kindern legten beim "Piratenschiff" rote und gelbe Rosen nieder, mit Kerzen, Blumensträußen und kleinen Briefchen nahmen sie Abschied von dem tödlich verunglückten Schüler aus Österreich. "Ich wünsche mir, dass Sebastian glücklich im Himmel lebt", steht auf einem Zettel, "Sebastian, deine Zeit geht weiter" auf einem anderen.
Sebastian war am Sonntagabend gestorben - nur wenige hundert Meter von dem Ferienhaus entfernt, in dem er mit seinen Eltern und seiner Schwester (12) Urlaub machte. Er hatte am Strand unter der Rutsche des "Piratenschiffs", einem Klettergerüst für Kinder, ein Loch gegraben - das wohl zusammensackte. Das Obduktionsergebnis deute darauf hin, das Sebastian erstickt ist, erklärte Polizeisprecherin Kristin Stielow. Hinweise auf Gewalteinwirkung gebe es nicht. Die Untersuchungen zum genauen Unfallhergang dauerten aber noch an.
Wie buddelte der Junge diesen "Krater"?
Polizisten hatten den toten Jungen am Mittwoch am Strand von Wittdün unter anderthalb Metern Sand gefunden. Die Polizei hatte nach einem Aufruf an die Öffentlichkeit ein Urlauber-Foto erhalten, das den Zehnjährigen genau dort am "Piratenschiff" beim Buddeln zeigt, wo er dann auch gefunden wurde. Ein Augenzeuge berichtet, der Junge habe einen "regelrechten Krater" gebaut. Nun muss geklärt werden, ob Sebastian das tiefe Loch alleine und mit bloßen Händen buddelte. Kripo-Beamte nahmen die niedergelegten Trauerbriefe genau in Augenschein. Suchten sie in einem der Schreiben einen Hinweis, ob Sebastian Hilfe beim Buddeln hatte?
Warum die Polizei nicht sofort am "Piratenschiff" grub, warum Sebastian trotz intensiver Suche erst nach drei Tagen gefunden wurde, erklärt Polizeisprecherin Stielow so: "Es war ein normaler Sandspielplatz mit zahlreichen Löchern, Gräben und Buckeln. Ein weiteres Loch fällt da kaum jemandem auf." Zudem habe es Hinweise gegeben, dass Sebastian und ein anderer Junge in Richtung Wasser gegangen seien. Und als mit einer Hundestaffel gesucht wurde, liefen einige Hunde zielstrebig zum Ende des Kniepsands. Doch die Spur war falsch.
Neben einer Dünenkette gegraben
Auf der Insel rätseln die Menschen nun, wie das Unglück überhaupt passieren konnte. "Wir haben doch alle schon irgendwann einmal Löcher in den Sand gebuddelt, und es ist nix passiert", sagte eine Mutter. Sebastian grub sein Loch unmittelbar neben einer Dünenkette. Dünensand ist aber besonders feinkörnig, hält nicht sehr gut. "Mir ist nicht bekannt, dass je ein Kind beim Sandbuddeln verletzt wurde", sagte Frank Timpe, Leiter der Amrum Touristik. "Die Menschen sind bestürzt und sehr betroffen." Der Fall überschatte derzeit das Leben auf Amrum.
Sebastians Eltern und seine Schwester werden jetzt von einem Psychologen betreut. Die Eltern hatten ihren toten Jungen identifizieren müssen, die Leiche wurde bereits aufs Festland überführt. Das österreichische Honorarkonsulat in Hamburg hat Kontakt zur Familie und unterstützt sie - auch bei Organisation der letzten Reise von Sebastian in die Heimat.

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von ge / lno
erstellt am 06.Jul.2012 | 02:26 Uhr

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01. | Petra Petersen | 06.07.2012 | 19:08 Uhr
@ Frank W.

Ich fürchte, Kinder können doch eine 1,50m tiefe Grube ausheben. Als Beispiel hier ein Video aus Norderney: http://www.youtube.com/watch?v=6G1SOtH7_2U
Hier ist die Gefahr deutlich sichtbar :-(

02. | Frank W. | 06.07.2012 | 09:59 Uhr
Nicht glaubhaft

Wer mal selbst am Strand im Sand gebuddelt hat weiß. dass diese Version unmöglichg siut. Da kann kein Kind -auch keinb Erwachsener- eine 1,50 m tiefe Grube buddeln.
Unfassbar allerdings ist für mich, dass Erwachsene das Kind beim buddeln im Sand fotografiert haben ohne einzuschreiten, denn eine normale Grube war es da ja schon nicht mehr.

03. | Pua Moders | 06.07.2012 | 08:07 Uhr
Buddeln im Sand

Einen ganz ähnlichen tödlichen Unfall gab es vor etlichen Jahren auf Sylt. Damals hatte ein Schüler eine "Höhle" in die Uferböschung am Strand gegraben und war dabei verschüttet worden. Erwächsene müssen das doch gesehen haben. Für mich ist unverständlich, dass da niemand eingeschritten ist. Ich bin auf Sylt aufgewachsen und erinnere mich noch sehr gut daran, dass mein Vater mich ermahnt und mir erklärt hat, warum man in den Dünensand keine Höhlen graben kann, noch bevor ich auf die Idee kam, das auszuprobieren.

04. | Frank Scholten | 05.07.2012 | 21:01 Uhr
Danke an meine Lebensretter mit Zivilcourage

Aber zuerst auch mein Beileid an die Familie.
Hätte doch nur jemand eingegriffen, wie bei mir vor 43Jahren.

Als kleiner Junge aus Büdelsdorf bin ich extra zum Wanderweg abgehend von der Audorfer Fähre (Westseite des Kanals) in Richtung Osterrönfeld geradelt. In der Böschung waren sandige, feuchte Bereiche in denen sich wunderbar buddeln lies. Ich hatte mir einen „Goldgräberstollen“ gegraben, der bereits 3m tief war. Ein vorbeigehendes Ehepaar sah das und hat meinen Stollen zusammengetreten. Zudem drohten sie mir mit der Polizei (das hat damals in 60er Jahren noch gewirkt-heute wirkt so etwas ja kaum noch), falls sie mich noch einmal irgendwo beim Buddeln beobachten würden.
Rückblickend betrachtet ist das für mich auch eine Art von Zivilcourage.

Wenn ich heute z.B. 3jährige Kinder alleine auf der Straße sehe, bleibe ich stehen und warte bis ein Elternteil auftaucht. Nach kurzem Gespräch verstehen mich die meisten Eltern. Aber manche reagieren schräg, nach dem Motto: Was ist das denn für ein Kinder …, na sagen wir mal Schreck.
Aber so was muss man als Bürger mit Zivilcourage wohl aushalten können.

05. | B. Bödecker | 05.07.2012 | 17:35 Uhr
Buddeln im Sand

sah heute einen TV Bericht v der DLRG. Als Erwachsener war ich erschüttert, wie loser Sand sowas anrichten kann.Auch ich habe als Kind gerne am Strand gebuddelt, mehr aber nach Grundwasser.Ostsee. interessant, wie das Wasser dann durch die "Kanäle" floss. DLRG sagte auch, dass Kinder dann mit den Armen rudern müssten, um freizukommen.Und Luft zu bekommen. Ich hoffe nur, dass dieses tragische Unglück Eltern wachrüttelt.Mein aufrichtiges Beileid den Eltern und d kleinen Schwester.Grausam.

06. | Klaus Ohde | 05.07.2012 | 15:30 Uhr
Löcher im Sand

Mein Bruder und ich hatten im gleichen Alter "Pläne" gezeichnet wie wir Tunnel durch unseren Garten graben könnten. Natürlich streng geheim. Unsere Eltern wussten von nichts. Wir fingen an zu graben. Glücklicherweise lag unser Garten in der Marsch. Nach etwa 50 cm blubberte das Grundwasser und unsere Pläne waren nicht erfüllbar. Das alles stellen sich Kinder vor. Leider hat Sebastian kein Grundwasser gefunden und hat nicht aufgehört zu graben. Mein herzliches Beileid an die Familie

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