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Panorama

30. Oktober 2014 | 19:57 Uhr

Schmuggel-Vorwürfe : Schleswig-Holsteiner in chinesischer Haft

vom

"Dauert länger. Zoll ist da" - diese SMS schickte Kunstspediteur Nils Jennrich seiner Freundin. Kurz darauf wurde er verhaftet und sitzt seitdem in einem Pekinger Gefängnis.

Fockbek/Peking | Seine letzte SMS vor der Verhaftung klang lapidar: "Dauert länger. Zoll ist da", schrieb Nils Jennrich Ende März an seine Freundin. Wenig später saß der 32-Jährige in einem der berüchtigten Pekinger Gefängnisse. Ohne Anklage und angeblich wegen Schmuggels. Der seit fünf Jahren in China lebende und aus Fockbek bei Rendsburg stammende Kunstspediteur soll beim Zoll einen zu niedrigen Wert für Exponate angegeben haben - das jedenfalls behaupten die chinesischen Behörden.
Um welche Kunstwerke es sich handelt, weiß außer des chinesischen Zolls niemand. Keine Probleme gab es wenige Wochen zuvor mit Ausstellungsstücken, die derzeit bei der NordArt in Büdelsdorf gezeigt werden. Auch für sie war die Spedition von Nils Jennrich in diesem Frühjahr tätig. Norddeutschlands größte Kunstausstellung hat in diesem Jahr den Schwerpunkt China.
Seine Familie kämpft für die Freilassung
Jetzt wird die Schau von einem Fall überschattet, der drei Monate nicht an die Öffentlichkeit gelangte. Auch weil die Familie es so wollte. Selbst während der Eröffnung der NordArt vor fünf Wochen schwiegen alle, die davon wussten. Nils Jennrich sollte so gut wie möglich geschützt werden.
Hinter den Kulissen kämpfte die Familie derweil für die Freilassung. Vergeblich. Fin Jennrich flog nach China, bekam aber keine Besuchsgenehmigung bei seinem Bruder. Vater Hartmut Jennrich hat seit der Verhaftung keinen Kontakt mehr zu seinem Sohn. "Besonders bitter für mich war die Entscheidung, Nils nicht auf Kaution freizulassen. Jetzt muss er diese unmöglichen Haftbedingungen weiter ertragen." Der Vater ist überzeugt, dass der Sohn ein Bauernopfer ist - und die wirklich Schuldigen geschützt werden.
"Brutaler Alltag in der Zelle"
Als erstes Medium berichtete diese Woche das "Handelsblatt" über die Inhaftierung des Fockbekers. Ein Reporter der nicht zu Übertreibung neigenden Zeitung beschrieb Jennrichs "brutalen Alltag in der Zelle" mit den Worten: "Essen, Schlafen, Waschen, Fernsehen, Toilettengänge. Jeden Tag die gleiche Routine: Wecken um halb sieben. Dann gehetzte Morgentoilette, eine halbe Stunde für zwölf Männer. Frühstück im Stehen. Jeweils zwei Stunden am Vor- und Nachmittag dürfen sie lesen, aber kaum einer kann sich konzentrieren. Reden dürfen die Häftlinge nur bei den Mahlzeiten und beim TV am Abend. Das bedeutet sechs Stunden Schweigen am Tag."
Für die Familie und Freunde des Betroffenen sind diese Zeilen eine Qual. Sie leiden in 7500 Kilometern Entfernung mit. "Nils ist leider in die Fänge der Chinesen geraten", sagt Florian Berndt, ein Schulfreund aus Rendsburg. Mit Nils’ Freundin tausche er sich täglich über Facebook aus. "Sie ist Schwedin chinesischer Herkunft, Nils wollte sie eigentlich im Mai heiraten." Um seinem Kumpel zu helfen, hat Berndt die Facebook-Seite "Free Nils Jennrich" ins Leben gerufen. Seit Dienstag sind dort bereits mehr als tausend Unterstützer zusammengekommen.
Seine Kunstwerke sind auf der NordArt zu sehen
Der Kontakt zum Inhaftierten wird über die Deutsche Botschaft in China aufrecht erhalten. Hartmut Jennrich hat ein Anwaltsbüro in Peking mit der Angelegenheit betraut und hofft nun auf politische Unterstützung. "Ich weiß, dass dieser Fall im Außenministerium ganz oben angekommen ist." Am kommenden Wochenende finden in München deutsch-chinesische Gespräche auf Ministerebene statt. "Das Schicksal von Nils soll dort thematisiert werden. Ich hoffe, dass es etwas hilft."
Nils Jennrich war bis zu seinem Abschied nach Fernost in Fockbek gemeldet und hatte über die Kunstspedition Integrated Fine Art Solutions (IFAS) in Peking berufliche Verbindungen nach Schleswig-Holstein. "Ich habe ihm und seiner Firma noch im März den Auftrag erteilt, Kunstwerke für die NordArt nach Büdelsdorf zu schicken", berichtet Wolfgang Gramm, Geschäftsführer des "Kunstwerk Carlshütte" und Macher der NordArt. Während der Vorbereitung der Ausstellung habe er Nils Jennrich mehrfach getroffen. Gramm: "Wir sind Essen gegangen und haben Freundschaft geschlossen." Anfang März, wenige Wochen vor der Festnahme, so Gramm, habe Jennrich Kisten mit Kunstwerken nach Büdelsdorf geschickt. Diese gehörten zu einem Projekt mit dem Namen "Form of the formless" und sind auf der NordArt zu sehen.
Und warum wurde der Zusammenhang nicht schon früher publik gemacht? "Wir haben uns schon vor der Eröffnung Gedanken darüber gemacht, wie wir mit der Situation umgehen", sagt Hans-Julius Ahlmann, Inhaber des weltweit tätigen Entwässerungsspezialisten ACO und Hauptgesellschafter der NordArt. "Die Familie Jennrich hat sich über das Vorgehen beraten lassen und uns gebeten, nicht an die Öffentlichkeit zu gehen", so Ahlmann weiter, der allerdings auch seine Verbindungen hat spielen lassen. "Anfang Juni habe ich in Kiel Bundespräsident Joachim Gauck über das Schicksal von Nils Jennrich berichtet. Und bei der Eröffnung der NordArt haben wir die Mitarbeiter des chinesichen Außenministers angesprochen."

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erstellt am 09.Jul.2012 | 09:10 Uhr

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