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Panorama

18. Dezember 2014 | 01:41 Uhr

Spielbank schließt : Nichts geht mehr fürs Casino Travemünde

vom

Nach knapp 200 Jahren endet die Spielbank-Ära: Das Casino Travemünde schließt. Die Tourismuschefin befürchtet einen Imageschaden für das Seebad.

Travemünde | Sie ist so eng mit Travemünde verbunden wie die Passat und der Priwall - die mondäne Spielbank an der Kaiserallee. Dennoch heißt es nach fast 200 Jahren: "Rien ne va plus" - nichts geht mehr. Ende September läuft der Pachtvertrag aus, Ende des Jahres will das Casino mit modernem Konzept und seinen 50 Mitarbeitern im Lübecker Park Inn Hotel neu eröffnen - nach einigen gescheiterten Versuchen, die touristische Attraktion im Seebad zu halten.
"Viele werden die Spielbank schmerzlich vermissen, auch mein Herz blutet", sagt Andrea Gastager, Geschäftsführerin der Lübeck und Travemünde Marketing. Die Seebad-Tradition Travemündes sei aufs Engste mit der Badekultur und dem Casino verbunden. "Gut, dass die Spielbank in Lübeck bleibt, aber für Travemünde ist der Umzug ein großer Verlust", sagt Gastager. Das touristische Image werde spürbar leiden.
"Keine Alternative zum Umzug"
"Auch uns fällt der Abschied nicht leicht. Wir haben lange auf Travemünde gesetzt, doch es gibt keine Alternative zum Umzug", sagt Matthias Hein, Geschäftsführer der Spielbanken Schleswig-Holstein. Der Vorort habe sich nicht so dynamisch wie andere Orte an der Lübecker Bucht entwickelt. Viele große touristische Projekte, von denen die Besucherzahl des Casinos profitiert hätte, wurden nicht umgesetzt. "Auch die Welt der Spielbank hat sich gedreht. Wir brauchen ein stadtnahes Umfeld mit viel Leben das ganze Jahr über", sagt Hein. Dies sei in der Nähe des Holstentores gefunden worden.
Das neue Casino wird ein landesweites Pilotprojekt. "Wir werden uns viel breiter aufstellen, und wollen dadurch neue Gäste gewinnen, auch solche, die gar nicht spielen", sagt der Geschäftsführer. In eine abendliche Entertainmentfläche werde sich die neue Spielbank zwischen Lounge, Bar, Restauration und Live-Musik einfügen.
Untermieter des Columbia-Hotels
Doch das dürfte für die Travemünder nur ein schwacher Trost sein. Für viele Einheimische und Stammgäste, die auf der Strandpromenade an dem feudalen weiße Gebäude mit Kuppeldach und roten Edelrosen im Park vorbei flanieren, bleibt das Casino das Casino. Doch schon einige Jahre ist die Spielbank nur Untermieter des luxuriösen Columbia-Hotels, das auch die größte Fläche des Prunkbaus beansprucht.
Doch diese Tatsache lässt viele Erinnerungen an die glorreiche Historie nicht verblassen, als sich die High Society in den 50-er, 60-er und 70-er Jahren zur Livemusik des Hazy-Osterwald-Sextetts vergnügte. Als im Nachtclub des Casinos - im "La belle Epoque" - unter anderem Josephine Baker, Marlène Charell, Lale Andersen, die Kessler-Zwillinge und die Blue Bell Girls vom Lido in Paris auftraten. Etikette und Pelzmäntel waren ebenso selbstverständlich wie die Schlangen der Luxuslimousinen in der Kaiserallee.
Jetons galten als Zahlungsmittel im Ort
1949 erhielt Travemünde eine der ersten Glücksspielkonzessionen in Deutschland und zog in den heutigen Prunkbau ein. Eine Spielbank gibt es im Ostseebad aber bereits seit 1825. In den 60-er Jahren machte das Casino Travemünde nach Baden Baden bundesweit die höchsten Umsätze, an den Tischen spielten Curd Jürgens oder Aristoteles Onassis. Jetons galten als Zahlungsmittel im Ort. 200 Croupies machten bis Mitte der 70-er Jahre an den grünen Tischen noch das Spiel. Dann sorgte das neue Spielbankengesetz für den Beginn des Abstiegs, viele neue Casinos öffneten, Ende der 70-er wurden auch in Travemünde die ersten Spielautomaten aufgestellt. Die Zahl der Besucher nahm stetig ab, nun steht die Aufgabe bevor. Der von der Spielbank genutzte Seitenflügel soll zu Luxus-Suiten mit Meerblick umgebaut werden.
Geht die Casino-Ära leise zuende? "Wir planen eine Party, bei der sich Casino-Fans verabschieden können", sagt Hein.

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erstellt am 07.Aug.2012 | 08:39 Uhr

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