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Panorama

19. Dezember 2014 | 10:19 Uhr

Glücksspiel-Staatsvertrag : Neuer Internet-Tipp gefährdet Lottoläden

vom

Mehrere hundert Annahmestellen und Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel: Die Lottogesellschaften ermöglichen das Online-Tippen. Die Hälfte der Lottospieler will umsteigen.

Schleswig | Jetzt geht es den bundesweit 23.500 Lotto-Annahmestellen an den Kragen. Wenn in Kürze die staatlichen Lottogesellschaften ihren Online-Auftritt ausweiten und Tipper ihre Kreuzchen im Internet machen können, wird das "der Anfang vom Ende der Lottoannahmestellen sein", fürchtet Hermann Teckenburg. Der Schleswiger betreibt zwei Zeitschriftenläden mit Lottoannahmestellen und ist Chef des Bundesverbands der Lotto-Toto-Verkaufsstellen.
Die Befürchtungen sind nicht unberechtigt: So ergab eine Umfrage, dass die Hälfte der Lottospieler in den nächsten zwölf Monaten über das Internet spielen wird. "Das kann das Aus für 30 Prozent der Lottoläden bedeuten", warnt Teckenburg. Für Schleswig-Holstein bedeutet das: Gut 200 der rund 780 Lottoannahmestellen mit über 4000 Mitarbeitern sind akut gefährdet.
Neuer Staatsvertrag erlaubt Online-Glücksspiel
Erwin Horak vom Deutschen Lotto- und Totoblock hatte zuvor angekündigt, dass unter der Zentraladresse "Lotto.de" das Onlinespiel eröffnet wird. Möglich wird dies, weil seit Monatsbeginn der neue Glücksspiel-Staatsvertrag gilt und das bisherige Verbot des Internetspiels aufgehoben wird. Horak erwartet dadurch Mehreinnahmen: "Mittelfristig wollen wir unseren Umsatz auf acht Milliarden Euro steigern", erklärte er. Zuletzt gaben die Deutschen 6,7 Milliarden Euro im Jahr für das klassische Lotto "6 aus 49", das "Spiel 77", die "Super 6" oder die Sportwette "Oddset" aus.
Von dem Umsatzplus werden die Annahmestellen vor Ort aber kaum profitieren. Im Gegenteil. Teckenburg rechnet mit Umsatzeinbrüchen, weil Lottospieler bisher in den Annahmestellen auch Tabakwaren kaufen oder eine Zeitung mitnehmen. "Das fällt weg, wenn künftig 25 bis 30 Prozent der Kundschaft ins Internet abwandern." Die Situation sei für die Branche "wirklich existenzbedrohend". Weil Schleswig-Holsteiner wegen des Alleingangs des Landes beim Glücksspielgesetz schon seit April über private Wettanbieter ihre Lottoscheine im Netz ausfüllen können, ist der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr bereits um sieben Prozent eingebrochen.
"Da der Deutsche Lottoblock nun mit seiner geballten Werbemacht loslegt, wird das Minus um ein Vielfaches anwachsen", fürchtet Teckenburg. Wenn die Läden aufgäben, bedeute das auch einen katastrophalen Wegfall von Nahversorgungsfunktionen für die Bürger etwa "bei der Versorgung mit Presseprodukten und anderen Artikeln des täglichen Bedarfs". Er fordert deshalb eine Umsatzbeteiligung für die Annahmestellen am Internet-Lotto. "Bayern hat das schon gemacht, in Schleswig-Holstein wird jedoch gemauert."

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erstellt am 18.Jul.2012 | 08:23 Uhr

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