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Panorama

25. Juli 2014 | 17:57 Uhr

"Auf Augenhöhe - Du bestimmst mit" : Mehr Rechte für Heimkinder

vom

Kongress unter dem Motto "Auf Augenhöhe - Du bestimmst mit" auf Schloss Noer: Ein Treffen von Heimkindern soll Impulse für mehr Mitbestimmung geben.

Noer | Die elfjährige Mailina-Leticia Fey strahlt wie ein Honigkuchenpferd: "Alles voll toll hier, so groß, so viele Leute. Und die Landschaft direkt am Wasser." Die Fünftklässlerin einer Gemeinschaftsschule lebt in Elmshorn in einer Wohngruppe der Arbeiterwohlfahrt. Sie ist vor allem wegen des Austauschs nach Noer gekommen. "Hier lerne ich mal Leute aus anderen Einrichtungen kennen und höre, wie die so leben." Aus einem antiken Jagdhorn ertönt reichlich schief der Ruf zur offiziellen Begrüßung. Im Schloss-Foyer wuseln Kinder, Jugendliche und ihre Betreuer geschäftig hin und her, schieben sich schließlich in den bestuhlten Saal - der nicht groß genug zu sein scheint. "Rückt doch bitte noch weiter durch da hinten", appelliert ein Betreuer im Gedränge. Vollmundige Protestrufe und Murren, wenig tut sich.
Unter dem Motto "Auf Augenhöhe - Du bestimmst mit" haben sich Montag auf Schloss Noer (Kreis Rendsburg-Eckernförde) 64 Kinder und Jugendliche sowie 30 Betreuende aus 23 Einrichtungen unterschiedlicher Träger im ganzen Land versammelt. Auf dem 1. Kongress für Kinder in der Heimerziehung wollen sie in idyllischer Umgebung Antworten finden auf Fragen, die sich aus dem Thema ergeben. "Was dürfen die Betreuer? Was dürfen die Kinder und Jugendlichen? Was lässt sich gegen Mobbing und Gewalt unternehmen? Wie gehen wir mit Sexualität und Zuneigung um?", so fasst Roman Schiller vom Veranstalter, dem Jugendhilfe Netzwerk Nord-Ost, es zusammen. Die Beteiligung der zu Erziehenden an der Erziehung sei zentral bei der Qualitätssicherung in Einrichtungen und müsse in den Strukturen künftig fester verankert werden.
Minutiöäs geplanter Nachmittag
Für ein offizielles - und vielleicht etwas zu trockenes - Grußwort ist die Kieler Jugendamtsleiterin Silke Duda gekommen, da wird auch mal dazwischen geredet. Im Anschluss an die von Moderatorin Sina Helle vorgetragenen minutiösen Planungen für die Veranstaltungen des Nachmittags fragt von ganz hinten ein Jugendlicher mit coolem Käppi, ob er er mit seinem "Kollegen" nicht gleich mal an die Ostsee könne. So ist das manchmal mit unterschiedlichen Interessen.
Ein Anlass für diese Premierenveranstaltung, die vom Landesjugendamt zu 80 Prozent gefördert wird, ist das zum 1. Januar in Kraft getretene Bundeskinderschutzgesetz. In diesem wurde auch eine stärkere Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in den Erziehungshilfeeinrichtungen festgelegt. "Die Frage ist ja aber, wie wir diesen Anspruch mit Leben füllen und in der praktischen Arbeit umsetzen", erklärt Schiller. Dafür könne der Kongress, der künftig jedes Jahr stattfinden solle, wertvolle Beiträge liefern.
Diktatorische Strukturen
"Ich habe viele Einrichtungen erlebt, in denen diktatorische Strukturen herrschen, das wird nie den Erfolg haben, den sich alle wünschen", sagt Michael Schwarz, Leiter des Caritashauses St. Franziskus auf Nordstrand und nennt ein simples Beispiel: "Wenn ich meinen Kids einen Strandkorb kaufe, machen die ihn kaputt. Wenn sie sich den selbst aussuchen können und die Verantwortung dafür übernehmen, verteidigen sie ihn mit ihrem Leben." Er wolle Mitsprache und Eigenverantwortung fördern, und erhoffe sich auf Schloss Noer Impulse für seine Arbeit.
In Workshops und bei gemeinsamen Aktivitäten sollen die Kinder, Jugendlichen und ihre Betreuer sich Gedanken machen. Es geht um Taschengeld, Ausgangszeiten, Religionsausübung, Kleidung, Besuche bei Freunden - oder einfach nur ums Schrauben am Roller: "Es gab Ärger wegen des Lärms - jeder Leiter sagte mir eine andere Zeit. Die hätten sich nur mal einigen müssen", sagt der 17-jährige Tobias Pommer, der in Bad Oldesloe im Kinder- und Jugendhaus St. Josef lebt. Saskia Hakemann aus der gleichen Einrichtung arbeitet mit ihm zusammen im dortigen Jugendparlament. Die 18-Jährige kritisiert gleich schon mal den Kongress. "Es geht hier doch gerade etwas sehr hektisch und stressig zu, die Abstände zwischen den Veranstaltungen sind viel zu kurz", moniert sie. Aber es sei ja schließlich auch ein Debüt.

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von Niko Wasmund
erstellt am 17.Apr.2012 | 08:43 Uhr

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