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Panorama

31. Oktober 2014 | 07:56 Uhr

Pumpspeicherkraftwerk : Kreidekuhlen sollen Speicher für Windenergie werden

vom

Es wäre eine gigantische Batterie für Windenergie: Die Vorprüfung für ein 100-Millionen Euro teures Pumpspeicherkraftwerk im Kreis Steinburg ist abgeschlossen.

Itzehoe | In der Gemeinde Lägerdorf (Kreis Steinburg), bisher bekannt für seine Kreide, soll 2015 ein Großprojekt der Energiewende entstehen - ein 100 Millionen Euro teures Pumpspeicherkraftwerk.
Seit wenigen Tagen ist die erste Hürde genommen. "Die Vorprüfung ist in wichtigen Punkten abgeschlossen", bestätigte am Mittwoch Karsten Becker, Planer der Anlage beim Zementhersteller Holcim Deutschland. Holcim und Energieversorger Eon Hanse wollen das Pumpspeicherkraftwerk gemeinsam bauen, investieren zudem 100 Millionen Euro in einen Windpark mit 20 Anlagen an der Autobahn 23.
Bei Flaute rauscht das Wasser
Ein Pumpspeicherkraftwerk braucht ein Gefälle. Das liefern auf dem flachen Land zwei Lägerdorfer Kreidegruben unterschiedlicher Tiefe, die als Ober- und Unterbecken fungieren sollen. Die Grube "Saturn" ist etwa 40 Meter tief, die Grube "Schinkel" etwa 110 Meter. "Dazwischen muss ein drei Kilometer langer unterirdischer Stollen gebohrt werden", erklärt Becker. Er hat ein Gefälle von 80 Metern. Wird der produzierte Windstrom gerade nicht benötigt, pumpt das Kraftwerk Wasser ins Speicherbecken. Herrscht Flaute, rauschen 104 Kubikmeter pro Sekunde abwärts und treiben eine Turbine an. Ihre Leistung beträgt 70 Megawatt", sagt Bernd Eilitz, Sprecher bei Eon Hanse. "Das Speicherbecken mit seinen 17 Millionen Kubikmetern Wasser kann bei Windstille zwei Tage lang Strom erzeugen, nämlich 3,5 Gigawattstunden."
Strom bezieht das Pumpspeicherkraftwerk nicht nur durch dem eigenen Windpark an der A 23, sondern von allen Windrädern. Diese müssen wegen des fehlenden Netzausbaus derzeit oft abgeschaltet werden. Das Pumpspeicherkraftwerk würde also nicht nur dem Zementhersteller Energie liefern, sondern könnte zu einem maßgeblichen Baustein der Energiewende werden, indem es regionale Überschüsse auffängt oder bei Strombedarf durch seine Turbine ausgleicht.
Die Stör kann helfen
Zwar ist die technische Umsetzbarkeit, die Genehmigungsfähigkeit und die Wirtschaftlichkeit in groben Zügen geprüft, doch einige Probleme müssen die Experten noch lösen. Etwa die Befüllung. "Zehn bis 15 Jahre würde es dauern, bis Zuflüsse und Regenwasser die Kreidegruben volllaufen lassen", so Becker. Deshalb wird darüber nachgedacht, sie in den Hochwasserschutz der Region einzubinden. Droht die Stör über die Ufer zu treten, wird ihr Wasser in die Gruben geleitet, die so schneller gefüllt werden können.
Holcim setzt auf das ökologische Kraftwerk, weil ein Drittel der Betriebskosten des Zementherstellers Stromkosten sind. "Abbaugeräte, Förderanlagen und die Zementmühlen laufen mit Strom", sagt Karsten Becker. "Und da dort mit einer Verdopplung der Preise zu rechnen ist, wollen wir uns langfristige Perspektiven schaffen."
Als tödlich für das Pumpspeicherkraftwerk könnte sich jedoch die Oberflächenwasserabgabe erweisen, also die Gebühr für die Wasserentnahme aus oberirdischen Gewässern. Becker: "Da unser Pumpspeicherkraftwerk als geschlossenes System arbeitet, hoffen wir, davon verschont zu bleiben." Die endgültige Entscheidung über die Machbarkeit des Projektes soll im Herbst fallen.

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erstellt am 17.Aug.2012 | 08:09 Uhr

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