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Panorama

01. November 2014 | 02:06 Uhr

Gewerkschaften : Gewerkschaften 2010: Der Geist der Gestrigkeit?

vom

Die Zahl der DGB-Mitglieder ist gesunken. Dabei herrscht kein Mangel an Missständen wie Outsourcing, Lohndumping und Leiharbeit.

Kiel | Dass die Gewerkschaften seit dem Metallarbeiterstreik 1956/57 etliche soziale Verbesserungen für die (mittlerweile bundesweit 40,3 Millionen) Beschäftigten erkämpft haben, steht außer Frage. Doch gerade die Fülle der arbeitnehmerrechtlichen Errungenschaften hat den Gewerkschaften einen schweren (Doppel-)Schlag versetzt. Allein seit der Wiedervereinigung ist die Zahl der DGB-Mitglieder von acht auf knapp über sechs Millionen gesunken. Der politische Bedeutungsverlust kommt hinzu. Wenn der DGB-Vorsitzende Michael Sommer in diesen Tagen einen "heißen Herbst" mit der Zielsetzung, dem "Eissturm" christlich-liberaler Sozialpolitik zu trotzen, ankündigt, wirken seine Äußerungen wie das ritualisierte Krakeele eines Funktionärs, dem niemand wirklich zuhört.
Dabei herrscht kein Mangel an beschäftigungspolitischen Missständen. Begriffe wie "Outsourcing", "Lohndumping", "Leiharbeit" und "Casino-Kapitalismus" umreißen den Abschied von den Sicherheiten der Vor-Globalisierungs-Ära, den Abschied von den Gewissheiten und Planbarkeiten des Erwerbslebens.
So mancher Volkswirt kritisiert allerdings gerade in diesem Zusammenhang die strukturkonservative Defensivstrategie der Gewerkschaften. Zentraler Vorwurf: Die Arbeitnehmervertretungen trügen eine Mitschuld an der hohen Sockelerwerbslosigkeit des Jahres 2010. Nicht nur weil sie sich zu lange tariflichen Öffnungsklauseln, einer Flexibilisierung der Arbeitszeiten und der Genehmigung betrieblicher Bündnisse widersetzt hätten; sondern auch deshalb, weil sie den Stellenmarkt gegen geringqualifizierte Jobsuchende abschotteten, indem sie auf ihrer Forderung nach Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns beharrten. Der von den Gewerkschaften erbittert verteidigte Grundbestand unserer im internationalen Vergleich umfassenden Arbeitnehmerrechte schade, so die Kritiker, den Beschäftigungsperspektiven der deutschen Wirtschaft.
Fazit: Die heutigen Gewerkschaften versprühen nach Auffassung nicht weniger politischer Beobachter vor allem eines: den Geist der Gestrigkeit.

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erstellt am 26.Sep.2010 | 06:24 Uhr

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