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Panorama

19. April 2014 | 06:36 Uhr

Pflanzenzucht - Die Suche nach dem perfekten Raps

vom

Wissenschaftler forschen unter schleswig-holsteinischer Leitung nach dem Schlüssel zu höheren Erträgen auf den Rapsfeldern. Es wird lange dauern.

Holtsee | Eine gute Woche blüht er noch - dann wird die Pracht des Rapses für die Schleswig-Holsteiner schon wieder Vergangenheit sein. Eine Ausnahme sind Gunhild Leckband und ihr aus Marokko stammender Stellvertreter Amine Abbadi. Für die beiden promovierten Wissenschaftler dreht sich das ganze Jahr alles um das Gold des Nordens. Sie leiten die Forschungsabteilung der "Norddeutschen Pflanzenzucht" auf Gut Hohenlieth in Holtsee bei Eckernförde, dem führenden Züchter von Rapssaatgut in Deutschland. Zugleich koordinieren beide zwei Forschungsprojekte, mit denen ein Verbund aus 14 Hochschulen und Pflanzenzucht-Firmen nach neuen Wegen für höhere Erträge der gelben Feldfrucht sucht. Die Einbrüche nach dem vielen Regen bei der Aussaat im vergangenen Herbst haben die Aktualität des Themas untermauert. Das Bundesforschungsministerium unterstützt die von Schleswig-Holstein aus gesteuerte Grundlagenforschung mit 5,8 Millionen Euro.
Großes Steigerungspotenzial
"Raps besitzt ein viel höheres Steigerungspotenzial als andere Pflanzen", erklärt Leckband. Als Grund nennt sie das vergleichsweise junge Alter als Kulturpflanze: 114 Jahre ist es her, dass der Urgroßvater der Hohenliether Spezialistin erstmals in Deutschland Raps gezüchtet hat. Sind heute unter idealen Bedingungen sechs Tonnen pro Hektar drin, hält Leckband sieben bis acht Tonnen für möglich. Der Haken bei der Sache ist: Die üblichen Sorten sind einander alle zu ähnlich geworden, um noch mehr abwerfen zu können. Die Züchter müssen an die viel verschiedeneren Merkmale der wilden Ur-Sorten heran. Erst, wenn deren möglichst wenig verwandten Erscheinungsformen miteinander gekreuzt werden, lassen sich Merkmale kombinieren, die wiederum den Ertrag steigern.
Was in Hohenlieth passiert, hat nichts mit Gentechnik zu tun - wohl aber mit Erkenntnissen aus der Genforschung, die das jetzige Geschehen noch vor wenigen Jahren nicht ermöglicht hätte: Dieses ist die erste Saison, in der unter freiem Himmel 50 verschiedene Varianten von Winterraps vermehrt werden, die auf das historische Ausgangsmaterial zurückgehen. Sie wurden aus der Fülle von allen 2100 weltweit dokumentierten, bis zu 800 Jahre alten Raps-Varianten ausgesiebt. Für 509 davon ließen sich in Datenbanken genetische Fingerabdrücke recherchieren. Aus dieser Zahl dann wurde die engere Auswahl der 50 getroffen, aus denen fortan 3500 Populationen gezüchtet werden.
"Selbst Tierzucht gelingt schneller"
Diese Bandbreite ist nötig, um zu beobachten, in welcher Kombination sich die günstigsten Eigenschaften bei einer Vermehrung durchsetzen - und wie unvermeidlich sich auch einschleichende ungewünschte Merkmale wieder herausgekreuzt werden können. Wie in der Schule werden über mehrere Jahre Noten von eins bis neun vergeben. "90 Prozent werden wir wegschmeißen", ahnt Leckband.
Als ein Beispiel für die erstrebten Ziele nennt Abbadi, eine Elternlinie mit besonders großen Schoten und eine zweite mit besonders vielen Körnern pro Schote so zu kombinieren, dass bei den Nachkommen beide Eigenschaften dominieren. Die zweite große Forschungsfrage dreht sich darum, wie sich solche Kniffe für einen höheren Ertrag mit möglichst großer Widerstandsfähigkeit einer Pflanze gegenüber Umwelteinflüssen verbinden lassen. Um Resistenzen gegen Stress jeder Art geht es, ob etwa Pilze, Insekten, Trockenheit, Kälte oder Nässe bei der Aussaat. "Wir beobachten extremere Witterungsbedingungen, deshalb ist es wichtig, den Raps dagegen zu wappnen", betont Abbadi.
Zwölf bis 15 Jahre werden vergehen, bis neue Sorten auf den Markt kommen, schätzt Leckband. "Das ist in unserer Branche kurz", unterstreicht sie und vergleicht: "Selbst Tierzucht gelingt schneller."

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von Frank Jung
erstellt am 23.Mai.2012 | 09:14 Uhr

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01. | Hans Hinrich Hatje | 22.05.2012 | 22:30 Uhr
Raps braucht trockenes Saatbett

Die Ertragseinbrüche bei Raps durch die schlechten Aussaatbedingungen im August/September 2010 waren doch vorprogrammiert. Die Feinsaat Raps verlangt ein trockenes Saatbett. Wenn das nicht gegeben ist, muss wohl oder übel auf eine Aussaat verzichtet werden. Über Züchtungungsmaßnahmen kann man man miserable Aussaaten wohl kaum ersetzen. Gleichwohl ist es wichtig, Züchtungsfortschritte für die Verbesserung der Erträge zu nutzen, ohne Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen anzuwenden. Raps als Kreuzblütler hat ja viele Artverwandte, die durch Pollenflug usw. negativ beeinflusst werden können. Ein komplexes Thema, wie Raps überhaupt bereits länger als 114 Jahre eine bedeutende Rolle im Landbau spielt. 1890 ergab sich z.B. ein Höchststand der Rapsproduktion im deutschen Reichsgebiet mit nahezu 180.000 ha - infolge der Schutzzollpolitik des Deutschen Reiches. Der folgende drastische Rückgang in der Anbaufläche bis 1914 auf nur 13.000 ha im Deutschen Reich war durch die Freihandelspolitik der Reichsregierungen nach Bismarcks Rücktritt (1890) zu erklären. Nach dem I.Weltkrieg ergab sich wiederum ein Anstieg auf rd. 200.000 ha. Dass bis 1933 dann wieder nur noch 5.000 ha angebaut wurden, lag nicht zuletzt am Negativ-Image der Raps(kriegs-)margarine infolge des Glukosinolatgehaltes mit bitterem Geschmack. Spätere Züchtungserfolge nach 1949 (erucasäurefrei, geringe Glukosinolatgehalte) machten einen kontinuierlichen Anstieg im Rapsanbau möglich. "Wie die Saat, so die Ernte", das bleibt der alte Leitsatz.

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