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Panorama

24. Oktober 2014 | 11:32 Uhr

Kinder im Grenzland : Der Nachwuchs macht ausgeglichener und entspannter

vom

"Kinder sind in Dänemark modern", erklärt Thomas K. Brink. Doch für ihn geht es nicht um Statussymbole. Seine Großfamilie macht ihn ausgeglichen und entspannt.

Ihre gemeinsame Lebensplanung haben Thomas Kingo Brink und seine Frau Cecilie konsequent umgesetzt: Jung wollten sie sein, das Leben genießen und - trotzdem - viele, viele Kinder haben. "Wir waren die ersten in unserem Bekanntenkreis, die Kinder bekamen. In der Zeit noch die Ausnahme", erzählt der 35-Jährige. Seine Frau Cecilie, damals 23 Jahre alt, hatte mit ihrer Ausbildung zur Pädagogin noch nicht begonnen, als die kleine Emilie (heute neun Jahre alt) geboren wurde. Während des Studiums kamen dann Sebastian (6) und danach Lukas (3) auf die Welt. "Wir sind verwöhnt hier in Dänemark, über Kinderbetreuung mussten wir uns nie Gedanken machen, dafür sorgt die Kommune", erklärt Thomas K. Brink.
Er hat sich vor ein paar Monaten in ein dänisches Textilunternehmen eingekauft und arbeitet jetzt als selbstständiger Unternehmer. Cecilie Kingo Brink (32) kümmert sich derweil zu Hause um den jüngsten Nachwuchs. Noah wurde vor drei Monaten geboren und wandert gerade von Mamas auf Papas Arm, während seine wachen Augen die Welt erkunden. "Unsere Familienplanung ist jetzt abgeschlossen", sagt Cecilie. Sie ist selber mit drei Geschwistern aufgewachsen und hat den Kinderwunsch vor 13 Jahren in ihre Beziehung mit Thomas gebracht. Der wiederum wuchs als Einzelkind auf, war fasziniert von Cecilies Geschwisterschar und musste deshalb gar nicht lange überredet werden.
Warten auf den Julemand
Die Brinks haben sich in Kollund ihr Traumhaus gebaut. "Hier gibt es viele Familien, unsere Kinder haben jede Menge Spielkameraden. Einfach ideal", schwärmt Cecilie K. Brink. Emilie, Sebastian und Lukas haben sich gerade in die obere Ebene verzogen, aalen sich auf den Sofas und gucken die dänische Kult-Sendung "Julekalender" (Weihnachtskalender). Es dauert nur noch ein paar Tage, dann kommt der Julemand, der Weihnachtsmann, auch nach Kollund. Tochter Emilie war in diesem Jahr etwas skeptisch, was den alten Herrn angeht. Gibt es den wirklich? Und: Kommen alle Geschenke tatsächlich von ihm? In ihrem Adventskalender - wie sonderbar - steckte jüngst statt einer Süßigkeit eine Kartoffel ... in Dänemark ein Wink mit dem Zaunpfahl und Warnung für alle, die nicht an den Weihnachtsmann glauben. Weil aber Emilie Schokolade mehr liebt als Kartoffeln, gehört sie jetzt wieder zu den Gläubigen.
Heiligabend wird zusammen mit Cecilies Eltern gefeiert. Die wohnen nur fünf Minuten entfernt, direkt an der Flensburger Förde. Das Festmenü: Ente mit vielen Zutaten und natürlich "ris al mande" (eine Art Milchreis) als Dessert. "Wir haben beschlossen, nicht selber zu kochen. Wir bestellen uns das Essen. So bleibt mehr Zeit für die Kinder", erklärt Cecilie. Der Baum wird schon am Abend vorher geschmückt und mit einem Laken verhüllt. So kennt sie es schon aus ihren Kindertagen. "Wir machen einen langen Spaziergang, spielen mit den Kindern und lassen uns Zeit", erklärt Cecilie. Zeit für die Kinder zu haben, das ist für die Kollunder Eheleute ein Lebensinhalt.
Kinder als Statussymbol
Durch die Kinder seien sie und ihr Mann entspannter, belastbarer und ausgeglichener geworden. In einem dänischen Zeitungsartikel behauptet ein fünffacher Vater, dass er durch seine Kinder ein besserer Chef sei - Thomas nickt zustimmend. Er empfindet genauso und sagt: "Außerdem sind Kinder in Dänemark modern. Noch nie haben Eltern so viel Geld für ihre Kinder ausgegeben wie heute. Noch nie gab es so viele Angebote und Geschäfte für Kinder". Designerklamotten, teures Spielzeug, perfekt eingerichtetes Kinderzimmer, Wochenendtrips in Vergnügungsparks und teure Skiurlaube - Kinder als Statussymbol - nach dem Motto: seht her, was wir haben! So leben und denken dänische Familien, denen es finanziell besser geht. "Bei diesem Wahn machen wir nicht mit. Hauptsache die Kinder sind sauber und ordentlich gekleidet. Das ist mir wichtig", betont Cecilie. Am allerliebsten machen die sechs Brinks im Sommer Lagerfeuer am nahe gelegenen Strand. Von diesen spontanen Ausflügen schwärmen die Kinder immer wieder.
Überblick behalten
Jedes ihrer Kinder hat unterschiedliche Bedürfnisse, Hobbys und Ansprüche. "Ich versuche, an zwei Nachmittagen der Woche früher nach Hause zu kommen, um mit meinen Kindern zusammen zu sein", erzählt Thomas Brink. Für ihn, sagt er, ist der Stellenwert der Familie höher als persönliche Bedürfnisse ("Geht es meiner Familie gut, geht es mir auch gut"). Auf einer großen Tafel in der Küche sind alle Termine der Woche eingetragen, so behält jeder den Überblick.
Während Thomas Emilie und Sebastian morgens mit dem Auto zur Schule bringt, nimmt sich Cecilie noch ein bisschen Zeit für die beiden Kleinen. Sie hat sich sogar bei allen Kindern mehr Elternzeit genommen als staatlich vorgesehen. Das ist in Dänemark ungewöhnlich. "Da wird man doch tatsächlich gefragt, warum man nicht arbeiten geht", wundert sich Cecilie. In einem knappen Jahr will sie wieder als Pädagogin in Tingleff arbeiten.

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Großfamilie auf dem Vormarsch
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von
erstellt am 18.Dez.2008 | 05:32 Uhr

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