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Kultur

20. Dezember 2014 | 06:48 Uhr

Nichts ist wichtig und trotzdem eskaliert alles

vom

kiel | Rappelvoll trotz zusätzlicher improvisierter Bankreihen war das Kinder- und Jugendtheater im Werftpark am Sonnabend zur Premiere von "Nichts. Was im Leben wichtig ist".

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Viel Applaus gab es für eine spannungsgeladene Inszenierung der Bühnenversion von Janne Tellers Aufreger-Roman. Regisseurin Nele von Müller setzt auf Abstraktion - eine gute Entscheidung. Die Spielfläche ist eine schiefe Ebene, nach hinten begrenzt durch ein riesiges Banner, auf dem das Credo des Protagonisten prangt (Ausstattung: Stefanie Klie). Mit der Behauptung, nichts würde im Leben etwas bedeuten, da man ohnehin sterben muss, provoziert Pierre Anthon seine Mitschüler zu einer brutal eskalierenden Suche nach Dingen, die in ihrem Leben Bedeutung haben.

Der jugendliche Nihilist, den Thomas Bosch eher munter feixend als aufrührerisch anlegt, hockt auf einer Stehleiter am linken Bühnenrand. Von hier beobachtet er ungerührt, wie seine Klassenkameraden sich von geliebten Dingen trennen, um seine Behauptung zu widerlegen. Je schmerzlicher das abverlangte Opfer, desto brutaler die neue Forderung. Was mit einem Fahrrad beginnt, endet beim Zeigefinger eines talentierten Gitarristen. Dabei bedient die Regisseurin das Publikum nicht mit naturalistischen Bildern, sondern lässt die Schauspieler, die abwechselnd die Rolle des Erzählers übernehmen, schimmernde Metallkisten zu einem Berg der Bedeutung schichten. Schleichend verwandeln sie sich von zunächst trotzig verwirrten Jugendlichen in kleine Bestien, denen es irgendwann auch darum geht, sich bei den anderen für das erlittene eigene Opfer zu rächen.

Immer schneidender wird der Tonfall der Gruppe, immer riskanter das Spiel. Gespenstisch vom irrlichternden Schein der Taschenlampe beleuchtet ist die Szene, in der die Schüler den Kindersarg stehlen, als Schattenrisse in blutrotes Licht getaucht sieht man sie am Ende wie im Fegefeuer zappeln. Schwere Kost, geschickt aufbereitet.

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erstellt am 25.Feb.2013 | 03:59 Uhr

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