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Kultur

21. August 2014 | 10:12 Uhr

Ein Stück aus einer anderen Theaterzeit

vom

hamburg | Jede Wette, dass mehr als die Hälfte der Zuschauer den Anfang für bare Münze genommen haben. Da trat nämlich im Thalia Theater der Schauspieler Daniel Lommatzsch vor den geschlossenen Vorhang und bat um Verständnis, dass sich die Premiere von Thornton Wilders "Wir sind noch einmal davongekommen" eventuell um zehn Minuten verschieben könnte. Grund dafür seien Probleme mit dem Inspizientenpult, dem technischen Steuerungsherz jeder Aufführung, und das hatten viele Besucher schon bei der "Don Quichote"-Premiere erlebt.

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Dass das Ganze (der gelungenste) Teil der Inszenierung war, wurde erst klar, als sich Lommatzsch über die Vorhersagbarkeit von Katastrophen in Fahrt redete und sich schließlich als Regisseur des Stückes ausgab.

So ein Anfang hätte Wilder wahrscheinlich Spaß gemacht. Schon Ende der 30er Jahre ließ er die Schauspieler aus ihren Rollen treten, über den Text nachdenken und sie von einem Spielleiter in ihrem Spiel korrigieren. Das Stück als Theaterprobe, veränderbar, sich der Diskussion stellend. In den 1940-er Jahren war das Theater-Avantgarde, heute ist vor allem im deutschsprachigen Raum längst Gang und Gäbe. Da gibt es für einen jungen Regisseur wie Marco Štorman herzlich wenig, womit er sein Publikum noch erstaunen kann. Auch mit dem Inhalt will es nicht recht klappen. Der immer wieder prophezeite Weltuntergang und die Strategien, diese Art von Krisen zu bewältigen werden am Beispiel der Familie Antrobus gezeigt. Angesiedelt im Amerika der 40er Jahre durchlebt sie stellvertretend für die gesamte Menschheit sämtliche Katastrophen von der Eiszeit über die Sintflut bis zu aktuellen Kriegen. Ein wildes Durcheinander, bei dem man schnell mal den Faden verliert und das die Frage aufwirft, ob das Stück heute noch auf den Spielplan gehört. Da das Thalia Theater aber im letzten Jahr die Stückauswahl dem Publikum überlassen hatte, muss es jetzt die Suppe auslöffeln.

Hätte Štorman nicht ein paar nette Einfälle und so tolle Schauspieler gehabt, wäre der Abend in gähnender Langeweile untergegangen. So ernteten wenigstens alle freundlichen Applaus.

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von Susanne Oehmsen
erstellt am 25.Feb.2013 | 03:59 Uhr

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