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Kultur

24. April 2014 | 02:30 Uhr

- Die Wucht der Farben

vom

Ab morgen ist die neue Jahresausstellung der Nolde Stiftung Seebüll mit dem Titel "Farben waren mir ein Glück" für das Publikum geöffnet

neukirchen | Für den unangenehmen Teil brauchte er nicht lange. Christian Ring wusste, dass er nicht umhin kommen würde, etwas zu seiner Vorgängerin zu sagen. Schließlich sollte eigentlich Christine Hopfengart dort sitzen, wo Ring jetzt saß und das erzählen, was Ring erzählte.

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Aber Christine Hopfengart hatte nach nur einem halben Jahr ihre Direktorenstelle in der Seebüller Nolde-Stiftung wieder verlassen, "aus persönlichen Gründen", wie die offizielle Sprachregelung besagte. Mehr war auch von Ring, der die Stiftung zunächst kommissarisch bis zum Herbst leitet, nicht zu hören: "Wir haben Stillschweigen vereinbart", sagte der stellvertretende Direktor, der quasi über Nacht erfuhr, dass er jetzt für die Jahresausstellung zuständig sei. Ring schaute ob der mageren Informationen zu der Personalie etwas bedrückt drein, dann aber hellte sich seine Mimik wieder auf, denn er konnte endlich zu dem Thema zurückkehren, das ihm sichtlich mehr behagte - zu Emil Nolde und seinen Farben.

"Farben waren mir ein Glück" lautet das Thema der Jahresausstellung und es ist ein Titel, der schon auf den ersten Blick ziemlich treffend Noldes Kunst umschreibt. Seine Malerei wird nicht selten mit Farbenstürmen gleichgesetzt, einer seiner populärsten Bewunderer, Karl Schmidt-Rottluff, huldigte mit genau diesem Begriff Noldes Kunst, als er ihn zum Treffen der "Brücke"-Gruppe einlud.

Dabei fand die Farbigkeit, die Noldes Bilder nahezu unverwechselbar macht, erst später Einzug in seine Arbeit. "Am Anfang hat er sehr brauntonig gemalt", sagt Ring: "Erst im Jahr 1906 entdeckte Nolde die Farbe als sein eigentliches Medium". Ring erklärt dies und zeigt dabei auf ein Schlüsselwerk in der Biografie des Expressionisten: "Freigeist" (1906) ist der Name des Bildes, das gleich zu Beginn der Ausstellung im Bildersaal hängt. Es zeigt Nolde selbst, wie er in einem langen Gewand zwischen gestikulierenden Menschen steht, die Lob und Kritik symbolisieren sollen - kein Meisterwerk, aber eine interessante biografische Wegmarke und deutlich sichtbare Hinwendung zur Farbe. Nolde selbst gefielen Bild und Thema trotzdem nicht - er lehnte das Bild so an die Wand, das nur die Rückseite zu sehen war.

Ganz anders das "Selbstbild" aus dem Jahr 1917, das direkt daneben hängt. Der Kopf des Malers ist im Zentrum, seine Augen, neben den Händen das wohl wichtigste Werkzeug des Künstlers, strahlen hell. Ein sehr viel selbstbewussteres Selbstbildnis Noldes, das belegt: Der Maler ist bei sich angekommen.

Das zeigt sich auch anhand der großen und bunten Malpaletten, die im Kabinett gezeigt werden und Noldes Schaffenskraft dokumentieren. "Sie sind selbst kleine Kunstwerke", sagt Ring; trotzdem zählen sie nicht zu der offiziellen Zahl der Exponate, die in der Jahresschau gezeigt werden: 136 Werke umfasst die Ausstellung, davon sind 47 Gemälde. Außerdem: Grafiken, Zeichnungen und Aquarelle. Gerade in letzteren drückt sich die - im wahrsten Sinne des Wortes - farbige Fantasie Emil Noldes aus. Alles läuft über- und ineinander, Sagengestalten wachsen aus den Bildern, Himmel, Land und Meer in den zahlreichen Landschaftsbildern sind mitunter kaum voneinander zu trennen.

Und mittendrin steht Christian Ring und erzählt von seiner ersten selbst konzipierten Ausstellung in Seebüll. "Ich hätte mir etwas mehr Zeit gewünscht", sagt er. Und: "Es war bei der ersten Durchsicht eine richtige Farbenwucht, die mir entgegengeschlagen ist." Vielleicht hatte er sich auch deshalb, überwältigt von den ersten Eindrücken, viel zu viele Bilder aus dem Depot bringen lassen - nicht alles fand am Ende seinen Platz.

Ob Ring selbst seinen Platz gefunden hat, wird sich im Herbst zeigen. Dann kommt das Kuratorium der Nolde Stiftung zusammen, um über die Neubesetzung des Direktorenpostens zu beraten. Die Stelle ist bislang nicht ausgeschrieben.

Nolde Stiftung Seebüll, von morgen an bis zum 1. Dez. täglich von 10 - 18 Uhr geöffnet. www.nolde-stiftung.de

von Martin Schulte
erstellt am 28.Feb.2013 | 03:59 Uhr

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