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Bio-Bauer
Tierfutter: Die Insellösung
Selk. Ein schwarzes Schaf und nichts geht mehr. So scheint es zumindest, nachdem der Uetersener Futterfett-Hersteller Harles und Jentzsch Pantschereien zugegeben hat, seinen für die Futtermittelherstellung bestimmten Ölen technische Öle beigemischt und so Dioxine in Viehfutter geschleust zu haben. Seitdem ist das Land in heller Aufregung. 4700 landwirtschaftliche Betriebe wurden seitdem gesperrt - Legehennen-Farmen, Geflügelmastereien und Schweinemastbetriebe. Sie dürfen ihre Produkte erst dann wieder verkaufen, wenn amtlich sicher gestellt wurde, dass bei ihnen kein Dioxin verseuchtes Futter verfüttert und ihre Eier und/oder Fleisch ungiftig sind.
Es ist nicht der erste Skandal dieser Art. Kaum ein Jahr ist es her, da wurde Dioxin in Eiern nachgewiesen, weil die Hühner mit Dioxin verseuchtem Mais gefüttert wurden. Doch all das lässt Bauer An dresen aus Selk (Kreis Schleswig-Flensburg) kalt. Er weiß, dass seine Eier frei von Dioxin sind. Garantiert. Denn Claus Andresen produziert das Futter für seine 5000 Legehennen selbst. Und ist damit eine wahre Rarität auf dem Eiermarkt. Selbst bei den Bio-Bauern.
"Etwa 90 Prozent der Schweinezüchter mischen ihr eigenes Futter"
In Schleswig-Holstein gibt es rund 500 Bio-Betriebe, etwa 50 Prozent von ihnen mischen ihr Futter selbst - wobei längst nicht alle Vieh halten. "Etwa 90 Prozent der Schweinezüchter mischen ihr eigenes Futter", weiß Björn Ortmanns vom Verband Bioland in Schleswig-Holstein. An Hühnerfutter hingegen wagen sich nur die wenigsten he ran. Es sei, erklärt Ortmanns, schwieriger herzustellen, da das Huhn nur einen kurzen Verdauungstrakt habe und sensibel reagiere, wenn die einzelnen Futteranteile nicht genau zusammenpassen. Das macht Claus Andresen also auch unter den Bio-Bauern zu einer Besonderheit - von der selbst Rudolf Joost-Mayer zu Bakum, Vorsitzender der Gesellschaft für ökologische Tierernährung (GOETE) aus Melle (Niedersachsen), schon gehört hat.
"Wir machen unser Futter selber, weil es in der Landwirtschaft immer wieder Dinge gibt, die da einfach nicht hingehören. Wie das Dioxin etwa", sagt Claus Andresen. Ja, Hühner seien in der Tat keine einfachen Tiere. "Kleine Diven", nennt er sie. Aber abgeschreckt hat ihn und seine Frau Babette das nie. "Als wir diesen Hof 1992 übernommen haben, wollten wir einen geschlossenen Kreislauf. Wir wollen so viel selber machen, wie irgend geht."
"Der Verbraucher ist das gar nicht"
Und so ist die Legehennen-Farm der Andresens mit 5000 Tieren nicht nur deutlich kleiner als der Bundesdurchschnitt - in Nordrhein-Westfalen mussten aufgrund des aktuellen Dioxin-Skandals auf einer Farm gerade 8000 von 80.000 Hennen getötet werden. Die Andresens kaufen zudem auch keine ausgewachsenen Legehennen, so wie andere Farmen, sondern Eintagsküken, die sie selber großziehen. Sie bauen das Getreide für ihre Tiere selber an, mahlen und mischen es selbst für das spätere Hühnerfutter zusammen. Allein das Sonnenblumenöl kaufen sie zu - "weil dessen Produktion in unseren Breitengraden wenig Sinn machen würde", grinst Babette Andresen.
Der Dioxin-Skandal wundert die Selker Bio-Bauern nicht wirklich. "Die Bestandteile, aus denen wir unser Futter zusammenmischen, sind recht teuer. Natürlich versucht die Industrie, da an der Preisschraube zu drehen - und wenn dann noch ein wenig kriminelle Energie dazukommt...", sinniert Claus Andresen. 4000 Eier produzieren seine Hühner täglich. Das reicht, um eine sechsköpfige Familie plus Altenteil und drei Mitarbeiter (davon ein Festangestellter) zu ernähren. Allerdings hat Babette Andresen, die für die Vermarktung zuständig ist, schon häufiger feststellen müssen, wie ihre Abnehmer an der Preisschraube zu drehen versuchten. Aber: "Der ist durchaus bereit, etwas mehr für gute Qualität zu zahlen." Das Problem seien die Zwischenhändler, also die Lebensmittelhändler. Es sei schwierig, denen zu erklären, warum der Preis für die Bio-Eier so hoch sei. Claus Andresen springt seiner Frau bei: "Viele Menschen haben im Kopf, dass alles billig sein muss."








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