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Besuch aus Jütland : Wölfe in Dänemark: Wie kam Isegrim auf die Insel Fünen?

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Aus der Onlineredaktion

Jütland ist Wolfsland, das ist seit Jahren klar. Doch der Beweis ist erbracht, dass die Tiere übersetzen.

Odense | An einem Reh-Kadaver auf der dänischen Insel Fünen wurde die DNA eines Wolfes entdeckt. Nun kommt die Frage auf, wie das Raubtier dann die Reise auf das Ostsee-Eiland angetreten haben soll? Huschte Isegrim mal eben unbemerkt über die viel befahrene, 1178 Meter lange Lillebæltsbroen oder passierte er den kleinen Belt schwimmender Pfote?

Das tote Reh, das den ersten bestätigte Fund von Wolfs-DNA auf Fünen lieferte, wurde bereits im April 2016 gefunden. Seitdem stellt der Wolf die dänischen Umweltbehörden vor Herausforderungen.

Kim Møller von der Organisation „Ulvetracking Danmark“ und Carsten Rahbek vom Staatlichen Naturhistorischen Museum der Universität Kopenhagen sind sich beide sicher, dass der Wolf durch und nicht über das Wasser gekommen ist. Es sei bewiesen, dass die Tiere brilliante Schwimmer seien und Entfernungen von bis zu 13 Kilometern meistern können, sagte Møller der Zeitung „Jydske Vestkysten“. Wenn der Wolf vom jütischen Festland auf dem Weg nach Fünen zuerst die Insel Fænø ansteuere, sei die Entfernung sogar überaus kurz.

Dass die Heimatinsel des berühmten Märchenerzählers Hans Christian Andersens eine Destination für Wölfe ist, ändert für das Wolfs-Management in Dänemark einiges. Offenbar fühlen sich die Tiere nicht mehr nur in dünnbesiedelten Gebieten Westjütlands heimisch, wo Schafe leichte Beute sind. Das meint Carsten Rahbek. „Das stellt in Frage, ob die Behörde für Wasser- und Naturverwaltung die nötigen Handlungspläne ausgearbeitet hat, um damit umzugehen, dass Wölfe nicht nur ein westjütisches Phänomen sind – sondern dass das Gebiet jetzt Jütland-Fünen heißt“, sagt er.

Man müsse sich daran gewöhnen, dass der Wolf dabei sei, wieder nach Dänemark einzuwandern und dies verlange nach Handlungsplänen, damit Menschen und Haustiere Seite an Seite mit dem Raubtier leben können, so Rahbek. Der derzeitige Handlungsplan sieht vor, dass beispielsweise Landwirte Schadenersatz beantragen können, wenn eines ihrer Tiere von einem Wolf angegriffen wird. Zudem sind Zuschüsse für Zäune zum Schutz vor Wölfen vorgesehen.

In Jütland wird von diesen Maßnahmen bereits Gebrauch gemacht – und sie gelten landesweit, betont Annette Damuelsen von der Umweltbehörde. „Sollte auf dem Gebiet der Wölfe etwas unvorhergesehen passieren, muss geprüft werden, ob der Handlungsplan aktualisiert werden muss. Aber vorläufig sind es nicht viele Wölfe, über die wir in Dänemark sprechen“, sagt sie.

Im vergangenen Jahr war in Dänemark ein wissenschaftlicher Streit zwischen DNA-Forschern aus Aarhus und Kopenhagen darüber entbrannt, wie hoch die tatsächliche Zahl der Wolfspopulation in Dänemark ist. Auch beim Fall von Fünen gebe es keine absolute Sicherheit, räumt Rahbek ein: „Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit in unserer Welt. Wenn es sich um einen Hybriden aus Hund und Wolf gehandelt hat, hätte sich auch diese DNA ergeben. Oder wenn jemand Wolfs-DNA an dem toten Reh aus Fünen angebracht hätte“.

Doch: „Wir können mit Sicherheit sagen, dass es Wolfs-DNA ist. Darüber gibt es keinen Zweifel“, sagt der Wissenschaftler. Er hält es für unwahrscheinlich, dass sich Wölfe von Fünen aus auch auf Seeland ausbreiten werden – wegen des großen Abstandes zwischen den beiden Inseln.

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erstellt am 08.Mär.2017 | 14:34 Uhr

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