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Regionales

04. Dezember 2016 | 13:20 Uhr

Regionalsprachen in SH Teil III : Wie Sie Horror-Clowns auf Dänisch in die Flucht jagen

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Regionalsprachen sind nützlich, vor allem in Zeiten wie diesen schaffen sie Abstand und Respekt.

Die Horrorclowns sind los. Vor allem Dänemark erwischt es bei der Invasion der gar nicht witzigen Ego-Schocker arg, aber auch Schleswig-Holstein (hier der Link zur Karte) ist nicht sicher vor den Straßenteufeln in Zirkustracht. Wie gut, dass wir Menschen in SH mit all unseren Sprachen den Spieß der Verwirrung leicht mal umdrehen können. Distanz halten ist schließlich das Gebot der Stunde. Mit der Lautgewalt des Dänischen lässt sich auch auf hiesigen Straßen Wirkung erzeugen, bevor der Horror unausweichlich wird. Lassen Sie es bitte nicht drauf ankommen. Aber für den Fall der Fälle: Mit diesen Sprüchen legen Dänen und Südschleswiger Horror-Clowns an die Leine.

Gut 100.000 Menschen in SH sind laut einer Studie der Universität Hamburg von 2015 der dänischen Minderheit zuzurechnen.  Die vorherigen Episoden unserer Regionalsprachenserie finden Sie hier (Link zu Plattdeutsch) und hier (Link zu Sønderjysk)

1. Die alte Schule

Foto: imago/Westend61

Eine unerschrockene ältere Dame aus Esbjerg sorgte jüngst für Schlagzeilen, weil sie einen aus einem Auto springenden Clown einfach ins Leere laufen ließ. Ihre Standpauke hatte sich offenbar gewaschen. Wir können nur mutmaßen, was die 74-Jährige dem Angreifer für eine spontane Standpauke hielt. Vermutlich verwirrte sie die Rotnase mit ganz vornehmen Fluchworten aus der guten alten Zeit, in etwa so: „Du skal kraftedme ikke komme her med din grimme maske din luskebuks“ („Bleib verdammt nochmal weg von mir mit deiner widerlichen Maske, du Duckmäuser/Lusche!“) und wenn er dann noch nicht weg war so: „du skal saftsuseme ikke gå rundt og forskrække gamle damer din skiderik“ („lass es zum Teufel sein, hier einfach in der Gegend herumzustreunern und alte Damen zu erschrecken, du ...?!“). Die naheliegende Übersetzung des Wortes „skiderik“ sei dem Leser überlassen.


2. Auf den Hund kommen

Foto: imago/Xinhua

Das vorangegangene Beispiel wird Nicht-Muttersprachler vermutlich in spontaner Reaktion etwas überfordern. Bemühen wir uns um Einfachkeit. Etwas magisch wirkungsvolles wie den städtisch-deutschen Tierbefehl „Husch Husch“ hat die dänische Sprache lautmalerisch leider nicht zu bieten. Man könnte es zweifellos aber mit einem internationalen „Psht!! Psht!!“ und dazu gen Horizont wedelnder Handbewegung versuchen, eine hündische Ergebenheit beim maskierten Schreckgespenst herbeizuführen. Wenn es ein ganzer Satz sein soll, dann wäre ein knappes: „Fis så tilbage i din kurv!!!“ (Vorschlag zur Aussprache: Fiß soa tilbääje i din kurr'!) der Retter in der Not. Es bedeutet: „Hau ab in dein Körbchen“; „fis“ wäre als Substantiv überdies das dänische Wort für Furz. So kann man seinem Groll doppelt Luft machen und wirkungsästhetisch einen oben drauf geben.

 

3. Die etwas neuere Schule

Foto: imago/EntertainmentPictures

„Fjern dog den vamle maske og skrub af, forstyrrede mandsperson!“ (Vorschlag zur Aussprache: Fjarn do den vamle maske oh skruub ah, forstürre'e mannsperson!) Wie Sie sich beim Lautlesen dieses Satzes schon im Sprachgefühl halbwegs vergewissern können, sind wir noch nicht im Kapitel der Nettigkeiten angelangt. Einer zerrütteten männlichen Person wird in jenem Fall suggeriert, sie möge doch bitte die schauderhafte Maske des Anstoßes von ihrem Antlitz gleiten lassen und in Frieden hinfortschweben.


4. Siezen auf Dänisch - immer ein Treffer

Foto: imago/ZUMA/Keystone

Eine Uralt-Monarchie wie Dänemark hat in seiner Landessprache ganz besondere Höflichkeitsformen für die obersten Etagen. Wenn Ihnen plötzlich die Königin auf der Straße begegnet, bekommen Sie ja sicher auch einen Schreck. Dann müssen Sie freundlich sein. Contenance! Bewahren Sie auch die Fassung bei Clowns. Für die Königin und ganz besonders alte Menschen hat das Dänische – man glaub es kaum – die „Sie“-Anrede (de statt du) preserviert. Darum sagen Sie am Besten „Vil De være så venlig at flytte dem? De forstyrrer mig“ (Vorschlag zur Aussprache: Will di värr soar vennli at flütte dem? Di fortürrer mei). Bedeutung: „Wären Sie bitte so freundlich, sich hinfort zu bewegen? Sie stören mich!“


5. Die neue Schule

Foto: imago/UIG

Menschen jüngeren Alters bewaffnen sich mit ganz anderen Fluchformeln als vorher besagte Dame. Das Hollywoodsche mischt nämlich auch die dänische Sprache kräftig auf. So würde ein 20-Jähriger Passant einem Clown wohl eher ein vulgäres: „Shit, hvor er du fucking grim. Pis af med dig din skid!“ um die Ohren hauen. (Vorschlag zur Aussprache: „Shit, hvor'r du fakking grimm. Piess ah med dei din ski'hld“'!). Ein zeitloses „forsvind!“ reicht manchmal auch.


6. Der listige Trick mit der Aufmerksamkeit

Foto: imago/Gerhard Leber

Jeder Krimi-Gucker weiß es doch schon bevor der Profiler vor die Kamera tritt: Ein soziopathischer Täter will insgeheim nur Aufmerksamkeit und Anerkennung. Geben Sie sie ihm das, tun sie nur sehr kurz geschockt. Halten Sie den Clown dann an, indem Sie seinen Auftritt fasziniert mit dem begeisterten Ausruf: „Ej, hvor er du flot! Jeg elsker klovne!“ loben. Bitten Sie ihn, sich ruhig zu halten, damit das Foto nicht verwackelt, das Sie von im haben wollen: „Vær sød at holde stille for et skarpt billede“ (Sei doch bitte so nett und halte still, damit ich ein scharfes Foto bekomme). Vorschlag zur Aussprache: Wärr söhld at holl' stille for et skarpt bielllelde. Mange Tak.

Mit freundlicher Unterstützung aus den Redaktionen der Zeitungen „der Nordschleswiger“ und „Flensborg Avis“.

Lesen Sie hier die weiteren Teile der Serie „Regionalsprachen in SH“:


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erstellt am 25.Okt.2016 | 20:37 Uhr

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