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Regionales

02. Dezember 2016 | 21:14 Uhr

Deutsche in Dänemark : Tödlicher Steinwurf auf Fünen-Autobahn - weitere Anschläge

vom

Wer sind die Betonklotz-Werfer von Fünen? Möglichweise war der tödliche Steinwurf am Sonntag nicht ihre erste Tat. Die Polizei spricht von vorsätzlicher Tötung.

Odense | Bei der Polizei auf der dänischen Insel Fünen sind zahlreiche Hinweise aus der Bevölkerung zu dem tödlichen Betonsteinwurf von einer Autobahnbücke bei Blommenslyst am Sonntag eingegangen. Das berichtet der Sender „TV2 Fyn“. Die Beamten betrachten die Angelegenheit als Mordfall und schließen angesichts ähnlicher Fälle nicht aus, dass es sich um eine Serie von Anschlägen handeln könnte. Vier Steine schleuderten die Unbekannten von der Brücke, drei verfehlten ihr Ziel. Von den Tätern keine Spur. Politiker stellen derweil die Frage, wie man solche Anschläge in Zukunft verhindern kann.

Am Montag wurde bekannt, dass es in der vergangenen Woche mindestens drei Fälle mit Wurfobjekten auf Autos auf der Fünen-Autobahn E 45 gegeben hat. So wurde laut Fyens.dk nordöstlich der Insel-Haupstadt Odense am Samstag ebenfalls ein Auto von einem 30-Kilo-Stein getroffen. Als der Däne Kenneth Faaborg Schrøder in der Nacht zum Donnerstag unter der Brücke fuhr treffen große Holzklötze seinen Wagen. „Da müssen irgendwelche kranken Menschen da draußen sein, die sich ein Vergnügen daraus machen, mit Steinen zu werfen“, sagt Schrøder, der mit dem Schrecken davon kam. Wachtleiter Steen Nylandi will nicht ausschließen, dass hier ein Zusammenhang besteht. Polizeikommissar Michael Lichtenstein pflichtet ihm bei: „Wir werden herausfinden, ob es da ein Muster gibt“.

Von einer Brücke am Østre Ringvej in Silkeborg wurden gegen Mitternacht von Sonntag auf Montag mehrere schwere Steine auf ein Wachauto der dänischen Straßenbehörde (Vejdirektoratet) geworfen. Drei Steine von acht bis zehn Kilogramm sowie zwei kleinere Steine haben das Auto nur knapp verfehlt, berichtet der Fernsehsender „TV2“ auf seiner Internetseite. Die Autobahnwache habe mehrere Personen auf der Brücke beobachtet und habe diese verfolgt, jedoch nicht aufspüren können. Es habe sich um vier Jungen und zwei Mädchen im Alter von rund 16 Jahren gehandelt.

Bei dem Tötungsfall am Sonntag wurde eine deutsche 33-jährige Urlauberin aus Recklinghausen auf dem Beifahrersitz vom Aufprall des schweren Betonsteins getötet. Der 36-Jährige Eheman und Fahrer befindet sich mit schweren Verletzungen im Uniklinikum in Odense, der gemeinsame Sohn (5) wurde leicht verletzt und seelsorgerisch betreut. Er hatte im Kindersitz auf der Rückbank gesessen. Inzwischen ist er mit Angehörigen in Richtung Heimat abgereist.

Die Bestürzung im Urlaubsland Dänemark ist groß, für die Mutter haben Anwohner Blumen auf die Brücke gelegt. Und die Menschen versuchen jetzt, bei der Aufklärung zu helfen. Bereits 30 Hinweise seien eingegangen, sagt die Polizei. Es wird angesichts des Gewichtes von 30 Kilogramm davon ausgegangen, dass es mehrere Täter waren und dass angesichts der erforderlichen Logistik mindestens ein Erwachsener gewesen sein muss.

„Es sind sehr viele, die gerne helfen wollen“, sagte ein Polizeisprecher. Dabei gebe es Hinweise zu den geworfenen Steinen, aber auch Zeugen, die jemanden auf der Brücke gesehen haben wollen. „Es gibt jemanden, der an der Autobahnbrücke vorbeigefahren ist und eine Beschreibung abgegeben hat. Dem werden wir natürlich nachgehen“, so ein Polizeisprecher. Das Gebiet in Nähe der Brücke wurde mit Hundestaffeln abgesucht und von Kriminaltechnikern überprüft. Am Tatort wurden überdies DNA-Spuren gefunden, die nun untersucht werden.

Wer macht so etwas? Das ist die Frage, die den entsetzten Anwohnern am Tag darauf durch den Kopf geht. „Ich finde das völlig verrückt. Wir können uns nie sicher fühlen, wenn wir unter der Brücke herfahren“, sagt der Rentner Arne Mølborg, der seit 40 Jahren nur wenige Meter von der Autobahnbrücke auf der Insel Fünen entfernt wohnt, dem Fernsehsender „TV2“.

Am Sonntag veröffentlichte die Polizei Bilder von zwei Klötzen mit 9,5 und 30 Kilogramm Gewicht. Bei einem handelt es sich um einen speziellen Eckstein, der zum Bau von hohen Mauern genutzt wird. Die Steine könnten eine wichtige Spur sein, vermutet die Polizei. „Es ist noch sehr früh. Wir gehen allen Spuren nach und haben viele Hinweise bekommen. Aber es fehlt noch der eine entscheidende Hinweis. Die Steine sind sehr speziell. Wir hoffen, dass ein Bauunternehmer oder jemand anders sich bei uns meldet, dem solche Steine fehlen“, sagt Charlotte Nyborg von der Polizei. Bauunternehmen und Maurer werden aufgefordert, ihre Bestände zu überprüfen.

Ein politisches Nachspiel könnten die Anschläge ebenfalls haben. Die Sicherheitsdebatte kommt ins Rollen. Die Sozialdemokraten in Person der Folketing-Abgeordneten und rechtspolitische Sprecherin Trine Bramsen verlangen vom liberalen Transportminister Hans Christian Schmidt eine Erhebung darüber, wie oft Gegenstände von Autobahnbücken geworfen werden. Gefährdete Autobahnüberquerungen sollten unverzüglich benannt werden. Man müsse gegebenenfalls über Überwachungs-Instrumente diskutieren, so die 35-Jährige.

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erstellt am 23.Aug.2016 | 17:57 Uhr

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