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Metal-Festival: Wacken Open Air

04. Dezember 2016 | 05:03 Uhr

Wacken Open Air 2016 : Von der Kirche zum Festival: Diese Frau kümmert sich um die Seelen der Metal-Fans

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Seit fünf Jahren sorgt sich Vikarin Katharina Schunck auf dem Wacken Open Air um die seelsorgerischen Belange der Besucher.

Wacken | Wenn Katharina Schunck vom Wacken Open Air spricht, verändert sich ihr Tonfall. Es ist die Begeisterung der angehenden Pastorin, die hörbar ist. „Ich komme nach Hause“, dieses Gefühl hat sie, wenn sie auf dem Festival ist. „Dort fühle ich mich wohl. Dort bin ich richtig, weil ich gebraucht werde“, sagt die Glückstädter Vikarin.

Die 27-Jährige arbeitet auf dem Gelände, wenn andere feiern. Denn sie ist im Leitungsteam des Landesjugendpfarramtes – und damit zuständig für die Seelsorge auf dem Festival. Ausgewählt wurde sie für das Ehrenamt, weil die Theologin eine einjährige Zusatzausbildung in der Telefonseelsorge hat.

2010 bekam die evangelische Kirche die Anfrage von den Festival-Organisatoren, ob Seelsorger vor Ort sein können. Im ersten Jahr kamen fünf Pastoren und andere seelsorgerisch Tätige. Weil so viel zu tun war, gab es bereits ein Jahr später über eine Hamburger Zeitung einen Aufruf. Ein Mitstudent von Katharina Schunck las dies, sprach sie an und schickte für sie eine Bewerbung. „Ich bin da reingerutscht trotz langer Warteliste“, denn viele meldeten sich damals. 2011 war sie gleich das erste Mal dabei – in „einem professionellen Team“.

In diesem Jahr ist das Team mit 19 Leuten vor Ort, mit dabei sind Pastoren und Therapeuten. Alle teilen sich den Dienst auf, denn es gibt auch eine Versorgung in der Nacht, in der die Seelsorger telefonisch erreichbar sind. Das Team ist auf dem Gelände zu finden in einem Zelt „vor dem Sanitätsbereich“.

Die Bandbreite der Aufgaben ist groß. Zum einen kommen die Festivalbesucher in das Seelsorgerzelt, aber Katharina Schunck ist auch auf dem Gelände unterwegs. Erkennbar an ihrem speziellen T-Shirt mit der Aufschrift Seelsorge. „Manche sind einsam in der Masse“, sagt sie zu Gesprächen. Andere haben Konflikte mit Freunden, manche bekommen einen „Heul-Flash“ und kommen aus diesem schwer heraus. Betreuung brauchen auch Besucher, die „extrem bestohlen wurden“. Und dann gibt es welche, die mit Panikattacken von den Sanitätern geschickt werden. „Wir stehen auch Backstage und helfen, wenn jemand einen Kreislaufkollaps hat.“ Im Verhältnis zu den Besucherzahlen kommen weit mehr Frauen, die seelsorgerischen Beistand suchen.

Katharina Schunck freut sich auf nächste Woche. Als Ehrenamtlerin reist sie einen Tag früher an. „Am Mittwoch starten wir mit der Besprechung des Organisationsteam.“ Sie freut sich auch darauf, andere Ehrenamtler wie die Sanitäter wiederzutreffen. „Es ist wie ein Klassentreffen.“

Und sie liebt die Musik, die in Wacken gespielt wird. Die gebürtige Brunsbüttelerin schrieb sogar ihre Examensarbeit an der Universität Hamburg über die Seelsorge beim Wacken-Festival.

Auch die Unterbringung vor Ort erinnert ein an Schulzeiten. Denn das Seelsorger-Team schläft im Wackener Gemeindehaus – auf Isomatten und im Schlafsack. Morgens um 9 Uhr gibt es Frühstück, bei dem über Organisatorisches gesprochen wird. Gearbeitet wird in Schichten bis zum Sonntag, dann ist das Festival zu Ende. Wobei bei der Vikarin schon feststeht, dass sie Freitag- und Sonnabendnacht von 21 bis 5 Uhr morgens für die Metal-Fans da sein wird, um zu reden. „Es wird spannend und entspannend. Wacken ist für mich die beste Zeit im Jahr. Es kostet Kraft, aber ich ziehe auch total viel raus.“ Die Begegnungen mit den Besuchern dort sei „direkter, ungezwungener“. Es ist für sie ein Ausnahmeort mit Gesprächen auf Augenhöhe.

Und auf eines freut sich die junge Theologin besonders: Dass sie die Gruppe Iron Maden endlich live hören wird.

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erstellt am 27.Jul.2016 | 05:15 Uhr

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