zur Navigation springen

Metal-Festival: Wacken Open Air

04. Dezember 2016 | 19:29 Uhr

WOA 2016 : Real statt digital: Wacken ist Pokémon-freie Zone

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Lange Mähnen und bunte Blaskapellen: Auf dem WOA gibt's vieles. Nur Pokémons, die sucht man vergeblich.

Wacken | Bärtige Bierbauchträger und Blondies im Bananen-Kostüm, Mittelalterfans im Schottenrock und Warrior in Metallrüstung. Von Gitarristen mit langen Mähnen bis zu bunt verkleideten Blaskapellen gibt es (fast) alles auf dem WOA. Nur eines sucht man auf dem Holy Ground vergeblich: Pokémons.

Seit einigen Wochen tobt der Hype um die kleinen Monster, die durch das Handy-Spiel Pokémon Go wieder zum Leben erweckt wurden. Doch auf Wackens Äcker haben es Pikachu und Co. offenbar nicht geschafft. „Weit und breit kein Pokémon zu finden“, ärgert sich eine Kollegin, die sonst regelmäßig zockt. Eine andere Mitarbeiterin will am Dienstag zwei Pokémons auf dem Festival-Gelände gefangen haben. Weitere fand sie nicht.

Dabei würden Stahl-Pokémons wie Stolloss, eine Art Dinosaurier aus Metall, oder das finster blickende Geister-Pokémon Alpollo gut auf das Metal-Festival passen. Immerhin: Einige Pokéstops gibt es auf dem Gelände und irgendwo auch eine Arena. Doch das war’s – und das ist auch gut so.

Die Masse der Fans stört es nicht im Geringsten, dass das WOA Pokémon-freie Zone ist: „Das wäre das letzte, was ich tun würde“, antwortet ein Metalhead, gefragt, ob er Pokémon Go spiele. Sein Handy habe er nur gezückt, um nach dem Weg zu schauen. „Wer auf Wacken Pokémon Go spielt, den sollte man lynchen“, sagt Matthias Hoffmeier (33), der sein Mobiltelefon nur in der Hand hielt, um mit Freunden die Nummer auszutauschen.

Bilder, wie sie sich im Moment in vielen Städten bieten, wo sich massenweise Anhänger des Spiels an den Pokéstops zusammenfinden, sucht man auf dem WOA vergeblich. Beim Pokéstop auf der Wacken Plaza ist niemand zu sehen, der auf sein Handy starrt. Bei der Kirche im Wackener Dorf machten sich die anreisenden Fans gestern Gedanken, wie sie Gepäck und Bier aufs Gelände bekommen statt virtuelle Wesen zu jagen.

Auf den Campingplätzen wird Limbo getanzt und Flunkyball gespielt, statt mit Bällen auf Monster geworfen. Weite Wege werden zurückgelegt, um geile Konzerte zu hören und nicht, um Eier auszubrüten. Im Infield feiert und headbangt die Metal-Gemeinde, anstatt in die Handy-Welt zu flüchten.

Dass der Hype am WOA vorübergeht, beweist wieder einmal: Die Wacken-Fans bleiben sich treu. Von Modeerscheinungen lässt sich der Metalhead nicht beeindrucken. Hier wird noch miteinander geredet statt gezockt. Wer seine Nachbarn kennenlernen will, braucht dafür kein Handy-Spiel, sondern trinkt einfach ein Bierchen mit ihnen. Wacken ist weder digital noch virtuell und schon gar nicht Pokémon-affin. Wacken ist real.

Aktuelle Infos rund ums Festival gibt's in unserem Liveblog - und auf shz.de/wacken.

zur Startseite

von
erstellt am 04.Aug.2016 | 16:15 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen