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Metal-Festival: Wacken Open Air

10. Dezember 2016 | 02:15 Uhr

WOA 2016 : Infraschall: Wer nicht hört, wird fühlen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bei Windkraftanlagen verpönt, bei der besonders harten Musik aber durchaus erwünscht. Von wegen unhörbar: Das Metal-Herz schlägt bei besonders tieffrequenten Tönen höher – auch, wenn sie durchs WackenRadio kommen.

Wacken | Klar, Bässe und tiefe Töne sollen ordentlich reinhauen. „Damit sie das tun, benötigt man aber fürchterlich große Boxen.“ Das sagt Bérénice Schneider (29) in Stuttgart, Sprecherin der Band „Way to Bodhi“. Auf Deutsch: „Weg zur Erleuchtung“.

Zu Letzterem hat die Subsonic-Metal-Band, deren vier Mitglieder aus allen Teilen Süddeutschlands stammen, bereits einiges beigetragen. So spielte sie im vergangenen Jahr einen Rekord ein: Den bislang tiefsten Ton auf einer extra angefertigten elektrischen Bassgitarre. Das Instrument ist mit einer H-Saite ausgestattet, die bereits rein äußerlich Eindruck macht: „Die ist so dick wie der kleine Finger einer zierlichen Frau“, erklärt Bérénice Schneider. Auch die Frequenz, den die Gitarre mit dieser Saite erzeugt, hat es in sich: Sie liegt mit 15,4 Hertz – normalerweise – unterhalb der menschlichen Hörschwelle.

Gemessen wurde der Infrasonic-Ton im vergangenen Jahr am Physikalischen Institut der Universität Stuttgart. Seitdem gilt „Way to Bodhi“ als die am tiefsten spielende Band der Welt.

Doch bei dem reinen Labor-Test sollte es nicht bleiben. Die Band präsentierte den Song „Living on H“ mit dem tieffrequenten E-Bass noch im selben Jahr bei den „Guitars United Sessions“ in der Filderhalle im baden-württembergischen Leinfelden-Echterdingen der Öffentlichkeit. Denn: Trotz der tiefen 15,4 Hertz könne man die Energiemenge des Bass-Tons spüren, sagt Bérénice Schneider. „Bei ihm schwingen so genannte Obertöne als Vielfaches des Grundtons mit. Diese Obertöne hört das menschliche Ohr sehr wohl und erkennt die Tiefe des Tons.“

Schlägt auf Magen und Darm: Der tieffrequente Ton der Spezial-Gitarre des Bassisten von „Way to Bodhi“ – ein Monster-Bass des deutschen Herstellers Marleaux.
Schlägt auf Magen und Darm: Der tieffrequente Ton der Spezial-Gitarre des Bassisten von „Way to Bodhi“ – ein Monster-Bass des deutschen Herstellers Marleaux.
 

Allerdings nur mit leistungsstarken Bass-Lautsprechern. So seien extra für den Auftritt von „Way to Bodhi“ Subwoofer mit 16.000 Watt aufgestellt worden. „Da haben bis in die letzten Reihen die Hosenbeine geflattert“, sagt die Band-Managerin. „Das drückte richtig in den Bauch rein. Und das Herz klopfte mächtig – aber das gehört natürlich mit dazu.“

Die Fans hätten’s gut gefunden. Lediglich ein Dackel, den ihre Eltern zum Konzert mitgebracht hatten, hatte eine deutlich empfindlichere Wahrnehmung, berichtet die 29-Jährige. „Der hatte gebellt und wollte die Halle schnell wieder verlassen.“

Allerdings müssten nicht nur Fans, sondern auch die Bandmitglieder – alle so um die Mitte 20 bis Anfang 30 Jahre alt – eine ordentliche Physis mitbringen: „Vor allem der Bassist selbst bemerkt den von ihm erzeugten Infraschall – der kann schon mal auf die Verdauung schlagen“, berichtet Bérénice Schneider und lacht.

Auch „WackenRadio“ – das Heavy-Metal-Internetradio von RauteMusik in Aachen – hat aufgehorcht: „Ich meine, es ging um diesen Rekordversuch“, erinnert sich Philipp „Flip“ Klinger (26) von der WackenRadio-Leitung. „Und ich glaube, wir haben bei denen damals dann angefragt.“ So wurde „Way to Bodhi“ eingeladen, Ausstrahlung war im Dezember. Verbunden mit der nett gemeinten Warnung, nicht gleich voll aufzudrehen, sondern sich an die passende Lautstärke heranzutasten.

Direkt auf dem Wacken-Gelände konnte „Way to Bodhi“ hingegen noch nicht zur lautstarken „Erleuchtung“ beitragen. „Aber das wäre natürlich unser Traum“, sagt Bérénice Schneider. Und der mancher Fans wohl ebenso. Denn die besonders tieffrequenten Töne der Subsonic-Metal-Band würden eines sicherlich erzeugen: ein echtes Musik-Beben.

So tief wird es in Wacken

Nicht ganz unter die Hörschwelle – aber nahe dran: Auch beim Wacken Open Air geht’s mit den Bässen tief runter. „Unsere 21-Zöller schaffen es auf 27  Hertz“, sagt Gerd Gruss (57), Geschäftsführer von Crystal Sound. Das Unternehmen aus Karlsruhe ist mit 18 Mann vor Ort, kümmert sich vor allem um den Sound entlang der beiden Hauptbühnen – der True Metal Stage und der Black Metal Stage. Dort sei ein so genanntes „Bassbrett“ installiert: „Mit den 128 Boxen à 8000 Watt lassen sich die tieffrequenten Wellen zielgerichtet abstrahlen“, erklärt Gruss. Ortschaften oder Siedlungen könnten bei dieser Technik bewusst ausgespart werden – und werden von den Bassklängen kaum erfasst.

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erstellt am 03.Aug.2016 | 19:36 Uhr

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